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Gequältes Lächeln: VR-Bank-Chef Heinrich Oberreitmeier bei der Pressekonferenz. Ihn belastet die „schwerste Entscheidung meines beruflichen Lebens“.

Wegen Nullzins-Politik der EZB

VR-Bank dünnt Filialnetz aus

Taufkirchen/Dorfen – Sinkende Erträge, verändertes Kundenverhalten: Die VR-Bank Taufkirchen-Dorfen muss sparen und schließt Filialen. Betriebsbedingte Kündigen gibt es nicht. Stellen von Mitarbeitern, die in Rente gehen, werden aber nicht mehr nachbesetzt.

Für den Vorstandsvorsitzenden Heinrich Oberreitmeier „war es die schwerste Entscheidung meines beruflichen Lebens“, wie er gestern bei einer Pressekonferenz in der Dorfener VR-Bank-Geschäftsstelle sagte. Die Bankstellen in Hofkirchen und Ranoldsberg werden ganz geschlossen, der Schalterbetrieb in Hohenpolding, Inning, Steinkirchen und Maria Thalheim wird eingestellt. Dort gibt es dann nur noch Beratung und Selbstbedienungseinrichtungen. Diese Entscheidung hat Oberreitmeier persönlich getroffen.

„Das passt nicht zu dem, was ich vertrete, passt nicht zur Philosophie der VR-Bank Taufkirchen-Dorfen.“ Aber die wirtschaftliche Situation lasse keinen anderen Weg zu, als den eines strikten Sparkurses. Die VR-Bank brauche mindestens einen jährlichen Ertrag von drei Millionen Euro, um existenzfähig zu bleiben. 2015 machte die VR-Bank noch etwas über fünf Millionen Euro Gewinn. Doch der wird laut Oberreitmeier drastisch sinken. Obwohl die Genossenschaftsbank in den vergangenen zwölf Monaten das betreute Kundenvolumen um knapp sechs Prozent auf 83 Millionen Euro steigern konnte, ist das Betriebsergebnis um über 16 Prozent gesunken.

Hauptursache dafür ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Diese bringt immer mehr Banken in die Bredouille. Kunden mit viel Geld, früher heftig umworben, werden für Geldhäuser zum Problem. So musste etwa die VR-Bank Taufkirchen-Dorfen vergangene Woche bei der Anlage von verwalteten Kundengeldern in Bundesanleihen mit neunjähriger Laufzeit selbst 0,11 Prozent Strafzins zahlen.

Online-Banking und Geldautomaten auch eine Ursache

„Unser Ertrag aus dem Zinsgeschäft wird in den nächsten Jahren erheblich sinken“, betont Oberreitmeier. Noch verlangt die Genossenschaftsbank von Kunden keinen Strafzins. Ausschließen will dies der Vorstandsvorsitzende jedoch für die Zukunft nicht. „Die Herausforderungen werden mit jedem Monat größer.“

Auch wegen des veränderten Kundenverhaltens muss die Bankstellenstruktur angepasst werden. Denn immer mehr Kunden nutzen für Überweisungen Onlinebanking und holen sich Bargeld am Automaten. Laut Oberreitmeier gingen die reinen Schalterposten seit Jahren drastisch zurück. In manchen Bankstellen würden an einem Tag am Schalter gerade noch 20 Buchungsposten getätigt. Dafür Personal vorzuhalten, stehe in keiner Relation zum Selbstverständnis der Bank, bestmöglichen Service zu bieten. Dass es in Hofkirchen und Ranoldsberg ab dem neuen Jahr nicht einmal mehr eine SB-Bankstelle geben wird, liege an der geringen Nutzung. Der Bank entstünden pro Geldautomat monatliche Kosten von rund 1000 Euro. „Wir bieten gerne unsere Dienstleistungen an, aber nur, wenn sie auch genutzt werden.“ Wichtig für die Kunden ist aber: Die Berater bleiben die gleichen.

Von den Mitarbeitern der VR-Bank muss laut Oberreitmeier niemand betriebsbedingte Kündigungen fürchten. „Wir stehen zu unserer sozialen Verantwortung“, betont der Vorstandsvorsitzende. Allerdings werden frei werdende Stellen nicht mehr nachbesetzt, befristete Verträge nicht verlängert. Und auch von den derzeit vier Azubis wird nur einer übernommen.

Erträge will die VR-Bank verstärkt aus Vermittlungs- und Beratungsgeschäften verdienen. So gibt es starke Zuwächse im Versicherungs- und Immobiliengeschäft. Auch durch die Vermietung eigener Immobilien soll die Ertragslage stabilisiert werden. Fusionen will Oberreitmeier nicht ausklammern – auch wenn das aktuell keine Frage sei. Ein Zusammenschluss der VR-Banken im Landkreis könne durchaus Thema werden.

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