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Umringt: DB-Sprecher Michael-Ernst Schmidt (l.) mit Bürgern und BI-Sprecher Georg Brandhuber (M.).
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Projektleiter Klaus-Peter Zellmer von der Bahn.
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Unerwartet hohes Interesse zeigten Dorfener Bürger und Lokalpolitiker an der Bürgerversammlung zum Bahnausbau im Bereich Dorfen. Im Jakobmayer-Saal gingen sogar die Sitzplätze aus, Dutzende Besucher mussten stehen. 
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Dialogbereit: Bürgermeister Heinz Grundner

BÜRGERVERSAMMLUNG BAHNAUSBAU

„Jetzt fahr’n wir nach Berlin“

Dorfen - Eine Stadt wacht auf: Gemeinsam wollen Lokalpolitiker und Bürger Dorfen vor der Verschandelung durch monströse Lärmschutzwände im Zuge des Bahnausbaus bewahren. Der demonstrative Schulterschluss kommt reichlich spät – und für die Planer des Bahnausbaus unerwartet.

Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ wird Don Quijote im gleichnamigen Cervantes-Roman genannt. Georg Brandhuber, der Gründer und Sprecher der Bürgerinitiative „Für einen Bahnausbau ohne Mauern und Schranken“ wurde in seinem seit Jahren geführten beharrlichen Kampf gegen eine Verschandelung Dorfens durch Lärmschutzwände vermeintlich zum „Don Quijote von Dorfen“. Spätestens seit Dienstagabend ist der 75-Jährige alles andere als eine „traurige Gestalt“. So strahlend, so zufrieden hat man Brandhuber schon lange nicht mehr gesehen. Irgendwie ist ein Ruck durch Dorfen gegangen. Das machten zahlreiche Redner unter den fast 350 Besuchern deutlich. Ihre Botschaft an Bahn und Politik: Dorfen darf nicht verschandelt werden. „Geht’s heim, plant’s wos G’scheids“, gab Stadtrat Martin Heilmeier den Bahn-Vertretern mit auf den Weg.

Dialogbereit: Bürgermeister Heinz Grundner

BI-Sprecher Brandhuber wartete lange, bis er ans Mikrofon trat. Er sagte nicht sehr viel, aber das, was er sagte, das saß. Bürgermeister und Stadträten stellte Brandhuber die Frage: „Was habe ich verbrochen?“ Kein Schreiben von der Bürgerinitiative an die Stadt würde mehr beantwortet. Mittlerweile seien das fast 20 Briefe. Er könne dies nicht verstehen, klagte Brandhuber. Schließlich wolle er ja nichts für sich, sondern nur Dorfen vor der „größten Verschandelung aller Zeiten“ bewahren. Den Verantwortlichen der Stadt attestierte Brandhuber in diesem Bereich weitgehende Untätigkeit. Die Planer der Bahn beschuldigte Brandhuber erneut, mit „falschen, viel zu hohen Kosten“ bei der Trogvariante zu agieren.

Das war nicht die einzige Kritik, die sich die Bahn-Vertreter anhören mussten. Vizebürgermeister Günther Drobilitsch rügte die Planer dafür, dass sie die Schließung der Ziegelei Meindl nicht zum Anlass genommen haben, sich dadurch ergebende Möglichkeiten der Verlagerung der Gleise zu überdenken. Generell zweifelte auch Drobilitsch an den von der Bahn genannten Kosten für eine Tieferlegung der Gleise. Das Beispiel Neu-Ulm zeige, dass dies wesentlich kostengünstiger zu realisieren sei. Dort habe eine 3,6 Kilometer lange Trog- und Tunnellösung insgesamt nur 160 Millionen Euro gekostet. Wie die Bahn bei einer Troglösung in Dorfen, die noch dazu kürzer sei, auf 245 Millionen Euro komme, sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Unerwartet hohes Interesse zeigten Dorfener Bürger und Lokalpolitiker an der Bürgerversammlung zum Bahnausbau im Bereich Dorfen. Im Jakobmayer-Saal gingen sogar die Sitzplätze aus, Dutzende Besucher mussten stehen. 

Auch Dorfens Umweltreferent Gerald Forstmaier zweifelte an den Zahlen der Bahn. Nicht nur eine Verlagerung der Gleise auf das Meindl-Areal könne hohe Kosten vermeiden. Forstmaier verwies außerdem auf die von ihm entworfene alternative Troglösung. Demnach würden die Gleise um zwei Meter tiefer gelegt. Auf die Geländekante würde dann eine Erdaufschüttung in Form eines Walles kommen. Dadurch würden Lärmschutzwände überflüssig. „Macht doch das Ganze etwas menschenwürdiger“, appellierte Forstmaieran an die Bahn-Planer. Stadtrat Heiner Müller-Ermann nannte Forstmaiers Alternativ-Trog „ein Beispiel für Kreativität“. Die lasse die Bahn komplett vermissen. Überdies rechne die Bahn die Zahlen für eine Troglösung viel zu hoch, nur um ihre Planung durchdrücken zu können: „Wer so vorgeht, muss sich nicht wundern, wenn man misstrauisch wird.“ Müller-Ermann bezeichnete die Vorplanung der Bahn insgesamt als „verwunderlich“. Mit Regionalbahnen, Nahverkehrszügen und S-Bahnen kämen drei „völlig unterschiedliche“ Verkehrsarten auf zwei Gleise. Da seien Probleme mit Verspätungen programmiert, das zeige sich ja heute schon zwischen Markt Schwaben und München, wo oft Züge hinter der S-Bahn herfahren müssten.

ABS 38-Projektleiter Klaus-Peter Zellmer ging auf die Vorwürfe zumeist allgemein ein. Die Situation mit der Ziegelei Meindl habe sich erst nach der Fertigstellung der Vorplanung ergeben. Es habe zwischenzeitlich mit der Creaton AG, der Grundstückseigentümerin, Gespräche gegeben. Aber Creaton wisse selbst noch nicht konkret, wie das Areal vermarktet werden solle. Dass die von der Bahn ermittelten Zahlen für den Trogausbau wesentlich höher lägen, als die der Bürgerinitiative, liege daran, dass in der Berechnung die lange Zeit bis zum geplanten Bauende 2030 beinhaltet sei. Im Übrigen handle es sich um eine Kostenschätzung, keine Berechnung. Dass der Ausbau im Bereich Dorfen in einer Troglösung erfolge, das könne nur der Deutsche Bundestag beschließen. „Das geht nur über die politische Schiene“, sagte Zellmer.

Und diese „politische Schiene“ will Dorfen jetzt nutzen. „Dann fahren wir nach Berlin“, kündigte BI-Sprecher Brandhuber an. Altbürgermeister Hermann Simmerl rief schließlich Stadt, Bürgerinitiative und Bürger auf, zusammenzustehen. „Nur gemeinsam ist etwas zu erreichen“, appellierte er. An der Fahrt nach Berlin sollten daher nicht nur Politiker, sondern auch Bürgerinitiative und Bürger teilnehmen.

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