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Völlig abgehoben: Christoph „Stofferl“ Well (r.) machte zum Jakobmayer-Jubiläum auf der Bühne vor lauter Freude Luftsprünge. Seine Brüder Karl (l.) und Michael (M.) begleiteten ihn musikalisch.

Fünf Jahre Jakobmayer

Wie früher die Soafa, nur in XXL-Version

Dorfen – Reihenweise Höhepunkte: Das Dorfener Kulturzentrum Jakobmayer feiert fünfjähriges Bestehen. Am Freitagabend gab es zum Auftakt ein deftiges „Brettl“ – musikalisch herzhaft serviert. Musiker mit bayerischem Lebensgefühl begeisterten im ausverkauften Jugendstilsaal das Publikum restlos.

Der Jakobmayer ist in nur fünf Jahren unbestritten zum Kulturtempel weit über das Dorfener Gäu hinaus geworden. Beim Jubiläums-Brettl war der Erfolg eigentlich vorprogrammiert, denn im Programm waren auch die Wellbrüder (Christoph, Karl und Michael) aus’m Biermoos. Die waren schon bei der Eröffnung des Kulturhauses vor fünf Jahren mit aufgetreten. Für boarische Musik sorgte eine Mixtour aus Blechbläsern der Münchner Philharmoniker und der Berufsfeuerwehr München, dazu gab es als krassen, kracherten Gegenpol die Frauen-Power-Combo „Isarschixn“.

Trotz der Unterschiede hatten alle irgendwie etwas gemeinsam: Birgitt Binder. Sie kennt als frühere Dorfener Kleinkunst-Wirtin (Soafa) den Well-Clan seit Jahrzehnten gut, ist Frontfrau der „Isarschixn“ und zwei Verwandte von ihr spielten in der Blechmusikgruppe. Binder ist eine sehr erfolgreiche Konzert-Managerin und präsentiert im Jakobmayersaal seit fünf Jahren ein viel beachtetes Programm mit reihenweise namhaften Künstlern. „Wir feiern jetzt den kleinen Geburtstag vom Jakobmayer“, erklärte Binder zum Auftakt, und meinte, der sei eine „XXL-Version“ ihrer legendären Dorfener Kleinkunstbühne „Soafa“ in den 80er Jahren. „Vor genau fünf Jahren haben wir eröffnet und nicht gewusst, was da auf uns zu kommt“, erinnerte Binder. Bei der Eröffnung hatten die Biermösl Blosn, Hans Söllner und Alfred Mittermeier „die Bühnenbrettl warm g’spuit“. Ein „toller Abend“, „es ist gleich super losgegangen“, sagte Binder. Seither gibt es fast jeden zweiten Tag eine Veranstaltung im Jakobmayer, von Geburtstagen über Vereinsfeiern Firmentagungen, Kleidertauschpartys bis zu grandiosen Opern- und Theater-Produktionen der Jakobmayer-Freunde. Solche Aufführungen würde man „in einem so kleinen Rahmen normal nie sehen“. Es sei „so toll, dass der Jakobmayer in Dorfen do is“, schwärmte Binder. Dorfen hat drei Stadttore. Für die Kulturmanagerin ist der Jakobmayer jetzt „das vierte Stadttor, wo jeder reinkommen kann und herzlich willkommen ist, egal ob im Kino oder im Saal“.

Bairisch gmiatlich spielten die Blechbläser der Münchner Philharmoniker und der Berufsfeuerwehr auf.

Auch „Stofferl“ Well kennt Dorfen sehr gut. Er unterstützte hier mit der Biermösl Blosn musikalisch die A 94-Gegner und war schon mehrfach im Jakobmayer zu Gast. Zur rasanten Entwicklung sagte er unserer Zeitung gewohnt hintergründig: „De soin so weida macha, dann seng’s scho, wo’s hi kemman. Aber im ernst: tolle Sache. Des is oane da schönsten Bühnen, de mia je g’spiud ham. Schöner Saal, immer nettes Publikum und die Verkehrsanbindung wird durch de A 94 leida a imma besser. Und de Birgit macht des richtig guad“, lobte Well.

Krachert aber treffend: Die Isarschixn mit Frontfrau Birgitt Binder (2. v. l.) die auch Managerin des Jakobmayer ist.

Höhepunkt des Abends waren natürlich die Well-Brüder. Schon beim Einzug auf die Bühne mit schottischen Dudelsack-Klängen hatte das Trio das Publikum gefangen und mit ihrer unnachahmlichen Weise sofort begeistert. Die Well’s zeigten dann ihre einmalige Vielseitigkeit. Es wurde immer wieder staubtrocken aber amüsant geblödelt, rund ums Brauchtum in Bayern, zwischen hinterkünftigem Politkabarett und einmaliger Musikalität. Die drei Brüder, allen voran der „Stofferl“, spielten vom Feinsten unter anderem Trompete, Tuba, Harfe, Gitarre, Violine, Leierkasten und sogar drei Alphörner kamen zum Einsatz.

„’s Beste an Dorfa is da Jakobmayer“

Eingestimmt hatten beim Brettl-Einstieg die Blechbläser, die perfekt und bayerisch g’müatlich aufspielten, von Salonmusik bis zur Tanzpolka „Ja, was gibt’s denn heut auf d’Nacht“. Die vier aufgedaggelten „Isarschixn“ durften danach nur auftreten, sagte Frontfrau Binder bierernst, „weil i so guade Kontakte zum Jakobmayer hob“. Ihre boarischen Liedtexte, meist von ihrer neuen CD „Überdaggelt“, sind schräg und beschreiben so manches Frauenproblem – krachert aber treffend. 

Als Fazit des Abends taugt eines der berüchtigten Gstanzl des Well-Trios: „In New York, do ham’s de Carnigglhol, und de Scala in Mailand, de is wirklich a ganz toll, und in Hamburg ham’s a so a Elbphilharmonie, de war sau deier – und ’s Beste an Dorfa is da Jakobmayer“.

Hermann Weingartner

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