Streit um Balkontiefen: Auf dem Areal links neben dem Hinteren Bahnweg entsteht ein Wohnungsbau. Ein Balkon zu nah am Gehweg könnte störend sein, wurde im Bauausschuss befürchtet. Foto: Weingartner

Baugebiet „Am Hinteren Bahnweg“

Balkone: Feilschen um jeden Zentimeter

Dorfen - Um Zentimeter wurde im Dorfener Bauausschuss des Stadtrates gestritten. Die Frage war: Wie weit darf ein Balkon an einen Gehweg reichen, um städtebaulich nicht störend zu wirken? Am Ende wurde ein Kompromiss gefunden.

Der Dorfener Bauträger Robert Decker hat mitten in der Stadt an der B 15, auf der ehemaligen Duschl-Wiese, mehrere Wohnhäuser errichtet. Nun will er gegenüber direkt am Hinteren Bahnweg noch ein weiteres Gebäude mit bis zu 15 Wohnungen bauen.

Der Bauausschuss des Dorfener Stadtrates befasste sich dazu abschießend mit den Stellungnahmen zur 8. Änderung des Bebauungsplanes „Am Hinteren Bahnweg“. Nach der Öffentlichkeitsbeteiligung gab es nur behördliche Einwände, die alle positiv abgewogen wurden.

Geplant sind fünf Süd-Balkone mit einer Breite von zwei Metern und 3,5 Meter Länge, berichtete Bauamtsleiter Franz Wandinger. Dazu gab es dann recht unterschiedliche Auffassungen. Der westlichste Balkon hätte 2,02 Meter bis an den Hinteren Bahnweg geragt, die anderen sind dann deutlich weiter weg. Das würde an der Stelle „wie eine Einengung des Hinteren Bahnwegs“ wirken, sagte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Aus städtebaulicher Sicht sei das bedenklich.

Ulli Frank-Mayer (GAL) befand, der Bahnweg sollte nicht durch die „wuchtigen“ Balkone beeinträchtig werden. Zwei Meter Breite seien „eher üppig“, meinte sie und stellte den Antrag, die Breite auf 1,60 Meter zu reduzieren. Martin Heilmeier (LDW) meinte, das sei „nicht der große Wurf“. Eine Beeinträchtigung des Fuß- und Radwegs an der Stelle könne er „nicht wirklich“ sehen. Wichtiger sei, dass die Balkone nicht wuchtig wirken. Auch Heiner Müller-Ermann (SPD) forderte eine „filigrane“ Ausführung der Balkone. Dass dort jemand wegen der Anbauten „wirklich erschrickt“, glaube er nicht.

Zentimeter hin oder her, Christian Holbl (TEG), forderte: „Lassen wie’s ist.“ Vizebürgermeister Günther Drobilitsch (GEM) sah die Nähe zum Bahnweg auch „ned so gravierend“, stattdessen sollte die Wohnqualität in den Vordergrund gestellt werden. Dem stimmte wiederum Ludwig Rudolf (CSU) zu, der meinte: „Der Balkon sollte schon noch nutzbar sein.“

Wandinger versuchte die Zentimeterfuchserei mit einer Alternative zu beenden. Die Balkonbreite sollte beim am weitest entfernten Balkon vom Bahnweg mit zwei Meter beginnen und dann abgestuft werden. Wie genau, das solle Städteplanerin Martina Schneider vorschlagen. Damit konnte sich der Bauausschuss dann abfinden, Frank-Mayer zog ihren Antrag zurück.

Weiter informierte Wandinger, dass die immissionsschutzrechtlichen Anforderungen durch passive Maßnahmen innerhalb des Gebäudes erreicht werden. Das sei durch ein Schallschutzgutachten des Bauherrn nachgewiesen. Dies wurde als „sehr erfreulich“ zur Kenntnis genommen, weil damit auf eine Schallschutzwand an der B 15 verzichtet werden kann.

Völliges Unverständnis zeigte der Bauausschuss zu der Aufforderung des Landratsamts, den „örtlichen Bedarf“ für den Wohnungsbau nachzuweisen. In Dorfen gebe es kaum eine freie Mietwohnung auf dem Markt, man sei froh um jeden weiteren Geschosswohnungsbau.

Am Ende wurde der Satzungsbeschluss für die Bebauungsplanänderung gefasst. Dagegen stimmten nur Heilmeier und Christina Holbl. Der Beschluss sieht vor, dass die Balkone von Osten her weniger breit und „filigran“ werden. Wie genau, das soll die Verwaltung noch mit der Städteplanerin „abstimmen“.

Hermann Weingartner

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