Filmautor Norbert Fleischer in Taufkirchen. 

Appell des KAB-Kreisverbandes

Krieger- und Soldatenvereine sollen Friedensbewegung werden

Taufkirchen – Es sind schreckliche Bilder, die da zu sehen sind: Städte werden mit Bomben in Schutt und Asche gelegt, Menschen kommen auf grausamste Weise ums Leben. Der Dokumentarfilm „Ramstein – Das letzte Gefecht“ zeigt, wie Amerika im Nahen und Mittleren Osten Krieg mit Drohneneinsatz führt – gelenkt vom deutschen Ramstein aus.

Das Kinocafé Taufkirchen zeigte den Streifen in Zusammenarbeit mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Am Ende des Filmabends gab es einen flammenden Appell an die Krieger- und Soldatenvereine im Landkreis: Sie sollen sich in der Friedensbewegung engagieren.

„Während ganz Europa mit der Flüchtlingskrise beschäftigt ist, in deren Folge immer mehr EU-Staaten politisch nach rechts rücken, bereitet sich die NATO mittels massiver Aufrüstung in Osteuropa offensichtlich auf einen Krieg gegen Russland vor.“ So drastisch sieht es der in Leipzig lebende Journalist und Filmautor Norbert Fleischer. Er war bei der Vorführung zu Gast. Der 38-Jährige, der schon für die „Bild“-Zeitung und mehrere TV-Sender gearbeitet hat, ist in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz aufgewachsen. Sein erster Dokumentarfilm hat eine hoch brisante These: Von Ramstein in Deutschland aus wird Krieg geführt, werden Fluchtursache produziert.

Fleischer erklärt das damit, dass in der Ramstein Air Base bis zu 130 Nuklearraketen und eine halbe Million Tonnen an konventionellen Bomben eingelagert sind. Am größten US-Militärstützpunkt außerhalb Amerikas sind 13 000 Menschen beschäftigt. Die Air Base diene nicht nur als Kommandozentrum der NATO, für die US-Militärs spiele sie vor allem die Hauptrolle bei allen Planspielen für einen Krieg gegen Russland. So befinde sich in Ramstein auch die Zentrale des US-Raketenschilds.

Mit seinem Dokumentarfilm will Fleischer die Rolle der Air Base und ihrer Drohnen-Relaisstation im militärischen Gesamtkonzept der Vereinigten Staaten publikumswirksam erklären. Was als moderne Kriegsführung gepriesen wird, verursache viele zivile Opfer. Für Fleischer ist klar: Überlebende von Drohnenattacken und Familienangehörige von Opfern werden so radikalisiert und stärken den IS (Islamischen Staat). Der „Krieg gegen den Terror“, den die Amerikaner mit Unterstützung der NATO führen, könne so nicht gewonnen werden.

Fleischer will die Bürger mobilisieren. Denn Deutschland könnte dem Ganzen ein Ende setzen, denn mit dem Einigungsvertrag ist das Besatzungsrecht ausgelaufen. Eine souveräne BRD könnte die Nutzung der Air Base mit einer Frist von 24 Monaten kündigen. „Davon ist die Regierung Lichtjahre entfernt,“ bilanziert Fleischer im anschließenden Filmgespräch. Zur Untermauerung seiner Thesen bedient sich Fleischer ausschließlich öffentlich zugänglicher, größtenteils öffentlich-rechtlicher TV-Quellen und Bilder.

Anfang September hat Fleischer an Bundeskanzlerin Merkel geschrieben. Und das überaus deutlich. „Warum in Gottes Namen dackeln Sie seit Ihrem Amtsantritt wie ein frisch gefütterter Pudel den Vereinigten Staaten bei allem nach, was Krieg, Hunger und Elend verursacht? Die Rüstungsexporte (deren Höhe sich zuletzt verdoppelt hat) und jegliche Unterstützung der Amerikaner bei ihren Rohstoffkriegen im Mittleren und Nahen Osten sind die Fluchtursache Nummer eins. Anstatt den USA mal in die Parade zu fahren, bei ihren Drohnenmorden, die auch große Teile Afrikas terrorisieren, schauen Sie seit anderthalb Jahren weg bei dem Treiben in der Drohnen-Relaisstation auf der Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz. (. . . ) Sie nehmen es offenbar ganz bewusst in Kauf, dass immer mehr Menschen vor Kriegen und Drohnenterror flüchten – zu uns – und dass die gesamte Republik deswegen seit vielen Monaten immer weiter politisch nach rechts driftet.“

Der KAB-Kreisvorsitzende Josef Aigner aus Taufkirchen und Diözesansekretär Rainer Forster wünschen sich eine aktivere Friedensbewegung, „die den politischen Druck zu friedlichen Konfliktlösungen erhöht und sich auch über Rüstungsexporte aus Deutschland empört“. Krieger- und Soldatenvereine wurden dazu aufgerufen, eigene Veranstaltungen zu dem Thema zu organisieren.

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