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„Provinz-Aff“ und Münchner Striezi

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Den Schalk im Nacken hat Musiker und Kabarettist Hannes Ringlstetter.
Den Schalk im Nacken hat Musiker und Kabarettist Hannes Ringlstetter. © (Martina Bogdahn)

Schon früh hat er erkannt, dass er Leute unterhalten kann. Im Interview erzählt Hannes Ringlstetter über seinen Werdegang, seine Motivation und ehrliche Freunde.

Dorfen – Viele kennen den Kabarettisten und Musiker Hannes Ringlstetter aus dem Bayerischen Fernsehen. Er tritt am Donnerstag, 27. Juni, um 20 Uhr im Dorfener Jakobmayer auf. Im Interview spricht der 49-Jährige mit Straubinger Wurzeln über seine Freunde, seinen Humor und seinen Werdegang.

Waren Sie schon als Kind der Klassenkasperl?

Ich habe relativ früh als Kind erkannt, dass ich Leute gut unterhalten kann. Aber eher im Privaten. Wir hatten eine große Verwandtschaft. Da hab’ ich gemerkt, dass ich es total gut kann. In der Schule war ich kein Klassenkasperl, überhaupt nicht. Da war ich tatsächlich zu schüchtern.

Wann hat die Schüchternheit aufgehört?

Ich bin immer noch manchmal schüchtern, sonst würde ich ja nur Haudrauf-Comedy machen. Natürlich bin ich eine Rampensau, das ist ja klar. Aber nicht nur. Der Drang, auf die Bühne zu gehen, kam mit der ersten Theatergruppe. Da war ich so um die 14 Jahre alt. Da hab ich irgendwie gemerkt, dass es cool ist.

Heute sind Sie erfolgreicher Musiker, Kabarettist, Schauspieler, TV-Moderator, ja sogar Buchautor. Wie kam’s?

Bei uns daheim lief ja nur klassische Musik. Mit fünf Jahren habe ich mit dem Klavierunterricht angefangen. Mit 16 hab’ ich hingeschmissen, weil ich Rockmusiker werden wollte. Wegen der Mädchen (lacht). Mit meiner Band Schinderhannes war ich dann gut zehn Jahre lang unterwegs. Irgendwann kamen Auftritte bei Otti Fischer im Schlachthof, im Lustspielhaus, im Vereinsheim Schwabing und in der Lach- und Schieß. 2011 übernahm ich die Rolle des Yazid in Hubert und Staller. Seit ich die Sendung „Ringlstetter“ im Bayerischen Fernsehen hab’, ist es nochmal aufwärts gegangen.

Sie sind in München geboren, in Niederbayern aufgewachsen und wohnen in der Oberpfalz? Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Wenn man Niederbayer ist, dann ist man Niederbayer. In München war ich nicht lang. Mein Vater war Lehrer, und er musste nach Straubing ziehen. Heute habe ich ja zwei Wohnsitze, einen auf dem Land bei Regensburg und einen in München, weil dort das Fernsehen und meine Familie sind. Was auch gut ist, weil dieses München so als Lebensgefühl erschließt sich mir nicht. Ich bin halt ein Provinz-Aff.

Man geht ja auf die Bühne, weil man geliebt werden möchte. War das auch Ihre Motivation?

Das ist richtig. Natürlich. Die menschliche Psyche braucht schon eine große Überwindung, sich vor anderen Leuten hinzustellen und sich deren Urteil auszusetzen. Insofern muss die Not größer sein als die Angst. Es gibt ja keine einfachere Liebesbekundung als Applaus. Wenn Leute vor dir sitzen und klatschen, dann weiß jeder: Da bin ich gemeint, und die finden mich wohl gut. Diese direkte Form von Anerkennung habe ich immer gesucht.

Es kommt bestimmt vor, dass einer nicht aufpasst und mit dem Handy spielt. Wie reagieren Sie da?

Ich finde es in erster Linie einmal unhöflich. Wenn es überhand nimmt, kann es schon sein, dass ich mal das Handy abnehme (lacht). Dann sage ich den Satz, den man in der Schule immer gehört hat: „Das kannst du dir am Ende des Schuljahres im Sekretariat abholen.“

Die Konkurrenz in Ihrer Branche ist groß, die Verfallszeit oft kurz. Wie geht man damit um?

Naja. Mir ist es bewusst, dass es so ist. Ich glaube, ich hab’ mich deswegen so breit aufgestellt, dass ich Schauspielerei, Musik, Kabarett und Moderation mache, dass ich einfach verschiedene Kreativberufe ausübe. Irgendwas davon wird schon immer gehen. Es ist schon eine große Aufgabe, sich im öffentlichen Leben nicht abhängig zu machen, auch innerlich von diesem äußerlichen Hype. Da ist man gut beraten, sich mit alten Freunden zu umgeben und nicht mit Speichelleckern. Ich kenne meine Freunde seit 30 Jahren, die neigen nicht dazu, mir in den Arsch zu kriechen. Sie sagen ständig, was sie nicht gut finden. Das nervt mich total (lacht). Ein bisschen ergebener könnten sie schon sein. Aber es passt schon (lacht).

Setzen Sie dann ihre Kritik auch um?

Ja, oft schon, wenn ich es kann. Oft geht es ja nicht. Ich bin ja auch nur ein Mensch. Ich finde es wirklich wichtig, dass man kritikfähig bleibt. Und trotzdem hab’ ich meinen eigenen Kopf und will einige Sachen so machen, wie ich meine. Da bin ich dann auch beratungsresistent.

Holen Sie sich auch Themen vom Freundeskreis?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Natürlich auch vom Freundeskreis, das ist einfach der Alltag, das Leben. Ich höre halt zu. Ich bin jemand, der irgendwo in seinem Schädel einen Record-Knopf hat und sich skurrile Situationen merkt. Daraus baue ich meine Nummern. So wie wahrscheinlich jeder Kabarettist, der nicht nur intellektuell ist, sondern das Leben der Leute auf die Schippe nimmt.

Bleibt noch Muse für Kreativität, Bücher und Songs schreiben?

Ja, ich glaub’, dass ich deshalb diese beiden Wohnsitze habe. Wenn ich aufs Land fahre, ist es dort ruhig und niemand da. Das mag ich. Dann ist das der Ort für Kreativität. Es wirkt immer so, als ob ich total viel mache. Ich passe aber schon auf mich auf. Ich hatte so zwei, drei Jahre, da war es anders. Da war es mir zu viel. Aber die letzten zwei Jahre ist es so, dass ich total happy bin. Ich bin zwar viel unterwegs und viel am Machen, aber auf der anderen Seite hab’ ich auch gut Rückzug gehabt.

Die Straubinger sind für ihre Geradlinigkeit bekannt. Erst reden, dann denken, oder?

Nein, da widerspreche ich. Jeder kommt aus einem anderen Milieu und hat eine andere Geschichte. Das einzig Besondere an Straubing und was alle verbindet, ist, dass man 300 Tage im Jahr auf zehn Tage hinlebt. Das ist es, was alle eint: das Gäubodenfest. Da bin ich selbstverständlich auch immer dabei. Ich kann hervorragend sitzen und dabei Bier trinken.

Das Gespräch führte Birgit Lang.

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