Schwester Charlotte Oerthelist Provinzialoberin im Kinderheim Kloster Moosen.

Arme Schulschwestern in Kloster Moosen

Kinderheim wird geschlossen

Kloster Moosen - Das Kinderheim des Ordens der Armen Schulschwestern in Kloster Moosen steht vor dem Aus. Die Einrichtung wird am Jahresende aufgelöst. Das hat die Ordensleitung in München beschlossen. Der Kinderhort bleibt aber weiter bestehen.

Kloster Moosen – Bis zu zwölf Kinder oder Jugendliche könnten einen Platz im Kinderheim in Kloster Moosen haben. Schon seit einigen Jahren ist die Gruppe aber nur noch mit wenigen Kindern belegt. Gerüchte über eine Schließung gab es daher schon länger – und nun ist es Gewissheit: „Heute müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir unser Kinderheim Kloster Moosen zum 31. Dezember 2016 aufgeben“, bestätigte Provinzialoberin Schwester M. Charlotte Oerthel, gestern auf Nachfrage der Heimatzeitung. Damit endet die Heimerziehung junger Menschen durch die Ordensfrauen nach über 150 Jahren.

Die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau in Kloster Moosen feierten 2012 groß ihr 150-jähriges Wirken in Kloster Moosen. Beim Festakt sagte damals die Provinzialoberin: „150 Jahre leben und wirken die Armen Schulschwestern in Kloster Moosen für und mit Kindern und jungen Menschen, die oft auf vielerlei Weisen benachteiligt waren. Hier fanden sie eine Heimat“. Die Schwestern hätten mit „großer Liebe, Hingabe und Kompetenz“ im Kinderheim und -hort“ für Erziehung gesorgt.

Die familiäre Art, wie die Schwestern das Heim führten, sei für die Kinder und Jugendlichen „wie eine Art SOS-Kinderdorf“ gewesen, beschreibt die Provinzialoberin jetzt die Einrichtung. Daher habe es oft auch noch Kontakte der Jugendlichen zu den Schwestern nach ihrem Aufenthalt in Kloster Moosen gegeben. Für Waisen sei das Heim schon lange nicht mehr, erzählt Oerthel. Die Kinder kämen meist aus schwierigen Familienverhältnissen oder sind unbegleitete, jugendliche Flüchtlinge.

Für die Entscheidung zur Heimschließung habe es mehrere Gründe gegeben, erklärt Oerthel. Einerseits bestehe nach dem Ausscheiden der Schwestern aus dem Heimbetrieb „ein bedeutend höherer Personal- und damit höherer Kostenaufwand“. Zum anderen sei „an Plätzen in einem sozialpädagogisch ausgerichteten Kinderheim geringer Bedarf. Derzeit leben fünf Jugendliche im Heim. Unter diesen Umständen ist uns als Träger die Finanzierung nicht auf Dauer möglich“, bedauert die Provinzialoberin.

Der Versuch des Ordens, das Heim an einen anderen Träger zu übergeben, sei „leider gescheitert“, erklärt die Ordensleiterin. Die Heimkinder „wissen Bescheid“. Das zuständige Jugendamt sei ebenfalls bereits mit eingebunden. Es sei nun das Anliegen des Ordens, „dass für die betroffenen Jugendlichen bald ein geeigneter Platz gefunden wird und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zeit zu weiteren Planungen bleibt“.

Dem Orden sei bewusst, dass sich Patenfamilien, eine Reihe von Vereinen und die Bevölkerung der Umgebung von Kloster Moosen über Jahrzehnte „für unser Kinderheim stark gemacht“ und es mit Spenden unterstützt hätten. „Dafür sind wir sehr dankbar. Umso mehr bedauern wir nun die Schließung, die jedoch unumgänglich ist“, betont Oerthel. Von dieser Maßnahme „ist der Kinderhort Kloster Moosen unberührt“. Die Leitung habe nach zweijähriger Unterbrechung seit Herbst 2015 mit Schwester M. Franziska Glogau wieder eine Schulschwester übernommen. Die weitere Nutzung der Heimräume sei „noch offen“.

Zu den Aufgaben und Arbeit des Ordens berichtet Provinzialoberin Oerthel, die Armen Schulschwestern „wirken in Kindergarten, Kinderkrippe, Kinderhort und anderen Betreuungsangeboten, Grundschule, Realschule, Gymnasium und zwei beruflichen Schulen, einer Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung sowie einer Fachakademie für Sozialpädagogik und in zwei Studentinnen-Wohnheimen“. Klar sei, „dass die Ordenseintritte zurückgehen, doch der Frauenorden ist dankbar, dass auch heute noch Frauen Interesse haben, sich dem Charisma unserer Gründerin Theresia von Jesu Gerhardinger entsprechend für eine Erziehung und Bildung zu engagieren, die die Welt verwandelt“, betont Oerthel

Das Kinderheim „ist seit über 150 Jahren eine hervorragende Einrichtung“, sagte Bürgermeister Heinz Grundner auf Nachfrage der Heimatzeitung. Es sei „sehr schade und dramatisch, dass eine so hervorragende Einrichtung, die so hervorragende Arbeit für junge Menschen leistet, geschlossen wird“. Für die Stadt sei das Heim „eine gute Ergänzung“ gewesen, auch weil gerade Kinder aus oft „schwierigen Verhältnissen“ dort eine Heimat gefunden hätten.

Hermann Weingartner

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