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Ansturm auf die Tafel

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Von: Anton Renner

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Gewohntes Bild: Bei der Dorfener Tafel versorgen sich mittlerweile auch viele Asylbewerber mit Lebensmitteln. Foto: rEnner
Gewohntes Bild: Bei der Dorfener Tafel versorgen sich mittlerweile auch viele Asylbewerber mit Lebensmitteln. © Renner

Dorfen - Die Dorfener Tafel steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Bisher wurden gut 40 Bezugsberechtigte mit Lebensmitteln versorgt. Durch die Asylbewerber in der Stadt ist die Zahl der Tafel-Nutzer auf über 130 angewachsen. Die Nachbarschaftshilfe als Betreiber der Tafel sucht händeringend zusätzliche ehrenamtliche Helfer.

Bislang erhielt die Dorfener Tafel wöchentlich etwa 500 Kilogramm Lebensmittel gespendet. Sie wurden an maximal 45 berechtigte Haushalte (Einzelpersonen und Familien mit Kindern) verteilt. Der zeitliche Aufwand für die wöchentliche Tafelausgabe betrug rund 50 Stunden. Geschultert wurde dies durch 35 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Seit Anfang des Jahres versorgt die Tafel zusätzlich gut 70 Asylbewerber, die sich bei der Dorfener Tafel mit Lebensmittel versorgen dürfen. Dafür wurde am Montagnachmittag eine zusätzliche Ausgabe eingerichtet. Einem Teil der Flüchtlinge werden die Lebensmittel auch geliefert.

Da die Zahl der Asylbewerber in Dorfen weiter steigen wird – derzeit leben etwa 150 Flüchtlinge in Dorfen und Schwindkirchen – steht die Tafel vor großen Herausforderungen. Ab Mitte August sollen die Öffnungszeit der Tafel erneut ausgeweitet werden. Um die weitaus größere Zahl von Bezugsberechtigten ausreichend versorgen zu können, braucht es dringend zusätzlicher Helferinnen und Helfer – und mehr Ware. „Wir sind zuversichtlich, dass wir neue Helfer gewinnen werden und durch zusätzliche Spenden die Ware ausreichend sein wird“, zeigt sich Hilde Mittermeier, die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, positiv gestimmt.

Um zusätzliche Lebensmittelspenden zu erhalten, erweitert die Tafel ihren Aktionsradius. Teilweise werden Spenden jetzt schon aus Haag geholt. Wichtig ist Mittermaier dabei, dass die Spenden nicht aus einem Gebiet kommen, wo ebenfalls Tafeln aktiv sind – im Landkreis ist das neben Dorfen auch in Taufkirchen und Erding.

Mittlerweile sind die Asylbewerber in den seit Jahren bewährten Ablauf bei der Ausgabe der Lebensmittel integriert. Sobald die Flüchtlinge eine Berechtigungskarte vom Sozialamt erhalten haben, können sie zur Tafel kommen. Anfangs ging das nicht ganz reibungslos, wie Mittermaier einräumt. Spürbar wären erste Anzeichen von Neid und Missgunst gegenüber den Asylbewerbern gewesen, so Mittermaier. Doch die Tafelmitarbeiter konnten hier in Gesprächen für Beruhigung sorgen. Noch sind die Lebensmittelrationen für die Tafelkunden groß genug.

Asylbewerber, die das erste Mal das Angebot der Tafel nutzen, werden darauf hingewiesen, dass sie die Waren wertschätzen sollen. „Zum einen sind es wertvolle Lebensmittel, zum andern sind es wertvolle Stunden der Helferinnen und Helfer, die diese aufwenden“, so Mittermaier. Mit diesem Procedere habe die Tafel „sehr gute Erfahrungen“ gemacht. Was Mittermaier besonders freut: Die Asylbewerber zeigten sich für die Unterstützung dankbar.

Wegen der Asylbewerber, die oft aufgrund ihres Glaubens etwa kein Schweinefleisch essen, müssen die Tafelmitarbeiter auch bei der Lebensmittelausgabe umdenken. Was besonders gefragt ist, sind haltbare Lebensmittel wie Eier, Milch, Mehl, Reis, Hülsenfrüchte, Nudeln und Öl. Doch das sind Waren, die nicht so häufig gespendet werden. Die Nachbarschaftshilfe hat hier bereits einige Male aus Spendengeldern solche Lebensmittel zugekauft. Die Tafeln dürfen Waren nur in Ausnahmefällen zukaufen. Deshalb ist die Nachbarschaftshilfe auch auf der Suche nach Spendern, die haltbare Lebensmittel für den Tafelbetrieb zur Verfügung stellen.

Kein Hehl macht Mittermaier daraus, dass sich die Tafeln von der Politik „alleine gelassen“ fühlen. Jochen Brühl, der Verbandschef der Tafeln, hat vor Wochen bereits um mehr Unterstützung gebeten und zugleich die Politik auf gerufen, ihre Verantwortung besser wahrzunehmen und sich nicht auf die Ehrenamtlichen zu verlassen. Die Tafeln seien keine ausgewiesenen Einrichtungen der Flüchtlingshilfe.

Wer die Tafel bei ihrer Arbeit unterstützen will, kann sich bei der Nachbarschaftshilfe Dorfen unter Tel. (0 80 81) 9577263 oder per E-Mail unter tafel@nachbarschaftshilfe-dorfen.de melden.

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