Gähnende Leere: Dorfens Geschäftsleute zeigten nur wenig Interesse am Thema digitale Sichtbarkeit. Foto: prä

Digitale Sichtbarkeit

Einzelhandel kann vom Internet profitieren

Dorfen - Die digitale Revolution ist voll im Gange und hat sicher noch lange nicht das Ende erreicht. Aber wie kann der Einzelhandel da noch mithalten? Christian Kramer gab den Dorfener Geschäftsleuten nützliche Tipps. Das Interesse aber war mager.

Ein dramatischer Umbruch findet derzeit im Einzelhandel durch die rasant fortschreitende Digitalisierung statt. Aber das Internet hat auch Vorteile, die man nutzen sollte. So lautete die zentrale Botschaft bei einem Informationsabend von Stadt Dorfen und der Cima Beratung + Management GmbH München. Im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) „Leben findet Innenstadt“ hatte Cima-Projektmanager Christian Kramer vor gerade mal 17 Geschäftsleuten im Jakobmayer-Saal das Thema „Digitale Sichtbarkeit – wie Kunden lokale Unternehmen im Internet finden“ vorgestellt.

Internet-Giganten wie Google, Zalando, Amazon, oder eBay, haben sich die Entwicklung längst zunutze gemacht, erklärte Kramer. Ein Sortiment nach dem anderen werde vom E-Commerce (Online-Handel) erfasst und damit zunehmend zur Bedrohung des stationären Einzelhandels. Es sei unstrittig, dass die Zahl der Online-Kunden „weiter steigt“, berichtete Kramer. 2010 machte der Einzelhandel 427 Milliarden Umsatz, davon online 24 Milliarden Euro. 2020 werden von 510 Milliarden Euro rund 112 Milliarden im Online-Geschäft gemacht, sagte Kramer. Insgesamt komme es im stationären Einzelhandel zu „Umsatzrückgängen“.

Der Projektmanager wollte aber nicht die Meinungen teilen, wonach 80 Prozent des Einzelhandels nicht überleben werden: „Es gibt eine Tendenz: Es wird weniger.“ Bis 2020 werden laut HDE-Präsident Josef Sanktjohanser 50 000 Einzelhandelsstandorte verschwinden. Auf die Veränderungen müsse sich der Einzelhandel jetzt einstellen.

Das Kundenverhalten habe sich geändert, einkaufen „ist heute ein Erlebnis“, erklärte der Referent. Es gelte die Faktoren für ein Einkaufserlebnis im Geschäft zu verbessern, da komme man künftig „nicht mehr vorbei“. Ein zeitgemäßes Ambiente der Geschäftsräume etwa wünschten einer Umfrage nach 26 Prozent der Kunden. Die meisten (41 Prozent) wollten Verkäufer mit umfangreichen Produktkenntnissen. Oder wenn etwa die Frau nach einem Kleid suche, sei der Mann „froh“, wenn er in einer Sitzecke freies WLAN zur Verfügung hätte, um beim Kaffee derweil im Internet zu surfen, nannte Kramer ein Beispiel.

Klar sei: Wer künftig im Internet mit seinem Geschäft „nicht sichtbar ist“, wird auch vom Kunden „nicht gesehen“ und habe deutlich weniger Chancen, sagte Kramer. Nach einer Online-Recherche (2014) kauften 39 Prozent im Geschäft. 14 Prozent informierten sich nur im Laden und kauften dann online. Kleine, lokale Unternehmer sehen das Internet aber oft mehr als Bedrohung ihrer Existenz, denn als Vorteil, berichtete Kramer aus seiner Erfahrung. Viele betrachten das Web skeptisch und fühlten sich machtlos. In Zeiten des allgegenwärtigen Internets nützen Kunden heute Smartphones immer häufiger vor dem Einkauf als Infoquelle, um sich über lokale Geschäfte und ihre Angebote und Leistungen zu informieren. Die meisten suchten dennoch aber zuhause. „Zwei von fünf” kämen danach innerhalb einer Stunde ins gefundene Geschäft.

Der Projektmanager empfahl, jeder Geschäftsmann sollte „dringend selbst aktiv“ werden und „erste Schritt machen, seine digitale Sichtbarkeit zu erhöhen”, um von Kunden im Internet gefunden werden zu können. Schon mit wenig Geld könne man als kleiner Einzelhändler seine Web-Präsenz verbessern oder kostenlose, einfache Werkzeuge nützen, wie My Business von Branchenprimus Google. Email-Marketing oder Newsletter seinen Möglichkeiten, mit Kunden außerhalb des Geschäfts in Kontakt zu bleiben. Kramer betonte: „Internet ist ein Werkzeug, das jeder nutzen kann.“

Nachholbedarf habe Kramer auch unter den 180 Mitgliedern des Förderkreises Dorfen festgestellt. Etwa zehn Prozent hätten keine Web-Seite und jeweils rund 40 Prozent einen „gepflegten“ oder „ungepflegten“ Internetauftritt. Bürger hätten Interesse an Online-Stadtportalen, aber nur, wenn es attraktiv sei und einen Mehrwehrt biete.

Stefan Tremmel, Vorsitzender des Dorfener Förderkreises, berichtete, er betreibe seit einem Jahr einen eigenen Web-Shop. Erste Erfolge seien zu beobachten. Insgesamt müsse bei allen Dorfener Gewerbetreibenden „noch mehr Bewusstsein“ geschaffen werden, sich im Internet zu präsentieren. Dorfen habe viele Geschäfte zu bieten, aber was nütze das, wenn es keiner weiß. „Internet ist kein Teufelszeug, sondern wir müssen es positiv nützen“, forderte Tremmel. Das unterstütze auch der Gewerbereferent. Er hätte sich gewünscht, „dass mehr Leute da sind“ bei dem Thema, das fast alle Gewerbetreibenden betreffe.

Hermann Weingartner

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