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Einen großen Auftritt legte das Metropol-Theater im Jakobmayer hin.

Jakobmayer

Die Scheinwelt der Banken

Dorfen – Das Metropol-Theater verblüffte am Samstagabend die Zuschauer im Jakobmayer-Saal mit ihrem Stück „Schuld und Schein“.

„Vive la révolution“, hieß es am Ende des Stücks „Schuld und Schein“ im Jakobmayer-Saal. Das begeisterte Publikum schien fast gewillt, dem Aufruf zu folgen, nachdem es über den Irrwitz des Finanzsystems aufgeklärt worden war. Warum trotzdem nichts passierte, liegt vermutlich an der Erkenntnis, dass auch die Theaterwelt nur eine Scheinwelt ist.

Dabei hatte das überragende Fünf-Mann-Ensemble des Freimanner Metropol-Theaters das Stück von Ulf Schmidt mit einer spritzigen und witzigen Darbietung überzeugend gespielt und alle Vorschusslorbeeren waren gerechtfertigt. Ohne Kulisse und mit Minimal-Requisite wurde das Publikum von Anfang an in ihren Bann gezogen und in 14 Kapiteln in die Begriffe der Finanzwelt eingeführt. Dazu brauchte es nur zwei Bänker, einen Sparer, einen Kreditnehmer und Herrn Kaiser, der sich geschickt vom mittelalterlichen König zu Napoleon und über Kaiser Wilhelm und Hitler schließlich zu Kanzlerin Merkel verwandelte. „Staaten kommen und gehen, Banken bleiben bestehen“, hieß das Credo.

Sonderapplaus gab es für die musikalischen Einlagen zum Thema Geld, die gesanglich und choreografisch überzeugten. Ein echter Ohrenschmaus war „Money Makes The World Go Round“ aus dem Musical Cabaret.

Die Tatsache, dass Geld nur noch Schein-Geld ohne Gegenwert ist, wurde lakonisch in Sendung-mit-der-Maus-Manier kommentiert: „Klingt komisch, ist aber so!“ Man merkte förmlich, wie das Publikum sich mehr und mehr mit dem verzweifelten Sparer auf der Bühne identifizierte, den die Banken, die „eh gemeinsame Sache mit dem Staat machen“, nur als „Deppen“ betrachten: „Man muss das Wasser langsam erwärmen, damit der Frosch nicht merkt, dass er schmort.“ Der Kunstgriff, die komplexe Materie kabarettistisch zugespitzt und vereinfacht darzustellen, zeigte die Absurditäten des Bankensystems überdeutlich auf.

In der Pause entlockte dies den Zuschauern Kommentare wie: „Unglaublich, wie wir verarscht werden“ oder „Wir haben es schon immer geahnt, aber dass es so schlimm ist…“. Die Erwartungen an den zweiten Teil wurden nicht ganz erfüllt. Die Finanzbegriffe im Stakkato überforderten hie und da das Publikum. Oft war die Sprache zu direkt und „zu wenig allegorisch“, wie ein Zuschauer anmerkte.

Interessant war das Finale als Jauch’sche Talkrunde, wo die Frage nach der Schuld an der Finanzkrise geklärt werden sollte. Und die läge eindeutig „in den Märkten in Digitalien“.

Verblüffend waren auch die Zitate im Ausklang, wo das von Bertolt Brecht nicht fehlen durfte: „Was ist denn ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“

Albert Zimmerer

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