Hochwasser in Schwindkirchen

Die Suche nach den Schuldigen

Schwindkirchen - Das Juli-Hochwasser hatte auch in Schwindkirchen gewütet. Gewaltige Fluten waren ebenso schnell da wie weg. Zehn Anwesen waren betroffen, mit am schlimmsten das Haus der Familie Dinalic. Die muss nun drei Monate wegen Reparaturarbeiten ausziehen.

Mehrfach war es zwischen Juni und Juli im Bereich der Stadt Dorfen nach unwetterartigen Regengüssen aus dem Autobahn-Baustellenbereich der A 94 zu heftigen Überflutungen von Anwohner-Häusern und Grundstücken gekommen (wir berichteten). Zweimal hatte es Lappach und einmal Schwindkirchen schwer getroffen. Wer schuld war und wer für die Schäden aufkommt, das klären derzeit die Versicherungen.

Die Heimatzeitung hat jetzt die Familie Dinalic in Schwindkirchen besucht, die am südlichen Ortsrand ein Haus hat. Ein Surren ist im ganzen Gebäude zu hören. Das kommt von den vielen Trocknungsgeräten die Tag und Nacht laufen müssen, um durchnässtes Mauerwerk und Fußböden zu trocknen.

Die Schwindkirchener waren Anfang Juli von einer Sturzflut völlig überrascht worden. Es hatte viel und heftigst geregnet und der Nachbar richtete Sandsäcke auf, erinnert sich Margit Dinalic. Darüber habe sie sich noch „etwas gewundert“. Aber nur kurze Zeit später „krachte es am Haus“. Auf der abschüssigen Höhenberger Straße war urplötzlich eine gewaltige Sturzflut auf die Siedlung hereingebrochen. Der Hochwasserstrom schoss über den gesamten Garten, sowie den Pool und drang ins Haus ein. Erdgeschoss und Keller wurden geflutet. Keine Chance etwas aufzuhalten, sagt Mirsad Dinalic. Nun ist alles kaputt im Erdgeschoss – und im ausgebauten Keller sowieso. Zum Glück seien die gesicherten Öltanks im Keller fast voll gewesen und blieben stehen. Da hätte es zu einer Katastrophe kommen können. „Dann wäre das ganze Haus weg gewesen“, befürchtet Mirsad Dinalic. Die Schäden seien aber auch so gewaltig, deren Beseitigung der Hausherr auf etwa 150 000 Euro schätzt. „Und wir müssen dafür drei Monate komplett aus dem Haus ausziehen“.

Für die Heftigkeit der Flut macht Familie Dinalic die A 94-Baustelle verantwortlich. Es sei ihm wichtig, nun die Verantwortung zu klären, und ob die Wasserhaltung dort ausreichend war. Schließlich müsse jeder Bauherr dafür sorgen, dass keine Schäden durch seine Bautätigkeiten entstehen. Und zwar vor Baubeginn. Die jetzt angekündigten Verbesserungen des Hochwasserschutzes für den Bereich seien für Mirsad Dinalic wohl wirkungsvoll und ausreichend. Die ARGE-Vertreter hätten sich vor Ort bei einem Gespräch zwar gekümmert, zur Schadensregulierung sei „aber nix gesagt worden“.

Die „volle Verantwortung“ für alle Maßnahmen und deren Folgen während der Bauzeit der Autobahn A 94 zwischen Pastetten und Heldenstein trage mit Vertragsabschluss „klar der Auftragnehmer“, erklärt auf Nachfrage der Heimatzeitung Baudirektor Gilbert Peiker, Leiter der Abteilung Planung und Bau bei der Autobahndirektion Südbayern. Und das sei die Projektgesellschaft Isentalautobahn GmbH & Co. KG, die alle Planungs- und Bauleistungen an die Bau ARGE A 94 Isentalautobahn übergeben hat. Die ARGE sei daher auch zuständig für die korrekte Bauwasserhaltung und sichere Entwässerung entlang der Baustelle. Erst nach Fertigstellung der A 94 übernehme die Autobahndirektion dann für ihre geplante Entwässerung die Verantwortung.

Die Entwässerung an der A 94-Baustelle sei „komplett erstellt worden“, betont Oliver Lauw, Geschäftsführer der Isentalautobahn, im Gespräch mit der Heimatzeitung. Die Grundlage dazu seien gesetzliche Vorgaben entsprechend eines hundertjährigen Hochwasserereignisses. Zur Wasserflut in Schwindkirchen sagt Lauw, es habe sich dabei um „einen Jahrhundertregen“ gehandelt. Inzwischen seien „präventive Maßnahmen“ getroffen, Dämme neu errichtet sowie erhöht und ein Weiher als Rückhaltebecken ausgebaggert worden. Bei einem Gespräch vor Ort mit allen Beteiligten, der Stadt und auch Anwohnern seien „weitere Maßnahmen“ zum Hochwasserschutz vereinbart worden.

Für die Hochwasserflut Richtung Schwindkirchen sei „eine Vielzahl an Faktoren“ verantwortlich gewesen, betont Lauw. Derzeit werde von der Versicherung „die Situation angeschaut und bewertet“. Auf dieser Basis könnten dann vom Hochwasser geschädigte Anwesen entschädigt werden.

Hermann Weingartner

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