Aufruf zu Frieden und Toleranz: Bürgermeister Heinz Grundner (l.) bei seiner Rede am Friedensmahnmal. Foto: Weingartner

Zentrale veranstaltung zum Volkstrauertag

„Niemand soll zum Nachdenken gezwungen werden“

Dorfen – Wegen des Martinimarktes am Volkstrauertag fand in der Stadt Dorfen, wie seit Jahren, die zentrale Gedenkveranstaltung für die ganze Gemeinde bereits am Samstagabend statt. Nach einem Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche wurde zum Friedensmahnmal an der Marktkirche gezogen.

Es beteiligten sich mehrere Fahnenabordnungen, die Stadtführung und eine kleine Schar Bürger. Das Gedenken der Opfer von Kriegen, Gewaltherrschaft und Terror hatte wieder die Soldaten-, Reservisten- und Veteranenkameradschaft Dorfen (SRVK) organisiert.

„Besonders dankbar macht es mich, dass ich auch eine Reihe jüngerer Gesichter sehe“, eröffnete Bürgermeister Heinz Grundner seine Rede. Denn das zeige: „Das Schicksal von Menschen, die Krieg und Gewaltherrschaft zum Opfer fielen – und auch heute noch fallen –, bewegt alle Generationen.“ Er könne nachvollziehen, dass der staatliche Volkstrauertag mit seinem Gebot des stillen Gedenkens heute bei manchen Bürgern Unbehagen oder bestenfalls Achselzucken hervorrufe.

In einer freiheitlichen Gesellschaft sei es jedem Einzelnen überlassen, wann und in welcher Form er sich mit der Vergangenheit beschäftige, oder auch nicht. Niemand sollte zum Gedenken gezwungen werden, dennoch sei es „ein wichtiger Auftrag des Staates, Bürger dazu zu ermuntern, sich mit den dunkelsten Kapiteln unserer jüngeren Geschichte zu befassen“, erklärte Grundner. Genau in diesem Sinne verstehe er den Volkstrauertag: „Als Einladung zum Nachdenken darüber, was die unzähligen Kriegstoten und Gewaltopfer, derer wir an diesem Tag gedenken, uns für die Jetztzeit lehren können“. Dieser Blick zurück sei wichtig, um das Heute verantwortungsvoll und friedlich miteinander zu gestalten.

Grundner rief die Folgen von Krieg und Terror ins Bewusstsein. Mehr als 65 Millionen Menschen waren nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR im Jahr 2015 auf der Flucht – so viele wie noch nie. Die globale Flüchtlingskrise habe auch in Dorfen ein Gesicht bekommen. Rund 200 Schutzsuchende habe Dorfen aufgenommen. Diese Menschen seien vor Krieg und Terror geflüchtet, hofften nun bei uns auf ein Leben in Frieden. In Dorfen gebe es ein breites Engagement, „mit einer Reihe von Projekten für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung, wie auch für ein geeintes Europa“.

Der Volkstrauertag war ursprünglich als Gedenktag für die Gefallen des Ersten und Zweiten Weltkriegs gedacht, erinnerte der SRVK-Vorsitzende und Reserveoffizier Peter Ruppert. „Heute gedenken wir allen Menschen, die im Krieg und durch Gewaltherrschaft gestorben sind“. Nach Jahrzehnten des Friedens glaubten wir Deutsche, dass wir nie mehr an Kriegshandlungen teilnehmen – „es kam anders“.

Der Volkstrauertag sei die Gelegenheit, als Mahnung gegen Krieg und Gewalt zu wahrgenommen zu werden, sagte Ruppert. Zig Millionen Opfer, Vertriebene, Verwundete und Tote: „Wir wollen und sollen aus der Geschichte lernen“. Er habe als Vater von zwei Kindern (14 und 18 Jahre) nachgefragt, was sie über die letzten Kriege und den Volkstrautag wissen und feststellen müssen, dass dies wohl in erster Line in der Familie vermittelt werden müsse. Weder Ruppert noch seine Kinder hätten in der Schule vom Volkstrauertag erfahren. Kriege würden in Jahres- und Opferzahlen vermittelt, was „für Unbeteiligte zu abstrakt“ sei. „Ich sehe dringenden Handlungsbedarf“, sagte Ruppert.

Er appellierte, jeder solle in seiner Familie und im Bekanntenkreis seinen Einfluss geltend machen und zum nächsten Volkstrauertag einladen. Der Vorsitzende dankte am Friedensmahnmal, dass mit der Teilnahme ein Zeichen gesetzt werde: „Gewalt und Krieg ist furchtbar. Wir müsse alles dafür tun, dass nachfolgende Generationen dieses Wissen auch erkennen.“

Zum Gedenken legte Ruppert einen Kranz im Namen des SRVK am Friedensmahnmal nieder. Für die Stadt hatte Bürgermeister Grundner einen Kranz niedergelegt und für den VdK-Dorfen Karl Nagl. 

Hermann Weingartner

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