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Blick in einen Masthähnchenstall: Nicht nur an den Futternäpfen ist es für die Tiere sehr eng. 

IN HOLZMANN BEI GRÜNTEGERNBACH

Masthähnchenstall für 26 000 Tiere

Dorfen - In Holzmann bei Grüntegernbach soll ein Masthähnchenstall für über 26 000 Tiere entstehen. Der Bauausschuss des Stadtrates stimmte dem Bauvorhaben zu. Heiner Müller-Ermann (SPD) sieht in solchen Anlagen „den ganzen Irrsinn der Agrarpolitik“.

85 Meter lang und 24,5 Meter breit soll die Halle werden, in der auf 2000 Quadratmeter Fläche 26 400 Hähnchen in Bodenhaltung gemästet werden sollen. Dazu kommt ein sogenannter „Wintergarten“, was nichts anderes ist als eine überdachte Freilaufzone. Laut Bauamtsleiter Franz Wandinger werden Küken angeliefert und dann 50 Tage lang gemästet, bevor sie zum Schlachten kommen. Sieben Mal im Jahr wiederholt sich dieser Vorgang. Die Exkremente der Tiere sollen über eine Biogasanlage entsorgt werden. Wandinger wies darauf hin, dass das Bauvorhaben baurechtlich im Außenbereich liegt und landwirtschaftlich privilegiert ist. Deswegen könne der Antrag auch nicht ohne triftige Gründe abgelehnt werden.

Vizebürgermeister Günther Drobilitsch (Landlisten), der selbst Landwirt ist, wollte wegen der Hähnchenmastanlage eine negative Diskussion gar nicht erst aufkeimen lassen. Der dortige Landwirt werde die Hähnchenmast nach dem wesentlich schärferen Schweizer Tierschutzrecht durchführen. Überdies sei die Nachfolge auf dem Hof geregelt. Bislang habe der Landwirt Milchvieh gehalten, wegen des sinkenden Milchpreises stelle er auf Hähnchenmast um.

Heiner Müller-Ermann (SPD) bedauerte, dass der Bauausschuss nur begrenzte Möglichkeiten habe, solche Vorhaben zu verhindern. Das Bauvorhaben „zeugt von einer Agrarpolitik, die nur in die Sackgasse führen kann“. Der Markt für Hähnchen sei längst gesättigt, jede neue Mastanlage verstärke „den gnadenlosen Konkurrenzkampf“. Das bedeute auch eine Verschlechterung der Haltungsbedingungen für die Tiere, sagte Müller-Ermann. Über 20 „Gickerl“ müssten auf einem Quadratmeter Flächen leben, das müsse man sich einmal vorstellen. Dass der Landwirt auf Hähnchenmast umstelle, zeigt Müller-Ermann, „wie irrsinnig die Agrarpolitik bäuerliche Familien in die Scheiße zwingt“.

Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) machte deutlich, dass der Bauauschuss nur aus baurechtlicher Sicht eine Entscheidung treffen könne. Für eine politische Diskussion sei der Ausschuss das falsche Gremium.

Ursula Frank-Mayer (Grüne) wollte die politische Diskussion zwar nicht befeuern, wies aber darauf hin, „dass die Hähnchenmastanlage bei der Bevölkerung keine große Freude hervorruft. Das muss uns allen klar sein.“ Bürgermeister Grunder sieht in der Hähnchenmastanlage dagegen keine Beeinträchtigungen für Grüntegernbach. Die nächst gelegene Siedlung, das Tappberger Feld, liege 600 Meter vom geplanten Maststall entfernt. Der würde dort gar nicht wahrgenommen.

Michael Oberhofer (CSU) brachte die Regionalität in die Diskussion. „Ich verspeise lieber einen Dorfener Gickerl, da weiß ich wenigstens, wo der herkommt.“

Mit knapper Mehrheit stimmte der Bauausschuss schließlich für das Bauvorhaben und erteilte das gemeindliche Einvernehmen. Dagegen votierten die SPD-Räte Müller-Ermann und Michaela Meister, Frank-Mayer (Grüne) und Doris Minett (ÜWG).

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