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Krisentreffen (v. l.): Hilde Wunderlich, Margit Maier, Margot Hoigt, Peter Libossek, Doris Kraeker, Peter Huber und Maria Brand sind frustriert.

Helfer im Clinch mit dem Landratsamt

Asyl: Frust bei den Freiwilligen

Erding - In mehreren Fällen wurden in den vergangenen Wochen Flüchtlinge umverteilt, obwohl  sie vor Ort Arbeit oder Kinder in der Schule haben. Asylhelfer klagen über die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt.

Zorn, Frust, Resignation, sogar Angst sind derzeit Gefühle unter Asylhelfern im Landkreis Erding. „Die Stimmung ist miserabel“, berichtet Maria Brand von der Aktionsgruppe Asyl (AGA). Der Anlass sind mehrere vom Landratsamt angeordnete Umzüge von Asylbewerbern in den vergangenen Wochen. In mehreren Fällen hatten die Ehrenamtlichen andere Wohnungen für ihre Schützlinge gesucht – und teilweise sogar gefunden. Trotzdem sind in den vergangenen Wochen zwei Situationen eskaliert. Beide Male standen hochschwangere Frauen und ihre Kinder im Mittelpunkt. Die Flüchtlingsfamilien wollten nicht umziehen – mussten es aber doch.

Schwangere erleidet Schwächeanfall

Am Montag sei das Fass übergelaufen, erzählen die Ehrenamtlichen. Nach ihrer Darstellung hat das Asylmanagement des Landratsamts eine Familie zum sofortigen Umzug aus einem Container hinter dem Korbinian-Aigner-Gymnasium gedrängt. Die Syrer sollten auf der Stelle in eine Unterkunft nach Berglern, obwohl Ehrenamtliche für sie bereits eine Wohnung in Aussicht hatten.

Bei dieser Auseinandersetzung habe die hochschwangere Mutter zweier weiterer Kinder einen Schwächeanfall erlitten und musste vom Rettungswagen abtransportiert werden, erzählt Margit Maier. Sie unterstützt diese und eine weitere syrische Familie in den Containern. Maier war am Montag selbst nicht vor Ort, gibt aber detaillierte Schilderungen der Flüchtlinge und einer anwesenden Helferin wieder.

Demnach sei der Leiter des Asylmanagements unangekündigt in den Wohnraum der Schwangeren gekommen. „Er war vorher noch nie da, war den Asylbewerbern also unbekannt“, erzählt Maier. Der fremde Mann habe nicht angeklopft, die gläubige Muslima habe sich nicht einmal das Kopftuch überziehen können. „Danach kam es zu einer Eskalation zwischen dem Landratsamtsmitarbeiter und dem Ehemann“, berichtet Brand. Der Konflikt sei in einer Drohung des Behördenvertreters gegipfelt, sagt die AGA-Sprecherin: „Entweder Sie gehen jetzt nach Berglern oder nach Lindum.“

Die beiden syrischen Familien wussten schon seit Mitte Juli, dass sie umziehen sollen. Daraufhin haben die Ehrenamtlichen verstärkt nach Wohnungen für sie gesucht. Eine würdigere Unterbringung für beide Familien schien in greifbarer Nähe.

Vor der Eskalation am Montag kam es aber zu einer erneuten Verschlechterung für die vier Erwachsenen und bisher sechs Kinder. Alle mussten von zwei Containern in einen einzigen mit 40 Quadratmeter Fläche ziehen.

Der Hintergrund stellt sich nach Angaben der Helfer wie folgt dar. Es gehe eben nicht um die Schließung dieser seit Beginn umstrittenen Unterkunft. Vielmehr sei einer der beiden Container neuerdings mit zwei jungen Afghanen belegt worden, die aus Oberding „strafversetzt“ worden seien.

Über die jungen Männer erzählt Doris Kraeker: „Die arbeiten beide und haben sich von ihrem Geld ein Sofa und einen Teppich gekauft.“ Diese Möblierung sei aber nicht gestattet gewesen. Damit seien die Afghanen angeeckt und daher verlegt worden, erzählt Kraeker.

„Strafaktion gegen uns Helfer“

„Ich bin fertig“, sagt Hilde Wunderlich. Die Wut ist groß bei der Bockhornerin. Vor zwei Wochen musste sie zusehen, wie ihre Schützlinge unfreiwillig aus ihrer bisherigen Wohnung auszogen, so Wunderlich. Angeblich hatte eine Kindswohlgefährdung vorgelegen. Auch diese Frau war zum Zeitpunkt des Behördenbesuchs hochschwanger. Mittlerweile hat sie entbunden. Bei der Geburt des vierten Kindes am Montag war Hilde Wunderlich dabei. „Ich habe die Nabelschnur durchschnitten“, erzählt sie.

Seit über einem Jahr betreuen sie und ihr Mann Peter Huber die eritreische Familie und haben sich in deren Interesse auch häufig mit dem Landratsamt angelegt. Unter Wunderlichs Begleitung sind zwei der Kinder (8 und 11) erfolgreich an der Grundschule Bockhorn gestartet. Der Große spielt vor Ort Fußball, das Mädchen singt im Chor Stella Cadente. Der zweijährige Bruder hat einen Kindergartenplatz.

Zur Mutter haben die beiden Helfer ein Vertrauensverhältnis. Sogar eine Generalvollmacht hat die Eritreerin der Bockhornerin ausgestellt, damit diese sich um alle rechtlichen Belange kümmern kann. Daher kann das Ehepaar die Begründung für die Umverteilung auch kaum glauben. Kurz vor dem Umzug seien Mitarbeiter des Jugendamts in Emling aufgetaucht und hätten erzählt: „Die Kinder sind hier in Gefahr.“ Die Mutter habe nie dergleichen erzählt, sagt Huber. „Wir wissen, was in der Familie passiert.“ Er vermutet in dem Behördenakt eher sogar eine „Strafaktion gegen uns Helfer“. Es waren sinnlose Umverteilungen ohne Rücksichtnahme auf Integration“, sagt Brand.

Peter Libossek erzählt von ähnlichen Erfahrungen. Er hilft zwei eritreischen Ehepaaren. Eines davon hatte sich als Reaktion auf die sehr beengten Verhältnisse selbst geholfen – alle vier lebten in einem 14-Quadratmeter-Zimmer. Eigenmächtig richtet sich das Paar erst einen Kellerraum, dann einen Schuppen der Unterkunft her. Beides gestattete das Asylmanagement nicht.

„Das Amt ignoriert unsere Vorschläge“

„Wir haben immer versucht, mit dem Landratsamt in Kontakt zu treten. Alle Vorschläge wurden aber ignoriert“, sagt Libossek. Eine auf Betreiben der Ehrenamtlichen gefundene Wohnung sei vom Landratsamt von anderen Flüchtlingen belegt worden, erzählt der pensionierte Mittelschul-Rektor. Nun musste ein Paar nach Lindum ziehen, obwohl der Mann eine feste Anstellung im Gasthof Zur Post in Erding hat.

Eine weitere Helferin will mit ihren Klagen nicht namentlich genannt worden. Brand erklärt das: „Die Ehrenamtlichen haben Angst, sie könnten den Flüchtlingen schaden.“

Hilde Wunderlich hat übrigens die Nase voll. „Ich mache nichts mehr.“ Nach diesen Erfahrungen will sie sich nicht mehr in der Unterkunft in ihrer Gemeinde engagieren. „Wir haben gegen die Verlegung geklagt“, erzählt die Bockhornerin. Schließlich habe sich das Kindswohl in der neuen, großen Unterkunft an einem fremden Ort deutlich verschlechtert. Hoffnung auf einen juristischen Sieg macht sich die frustrierte Ehrenamtliche aber nicht.

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