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Altenerdinger Angst vor dem Tunnelblick

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Von: Hans Moritz

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Gefährliches Nadelöhr: Auch Rettungsfahrzeuge im Einsatz stehen täglich vor den minutenlang geschlossenen Schranken an der Bahnhofstraße in Altenerding. © Moritz

Erding - Für OB Max Gotz ist es eine der letzten Chancen, mit dem S-Bahn-Ringschluss durch Erding rasch voranzukommen: Auf einer parteiübergreifenden Demo werden die Erdinger einen längeren S-Bahntunnel fordern. Aus Altenerding kommt der klare Hinweis: Vergesst uns nicht!

Der Ringschluss, respektive dessen Planung, nimmt nach jahrzehntelanger Verzögerung Fahrt auf. Für den Abschnitt zwischen Stadtgrenze und Flughafen läuft das Planfeststellungsverfahren, für das Stadtgebiet Erding soll es nach Vorstellung des Innenministeriums so schnell wie möglich starten.

Doch es gibt große Unstimmigkeiten, wie die Trasse verlaufen soll. Der Freistaat als Planer sagt: Die Haager Straße muss nicht untertunnelt werden. Die Schrankenschließzeiten überschreiten das Maximum gerade nicht. Die Stadt wiederum stellt sich auf den Standpunkt: Wir lassen uns Erding nicht durchschneiden. Der Tunnel müsse mindestens im Stadtpark beginnen. Der Ringschluss sei ein Erschließungsprojekt des Flughafens. Alle Fraktionen berufen sich auf die Aussage von Ministerpräsident Horst Seehofer: „Sonderlasten erfordern Sondermittel“.

In Altenerding verfolgt man die Debatte kritisch. Die Angst vorm Erdinger Tunnelblick geht um: Die Verantwortlichen könnten ihren Blickwinkel so verengen, dass es nur noch um die Haager Straße und nicht mehr um die Bahnhofstraße geht.

Die stellt nicht minder ein Nadelöhr da. Denn in Altenerding begegnen sich die S-Bahnen. In dieser Zeit bleiben die Schranken unten. Im Stau davor stehen nicht nur entnervte Autofahrer, sondern auch täglich mehrfach Einsatzfahrzeuge. Wertvolle Minuten verstreichen so dutzendfach. Die Bahnhofstraße ist eine zentrale Route sowohl für den Rettungsdienst als auch für die Polizei. Direkt neben dem Bahnübergang befindet die Wache der Altenerdinger Feuerwehr. Ein Führungsmitglied berichtet: „Es kommt gar nicht so selten vor, dass wir nach einem Alarm mit unseren Privatautos erst gar nicht oder stark verzögert das Gerätehaus erreichen. Danach stehen wir mit den Einsatzfahrzeugen an der Schranke.“ Die gesetzliche Zehn-Minuten-Hilfsfrist sei schwer einzuhalten.

Das bestätigt Christian Caspari, Leiter Rettungsdienst beim BRK Erding. „Das passiert mehrmals täglich.“ Im Einsatzfall verstrichen Minuten, die lebensentscheidend sein können. „Wir versuchen, die Schließzeiten zu umfahren. Aber das kostet auch Zeit“, so Caspari. Eine Verbesserung sei wünschenswert.

Bodo Urban, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Erding, stellt grundsätzlich fest, „dass der Verkehr in Erding immer mehr wird, und unsere Streifenwagen immer schwerer durchkommen“. Sorge bereitet ihm, „dass sich die Lage bei einem dichteren Fahrplan erheblich verschärfen könnte.“ Gerade bei schweren Straftaten zähle jede Minute. Die drohende „Zweiteilung der Stadt“, so Urban, könne dann zum Sicherheitsrisiko werden.

Oberbürgermeister Max Gotz versucht, Sorgen zu zerstreuen, Altenerding könnte unter den Tisch fallen. „Das haben wir weiter fest im Auge“, sagte er unserer Zeitung. Allerdings befinde sich die Haager Straße noch im Planungsbereich des Verkehrsministeriums. Dieser endet direkt vor dem Übergang Parkstraße. „Deswegen muss es schon aus formellen Gründen zunächst um die Haager Straße gehen.“ Für ihn sei aber klar: „Der nächste Schritt wird sein, dass wir auch in Altenerding Verbesserungen erzielen. Aktuell sei die Situation dort in der Tat höchst problematisch. Beim CSU-Frühschoppen am Sonntag hatte Fraktionsvize Burkhard Köppen allerdings darauf hingewiesen, dass die Ortsdurchfahrt wieder mehr Verkehr abbekäme, wenn freie Fahrt herrscht.

Was die Feuerwehr betrifft, stellt der CSU-Politiker in Aussicht, „dass wir in Kürze unseren Feuerwehrbedarfsplan überarbeiten“. Dann könnte sich die Frage nach einem neuen Standort für die Wache stellen. Das gleiche gilt übrigens auch für das Gerätehaus der Erdinger Feuerwehr an der Lebzelterstraße. Die ist längst an ihre räumliche Grenzen gestoßen.

Die Kundgebung am Freitag um 17 Uhr am Übergang Haager Straße ist prominent besetzt. Veranstalter sind die Bürgerinitiative (BI) Bahntunnel Erding und alle Stadtratsfraktionen. Die Hauptreden halten BI-Vorsitzender Winfried Busch und OB Gotz. Zugesagt haben Umweltministerin Ulrike Scharf, (CSU), die Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD) sowie aus dem Landtag Doris Rauscher (SPD), Benno Zierer, Thorsten Glauber und Hubert Aiwanger (FW) sowie Claudia Stamm und Markus Ganserer (Grüne).

Für Gotz steht fest: „Ich habe hier nicht die Parteibrille auf. Es geht um die Sache, da schone ich auch die eigenen Leute nicht. Andererseits erwarte ich auch von den Abgeordneten aller Parteien im Landtag, dass sie die Hand heben, wenn es um den Beschluss geht, Sondermittel für Sonderlasten freizugeben.“

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