Erfahrungen mit dem Kommunal Pass

„Die Karte ist ein Schmarrn“

Landkreis - An welcher Supermarktkasse funktioniert der Kommunal Pass, an welcher nicht? Alleine diese Frage hält Ehrenamtliche auf Trab. Sie berichten von ihren Erfahrungen.

„Nicht alltagstauglich“ – das ist das übereinstimmende Urteil der ehrenamtlichen Asylhelfer im Landkreis über den Kommunal Pass. Viele Stunden ihrer Freizeit haben sie damit verbracht, den Asylsuchenden bei der Handhabung der kurzfristig eingeführten Bezahlkarte zu helfen, mit ihnen Einkaufen zu gehen und sie auf die Schnelle mit Bargeld zu versorgen – letzteres teilweise aus eigener Tasche. Nur so konnte mancher Asylbewerber Notwendiges wie Pausenbrot, Babybedarf oder Busticket kaufen.

Übers „Cash-back-Verfahren“ hätten Flüchtlinge im Edeka in Buch am Buchrain Bargeld erhalten, erzählt Heike Plattner vom dortigen Helferkreis. Große Dankbarkeit sei die Reaktion der verunsicherten Menschen gewesen. „Die Karte gehört freigeschaltet, und am besten gehört sie weg. Sie ist einfach viel zu teuer“, meint Plattner. „4,50 Euro pro Abhebung, das ist der Wahnsinn“, sagt die Helferin über die Ankündigung, dass künftig mit dem Kommunal Pass Abhebungen an Bankautomaten möglich sein sollen – allerdings zur genannten Gebühr. Die meisten Flüchtlinge in Buch hätten ein Konto. Hier betrage die Monatsgebühr für alle Leistungen insgesamt knapp vier Euro, berichtet Plattner.

„Ich kann keinen Sinn in dieser Karte entdecken“, sagt auch Marianne Urzinger vom Helferkreis Pastetten. In Harthofen hätten alle Flüchtlinge ein Konto. Es wäre unbürokratisch und „kostensparend“ möglich, dorthin das Geld zu überweisen.

„Die Karte ist ein Schmarrn“, schimpft Dagmar Wendel vom Helferkreis in St. Wolfgang. „Ich finde es beängstigend, dass es eine Zielgruppe trifft, die sich nicht wehren kann.“ Außerdem gehöre die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs nicht in die Hand eines Wirtschaftsunternehmens, sondern in die der Banken, betont die Helferin mit Blick auf das Bankgeheimnis. Wendel befürchtet, dass der Datenschutz beim Kommunal Pass, der vom Dienstleister Sodexo verwaltet wird, gefährdet sei.

Er habe die Asylsuchenden in der Unterkunft „ratlos und fassungslos“ vorgefunden, erzählt Martin Albert vom Helferkreis Walpertskirchen. Sie würden ein Gefühl der „Bestrafung“ und des „Ausgeliefertseins“ empfinden. „Was sie zuhause schon erlebt haben, weshalb sie geflüchtet sind, diese Stimmung hat sie jetzt eingeholt.“

Christian Huber betreibt eine Metzgerei mit angegliedertem Edeka-Markt in Walpertskirchen. Ein Kartenlesegerät wird er nach ersten Erkundigungen nicht anschaffen. Es sei für einen kleineren Laden nicht rentabel. Das gelte „für alle Landkramer“. Huber bedauert, dass die Asylsuchenden nicht mehr bei ihm einkaufen können. Bisher seien die Flüchtlinge jeden Tag gekommen und hätten Kleinbeträge ausgegeben. „Die gehen bewusst mit dem Geld um und teilen es sich ein.“

Wo funktioniert die Karte und wo nicht? Diese Frage verschlingt bei den Helferkreisen viel Zeit. Auch das Personal im Asylmanagement des Landratsamts ist mit der Kartenfrage beschäftigt. Eine Ehrenamtliche, die mit ihrem Schützling eine kaputte Karte umtauschen wollte, wartete dort zwei Stunden. Das einzige Thema der Mitwartenden: der Kommunal Pass und seine Tücken.  

Vroni Vogel

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