Jubel gemischt mit Ärger

So reagieren Verbände auf das Aus der „B 15 neu“

Erding/Mühldorf – Lob von Umweltverbänden für Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) – das ist selten. Das Aus für die geplante vierspurige Bundesstraße „B 15 neu“ jedoch hat unter den kampferprobten Gegnern des Projekts Jubel ausgelöst.

„Für uns war das wie das Erwachen aus einem langen Albtraum“, sagte die Vilsbiburger Grünen-Stadträtin Gisela Floegel, die Sprecherin der „Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der Autobahntrasse Regensburg-Rosenheim“ ist. Offenbar habe die „Vernunft gesiegt“, erklärte auch der Verkehrsclub Deutschland. Ein vierspuriger Bau einer neuen Trasse entweder durch den Landkreis Erding oder den Landkreis Mühldorf wäre nicht zu verantworten gewesen, meint der VCD. Hubert Weiger, Chef des Bund Naturschutz in Bayern, sprach von „großer Freude“, den der Beschluss des bayerischen Ministerrat bei ihm ausgelöst habe. Er danke Minister Herrmann ausdrücklich.

Was bleibt, ist ein Rest an Unbehagen: So warnt Floegel dringend vor der von Herrmann angekündigten Planung einer Ost-Süd-Umfahrung von Landshut. Sie sei überflüssig und wegen eines neuen Isar-Übergangs landschaftszerstörend. Jeder der 16 Kilometer, so rechnet Floegel vor, koste 20 Millionen Euro.

Ganz anders Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft: Er nannte die „Rücknahme der Anmeldung einer Platzhaltertrasse“ für die „B15 neu“ seitens der bayerischen Staatsregierung ein „irritierendes Signal“. Stark belastete Nord-Süd-Achsen wie die A 9 müssten „durch den Ausbau von Nord-Süd-Verbindungen in Ostbayern entlastet werden“. Das bedeute auch leistungsfähige Querverbindungen zwischen den Ost-West-Autobahnen A 94, A 92, A 3 bis zur A 6. Im Landkreis Mühldorf ist der Jubel groß, in Erding eher nicht. Der Bürgermeister von Dorfen (Kreis Erding), Herbert Grundner (CSU), hadert mit dem Verzicht auf die Bundesstraße. „Aus Sicht der Stadt Dorfen ist die Entscheidung eine Katastrophe. Für uns ist das vernichtend.“ Der Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler (CSU) mahnt für die bestehende B 15 jetzt „alle fünf bis zehn Kilometer“ Überholspuren an. Das ist genauso ungewiss wie der Bau von Ortsumfahrungen, auf die andere Bürgermeister mit Verweis auf Prognosezahlen pochen. Zahlen wie etwa 35 000 Fahrzeuge täglich auf der B 15 seien aber Panikmache, meint Straßenbau-Gegnerin Floegel. Die Zahl sei nur deshalb eingesetzt worden, um für das nun abgesagte Straßenprojekt eine positive Nutzen-Kosten-Rechnung zu erhalten.  

dw/ar

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