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Gewitzt und einprägsam: Bürgermeister Simon Oberhofer, Markus Geier (verdeckt), Martin Falkenberg, Herbert Knur, Marita Anzinger, Hermann Aigner, Jan Luttmann, Gitte Luttmann und Josef Eberl (v. l.) vor dem Plakat, das vor dem Berglerner Sportgelände auf die drohende Lärmbelastung der Gemeinde hinweist.

Startbahn-Widerstand im Kreis Erding

Die einsamen Kämpfer

Berglern - Der Gegenwind kommt selten aus dem Westen. Die Startbahngegner aus Berglern vermissen die Unterstützung der Nachbarn im Kampf gegen die dritte Startbahn. Sie sind aber auch selbstkritisch und krempeln jetzt die Ärmel hoch.

Ein letztes Mal setzt Martin Falkenberg den Akkubohrer an. Noch ein Spax, dann ist das riesige Plakat vor dem Berglerner Sportplatz fixiert: „Ich bin da Fluglärm – und do waar i dahoam.“ Es ist eine von sechs – meist in Mundart gehaltenen – Aussagen, die die BI Berglern in großen Lettern an Häusern im Ort angebracht hat. Eines der Plakate aber ist schon wieder weg. „Nicht Richter, sondern Politiker entscheiden. Beim Wählen dran denken!“, stand drauf. Nach einer Woche war es verschwunden.

„Da steckte schon kriminelle Energie dahinter. Das Schild war ohne Leiter gar nicht zu erreichen“, sagt Falkenberg. Und damit spricht er ein Dilemma an: Die Berglerner Startbahngegner haben nicht nur Freunde im Ort. Und sie fühlen sich im Landkreis Erding allein gelassen. „Es gibt noch Widerstand in Wartenberg und vereinzelt ein paar Leute in Oberding. In Fraunberg haben wir den Karlheinz Reingruber – aber sonst?“, sagt Markus Geier und schaut in die Runde.

Herbert Knur ergreift das Wort: „Die anderen sind doch froh, wenn der Lärm durch ein weitere Bahn weiter nach Norden wandert.“ Mit den anderen meint er auch Bürger aus den südlichen Ortsteilen Berglerns. Und Eitting? Georg Wiester sei ein aufrechter Bürgermeister, dem man seine Einstellung gegen den Flughafenausbau abnehme, aber sonst komme vom südwestlichen Nachbarn nichts.

Erding? „Ach, Erding“, raunt es seufzend durch die Runde. Allein die Tatsache, dass sich bei den Großdemos in München kein Bürgermeister habe blicken lassen, spreche Bände, meint Geier. Doch dann fasst er sich an die eigene Nase: „Auch bei uns ist vieles eingeschlafen.“ Das sei einerseits verständlich. Denn dem Münchner Bürgerentscheid im Jahr 2012 folgten die Zweifel Horst Seehofers an den Startbahnplänen. „Da haben viele gedacht, jetzt ist es durch“, erinnert sich der Lehrer. Aber bekanntlich bekam der Ministerpräsident mächtig Gegenwind in seiner eigenen Partei.

1000 Postkarten für Seehofer

Geier befürchtet, „dass sich die Betonköpfe in der CSU durchsetzen könnten“. Deshalb geben die Berglerner Startbahngegner ab sofort wieder Gas. Rund 25 Aktive zählt die BI Berglern, darunter sind Lehrer, Landwirte, Krankenschwestern, Bauingenieure, Verkaufsleiter, Feuerwehrmänner, Beamte, Bürgermeister und Altbürgermeister. Die Jugend sucht man auf den ersten Blick vergebens, aber Falkenberg versichert: „Wenn wir sie brauchen, sind sie da. Bei einer Demo in München würden wir locker vier Busse vollkriegen.“

Das ist aber Zukunftsmusik und die Sache größerer Organisationen wie dem Aktionsbündnis Aufgemuckt, dem die BI angehört. Vor Ort ist der Protest gewitzt, aber eine Nummer kleiner. Die Plakataktion, die rund 850 Euro gekostet hat, war ein Anfang. Im Wia´z Haus z´Lern referierte die Freisinger Lungenfachärztin Dr. Adelheid Bisping-Arnold über die Feinstaubbelastung in der Flughafenregion.

„Außerdem wollen wir Horst Seehofer bei seiner Entscheidung unterstützen, indem wir eine Postkarten-Aktion durchführen“, kündigt Falkenberg an. Jeder Berglerner erhalte eine vorgedruckte Postkarte, die mit „lieber Herr Seehofer“ beginnt und kann dann ein, zwei Sätze gegen die dritte Startbahn hinzufügen. „Wir sammeln die Karten ein und wollen diese persönlich in der Staatskanzei bringen“, sagt Falkenberg. Er rechnet mit über 1000 Karten von Kindern und Erwachsenen. Die Aktion werde auch vom Elternbeirat der Berglerner Schule unterstützt.

Gerade die Informationen für junge Eltern sind der BI Berglern wichtig. „Berglern ist das einzige Dorf, das von zwei Startbahnen aus überflogen werden würde – auf 250 bis 300 Meter Höhe“, sagt Knur. Grundschule und zwei Kindergärten wären belastet. „Die Kinder können sich nicht wehren. Das ist unsere Aufgabe“, sagt der Alt-Bürgermeister, der als Vorsitzender der Fluglärmkommission (FLK) die Fakten kennt wie kein Zweiter.

Auch er wünscht sich mehr Unterstützung aus dem Landkreis und prophezeit: „Später kommt der Aufschrei, wenn die Flugrouten bekannt werden.“ Die FLK forderte bisher vergeblich von der Deutschen Flugsicherung (DFS) entsprechende Angaben. „Die DFS-Zentrale in Langen will sich aber erst nach einer Entscheidung zur dritten Bahn damit befassen“, sagt Knur, der zudem die Argumentation gegen eine weitere Piste breiter anlegen würde.

Eine Klage ist noch offen

Derzeit werde nur der Bedarf einer dritten Bahn in den Mittelpunkt gestellt. „Den wird die Flughafen München GmbH liefern, indem sie immer mehr Airlines herholt“, glaubt er. „Aber was ist mit der Belastung der Menschen? Es ist menschenverachtend, eine Schneise durch Attaching, ein 1000 Jahre altes Dorf, zu treiben.“ Und da wäre noch die Klage vom Bund Naturschutz, die beim Bundesverfassungsgericht anhängig. „Es geht um die Zerstörung der FFH-Gebiete, die von den Verwaltungsgerichten zu nachlässig behandelt wurden“, sagt Knur. Es gehe auch darum, dass durch die Entscheidung pro Piste, „jede Bauleitplanung in Berglern ad absurdum geführt wurde“.

Apropos Baurecht. Geier spielt auf die genehmige Planfeststellung an: „Wenn ich Baurecht habe, muss ich noch längst nicht bauen.“ Dass die FMG als GmbH möglichst viel Umsatz generieren will, sei verständlich. Aber die drei Gesellschafter seien nun einmal Bund, Land und Landeshauptstadt. „Und die müssen einen Ordnungsrahmen setzen“, sagt er, „einen Leitfaden für ein Bayern, das auch in 100 Jahren noch schön sein soll“.

Und nicht nur Bayern. Falkenberg erinnert an die Pariser Klimakonferenz und die Mahnung des Papstes, sorgsam mit den Ressourcen umzugehen, die dem Ausbau des Verkehrs diametral entgegenstünden. Und Herbert Knur hat noch die Worte einer jungen Berglernerin im Ohr. „Was ist denn das für ein Lärm? Dieser Flughafen muss sofort wieder weg.“ Die Frau sagte dies am 17. Mai 1992, am ersten Betriebstag des Moos-Flughafens. Es kam ein wenig anders.

Dieter Priglmeir

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