Aufgewühlt: Das minimalistische Bühnenbild verstärkte die morbide Stimmung des Stücks. Foto: Lang

„Macbeth“ im Jakobmayer

Finsterer Horrortrip zum Greifen nah

Dorfen – Es ist immer wieder eine Wonne zu erleben, wie Shakespeare die Theatermacher auch nach über 400 Jahren zu künstlerischen Höchstleistungen inspiriert. „Macbeth“, inszeniert von Andreas Wiedermann und Ernst Bartmann im Dorfener Jakobmayersaal, war ein solch theatralischer Glanzpunkt.

Auf einer nur rund 20 Quadratmeter großen Bühne ließen die beiden die Tragödie um den machthungrigen Schotten und seine vom Ehrgeiz zerfressene Frau vor den Augen des Publikums lebendig werden.

Die Geschichte um Aufstieg und Fall ist schnell erzählt. In einer Schlacht wird Macbeth (Titus Horst), treuer Vasall von König Duncan, prophezeit, dass er der nächste König von Schottland wird. Dadurch angestachelt stiftet ihn seine Frau (Nicole Lohfink) an, Duncan (Martin Schülke, er spielt auch Macduff und Banque) zu töten. Während sie die Wachen betäubt, erdolcht Macbeth den König. Dessen Sohn Malcom sieht, was Macbeth angerichtet hat, kann aber fliehen. Macbeth wird zum König gekrönt und entwickelt sich zum grausamen Tyrann. Getrieben von Schuldgefühlen und Paranoia, vom Thron gestoßen zu werden, lässt er seinen Kampfgefährten Banque ermorden und Lady Macduff (Christina Matschoss) mit ihren Kindern von seinen tollwütigen Häschern niedermetzeln.

Doch seine Grausamkeit nagt an ihm: „Voller Skorpione ist sein Kopf“. Zusehends verfällt Macbeth dem Wahnsinn, denn „jeder Tod ihn irre macht“. Er sieht sich verfolgt vom „kalten Blut der Getöteten“ und muss seine „unfruchtbare Krone und sein ausgedörrtes Zepter“ schließlich an seinen Widersacher Macduff abgeben, der ihn im Zweikampf tötet. Mabeth’ irr gewordene Frau hat sich schon vorher das Leben genommen.

Dieses mittelalterliche Epos auf engem Raum zu inszenieren, ist für jeden Regisseur eine Herausforderung. Wiedermann und Bartmann haben sie genial gemeistert. Zum Greifen nah erleben die Besucher in den vorderen Reihen das martialische Schlachtgetümmel, die hysterisch kreischenden Hexen-Schwestern, die sich in ihren haarigen Overalls und Masken durch den Kork wühlen, das Feiern und Tuscheln der Höflinge in pantomimisch überzeichneter Zeitlupe, aufgeschreckte Gestalten, denen die Todesangst ins Gesicht geschrieben steht, und wutschnaubende Krieger, die wie Affen auf das Stahlgerüst klettern, um später schottische Lieder anzustimmen. Vor allem aber erlebt das Publikum die innere Zerrissenheit der beiden Hauptfiguren, ihre schockierende, abstoßende Brutalität, ebenso wie ihre letzten Regungen von Menschlichkeit, Mitgefühl und Zweifel.

Schockiert, fasziniert und zugleich amüsiert vom Treiben auf der Bühne folgten die Zuschauer im ausverkauften Saal dem düster-beklemmenden Spiel der hervorragenden Darsteller (drei Profi-Schauspieler, der Rest Laien-Schauspieler aus Straubing). Die Macht der Bilder, Worte und Töne war perfekt und sehr effektvoll aufeinander abgestimmt. Eingerahmt von alten Holzbalken und einem metallenen Gerüst, bei dem aus dünnen Rohren Wasser plätscherte und der Boden gefüllt mit rotem Korkriesel war das minimalistische Bühnenbild ideal, um schlammige Schlachtfelder, das einfache Hofleben und die innere Aufgewühltheit der Protagonisten zu versinnbildlichen. Das spartanische Inventar bestand aus ein paar abgenützten Stallbänken und Brettern, die ärmlichen Kostüme aus zerschlissenen Leinen- und Jutegewändern, die Kronen und Brustpanzer aus Bambus-Platzmatten. All das verströmte nicht nur muffigen Geruch, es verstärkte auch die morbide Stimmung dieses mittelalterlichen Dramas.

Die Aufführung war hervorragend musikalisch untermalt von Solisten und dem Chor, geleitet von Ernst Bartmann, der auch die Musik geschrieben hat und selber am Keyboard stand. 

Birgit Lang

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