26. Belcanto-Abend

Innenstadt wird zur großen Opernbühne

Dorfen - Traumhaftes Altstadt-Ambiente und ein herrlicher Spätsommerabend machten Dorfen bei südländischen Temperaturen zur Opernbühne à la Verona. Beim Belcanto-Abend im Herzen der Isenstadt freuten sich 500 Freunde klassischer Klänge an schönem Gesang. Belcanto eben.

Der traditionelle Belcanto-Abend ist längst fester Bestandteil der zahlreichen kulturellen Höhepunkte, die Dorfen im Jahreslauf bietet. Heuer war es schon das 26. Mal, dass der Kulturelle Arbeitskreis Dorfen in die Altstadt einlud. Lange bevor die ersten Klänge erschallten, hatten es sich die Zuhörer am Unteren Markt zwischen den großen Kastanien gemütlich gemacht. Bei einem Gläschen Wein war die Belcanto-Fangemeinde gespannt, welche meisterhaften Werke aus längst vergangen Zeiten Klassik-Kenner Dr. Franz Erl heuer präsentieren wird.

Kein Belcanto ist in Dorfen wie der andere, denn Erl kann aus seinem schier unglaublichen Fundus historischer Aufnahmen wählen. Das war heuer nicht anders, aber der Abend dennoch ganz anders als alle bisherigen. „Ich bringe heuer fast nur französischsprachige Sänger“, verriet der Klassikkenner kurz vor Beginn im Gespräch mit der Heimatzeitung. An der französischen Sprache sehe man „sehr gut, wie man auch in dieser Sprache wunderschöne Melodien singen kann und wie elegant es klingt, wenn man die Oper in der eigenen Sprache in Französisch hört“. Erl erklärte weiter den Unterschied der französischen zur klassischen italienischen Oper. „Das ist eine ganz andere Stimmführung, ganz andere Melodieführung, wesentlich weicher, geschmeidiger und keine so klaren Takte.“ Vor allem eigne sich die französische Sprache für den Belcanto „auf eine ganz andere Weise wie die italienische“.

Das war kein leeres Versprechen. Punkt 20 Uhr mit dem Glockenschlag der nahen Marktkirche nahm Erl wie immer Platz auf seinem kleinen Podium Platz. Davor leuchtete in der Abenddämmerung in kräftigem Rot ein Grammophon als Symbol alter Tage, als diese Musik mit dieser Technik erstmals einem großen Publikum erschlossen wurde. Erl besitzt über 10 000 alte Platten, auch Schellacks. Seine Aufnahmen sind allerdings längst digitalisiert und kommen über moderne Tontechnik, und auf Großleinwand hinter der Bühne wurden Informationen dazu projiziert.

Die französische Oper des 19. Jahrhunderts war das Thema heuer, dem sich Erl widmete und dem Publikum vor jeder Aufnahme kurz erklärte. Und dabei hatte er wie immer eine Linie, denn die Leute sollen ja „etwas g’scheiter heimgehen, als sie gekommen sind“.

Erl setzt bei seinem Programm auch gezielt Kontraste italienisch – französisch, trotz französischen Kernteils. Der Oberdorfener beginnt mit Wolfgang Amadeus Mozart, „Cosi fan tutte“. Bezeichnend für alle französischen Sänger ist, dass sie auch Mozart gut gesungen haben. Dann folgen Aufnahmen aus Georges Bizet „Die Perlenfischer“. Zu hören ist „Leila! Dieu puissant“ (1953) gesungen von Pirette Alarie und Leopold Simoneau. Und natürlich erschallt mit „C‘est toi! C‘est moi!“ auch die weltberühmte Oper Carmen des französischen Komponisten. Endgültig klar wird die Intention des „französischen Belcanto“ bei der Oper von Camille Saint-Saens, „Samson et Dalila“. Daraus bringt Erl das wunderschöne Stück, „Mon coeur s‘ouvre a ta voix“, eine der schönsten Liebeszenen überhaupt in der französischen Opernliteratur.

Zu den Höhepunkten gehören auch Aufnahmen aus der fantastischen Oper „Hoffmanns Erzählungen“, was zudem als Kontrast Schwung in den Abend bringt. Der deutsch-französische Komponist Jacques Offenbach ist mit seinem „C‘est une chanson d‘amour“ am Ende des ersten Teils zu hören. Mit dem gleichen Lied, aber einem anderen Gesangsduo (Victoria de los Angeles und Nicolai Gedda) geht der herrliche Belcanto zu Ende.

Ein großer Schlussapplaus gilt dann dem Kulturellen Arbeitskreis, aber natürlich vor allem Erl für einen wieder wunderschönen Abend. Der Klassikkenner lobt das Dorfener Publikum und schwärmt: „Grandios. Jedes Jahr sind die Zuhörer unglaublich aufmerksam. Ich bringe oft auch schwierige Sachen, die vom Akustischen gar nicht so gut sind, weil es alte Platten sind. Dennoch ist es mucksmäuschenstill und alle sind konzentriert. So macht es mir unglaublich Spaß, für die Leute Sachen aus meiner Sammlung zu spielen. Und das macht mich selber glücklich, weil’s einfach wunderschön ist. I mach des narrisch gern für mei Publikum.“

Hermann Weingartner

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