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Der Tatort: Die Asylunterkunft am Bahndamm in Dorfen.

Mord in Asylunterkunft

Junger Afrikaner stirbt nach Messerattacke

Dorfen - Schreckliches Ende eines Streits: In der Asylunterkunft am Bahndamm in Dorfen ist in der Nacht auf Sonntag eine Senegalese (20) getötet worden. Als Tatverdächtiger konnte ein Somalier festgenommen werden.

Es war gegen 0.35 Uhr, als ein Bewohner der Flüchtlingsunterkunft unmittelbar am B 15-Bahnübergang in Dorfen den Notruf tätigte. Nach Angaben von Peter Grießer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, ging der Anruf bei der Einsatzzentrale in Ingolstadt ein. Von einem bewaffneten Streit war die Rede.

Sofort eilte eine Streife zu der doppelstöckigen Container-Unterkunft. Davor trafen die Beamten auf einen Mann, der ein Messer in der Hand hielt. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Es handelt sich, so Grießer weiter, um den 38 Jahre alten Tatverdächtigen. Der Somalier lebte ebenfalls in dieser Einrichtung, die vor etwa einem Jahr in Betrieb genommen wurde.

Notarzt kann das Opfer nicht retten

Die Rettungskräfte konnten nichts mehr für den 20-Jährigen tun.

In einem Zimmer fanden Notarzt und Rettungsdienst von der Dorfener BRK-Wache das stark blutende Opfer. Trotz aller Bemühungen konnte das Leben des Senegalesen nicht gerettet werden. Der 20-Jährige erlag nach Kripoangaben noch am Tatort seinen Verletzungen. Er dürfte schon einige Zeit in Deutschland gelebt haben. Jedenfalls eilten mehrere Freunde des Toten an den Tatort.

Da nun sicher von einem Gewaltverbrechen auszugehen war, übernahm der Kriminaldauerdienst der Kripo Erding die Ermittlungen. Die Fahnder ließen gegen 2 Uhr nachts die Dorfener Feuerwehr kommen, um einen Sichtschutz aufzubauen. Denn in der Einrichtung leben aktuell etwa 35 Flüchtlinge. Sie konnten während der Tatortarbeit in ihren Zimmern bleiben. Äußerlich war die Lage ruhig.

38-Jähriger gilt als überführt

Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang. Der Somalier wurde zunächst auf die Polizeiinspektion Dorfen gebracht und dort vernommen. Das gestaltete sich wegen der Sprachbarriere als schwierig. Der 38-Jähriger gilt aber als der Tat überführt.

Nach Informationen unserer Zeitung gab es zwischen beiden Männern nicht zum ersten Mal Streit. Bereits am Samstag soll eine Streife schon einmal zu der Unterkunft am Bahndamm ausgerückt sein, um einen Zwist zu schlichten. Es lagen aber wohl keinerlei Hinweise vor, dass die Situation wenige Stunden später derart eskalieren könnte.

Somalier kommt in Untersuchungshaft

Körperverletzungen sind in den rund 90 dezentralen Flüchtlingsunterkünften im Landkreis, in denen gegenwärtig rund 1300 Asylbewerber leben, keine Seltenheit. Immer wieder rückt die Polizei zu Einsätzen dorthin aus. Gründe gibt es viele: ethnische Unterschiede, Frust, Langeweile, Angst vor Abschiebung oder Stress wegen Ruhestörung. Der Fall von Sonntagnacht ist allerdings der erste im Kreis Erding, bei dem ein Todesopfer zu beklagen ist. Der Somalier wird in Untersuchungshaft kommen und auf seinen Prozess vor dem Landgericht Landshut warten.

Eine "erschütternde Nachricht"

In dieser Unterkunft geschah die tödliche Messer-Attacke.

Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner sprach von einer „dramatischen und erschütternden Nachricht“. Er habe Verständnis, dass es in den Einrichtungen zu Spannungen kommt, „aber es ist schrecklich, wenn ein Streit so endet“. Man könne nicht 24 Stunden in den Einrichtungen sein, „wobei die Ehrenamtlichen großartige Dienste leisten“. Selbst das beste Engagement, könne eskalierende Gewalt nie ganz ausschließen.

Der aus Isen stammende Autor Leonhard F. Seidl schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Ich bin sehr traurig über den Tod dieses jungen Menschen.“ Geflüchtete müssten besser betreut werden, mehr Sozialpädagogen und Psychologen müssten zur Betreuung eingesetzt „und die Geflüchteten besser in das Alltagsleben eingebunden werden“.

Adalbert Wirtz, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Dorfen, zeigte sich ebenfalls schockiert, „Damit hätten wir nicht gerechnet. Es deutet alles auf ein großes Drama hin.“ Bislang habe es keine größere Auffälligkeiten gegeben, im Gegenteil: „Der Kontakt war gut.“ Wirtz und weitere Helfer waren gestern mehrfach in der Einrichtung. Um 11.30 Uhr fand eine Zusammenkunft aller Bewohner statt.

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