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Brillant: Alfred Mittermeier durchkämmt die Politiklandschaft in seinem neuen Programm „Ausmisten!“.

Jubiläumsprogramm im Jakobmayer

Wer ko, der ko

Dorfen – Kabarett vom Feinsten gab es mit Alfred Mittermeier zum fünfjährigen Jubiläum des Jakobmayer in Dorfen. „Dahoam“ wolle er es immer besonders gut machen, sagte der Watzlinger. Das ist ihm gelungen.

„Es ist ein kleines Jubiläum, deshalb feiern wir groß“, sagte Birgitt Binder, Managerin des Jakobmayer, bei der Begrüßung am Samstagabend. Alfred Mittermeier stand schon bei der Eröffnung auf der Bühne. Zum fünfjährigen Jubiläum präsentierte der Kabarettist sein neues Programm „Ausmisten!“. Er bot zwei Stunden Satire auf höchstem Niveau und beste Unterhaltung für die rund 300 Zuschauer im ausverkauften Saal des Jakobmayer.

Der Titel ist Programm, Mittermeier mistete aus und ließ dabei keinen und nichts aus. Freundlich gestaltete er die Begrüßung in Reimform, um dann blitzschnell und messerscharf die Politiklandschaft zu sezieren. Angefangen beim maroden Berlin, das den ständigen Anfeindungen von Bayern ausgeliefert ist und dessen 3,5 Milliarden Euro Finanzausgleich in einem Haushaltsloch verschwinden. Mittermeier vermutet, dass auf der anderen Seite die Chinesen stehen und alles auffangen. Überhaupt mache ihm die Entwicklung in China zu schaffen, er erinnere sich noch an das Lied, das er als Kind sang: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“. „Jetzt sind es 1,4 Milliarden.“ Und er prophezeite: „Das ist mein letztes Programm auf Deutsch.“ Als bayrischer Tätowierer würde er einem Chinesen heimlich „Ich bin nur eine Kopie“ in den Allerwertesten fräsen. „Nur die Menschenrechte kopieren sie nicht“, monierte er, deshalb boykottiere er die Chinesen: „Ich bestelle einen Tisch in einem chinesischen Lokal und gehe zum Italiener.“

Viele Gedanken machte sich der 52-Jährige über die Identität der Bayern. „Wer ko, der ko“, sei schließlich viel älter als „Yes, we can“ oder „Wir schaffen das“. Ministerpräsident Horst Seehofer verkörpere dabei nordkoreanische Zustände im Trachtenanzug. Bei der Flächenbemessung müsse man die Alpen berücksichtigen – wenn man diese planiere, hätten die Bayern im Süden direkten Meerzugang und Richtung Norden wäre Deutschland ganz in bayerischer Hand.

Auch was die Verteidigung anbelangt, sei man in Bayern mit 12 000 Gebirgsschützen und Schneekanonen besser gerüstet als mit der Bundeswehr. Brüssel hingegen sei ein ideales Auffanglager für gescheiterte Politiker, nach dem Motto: „Sprung in der Schüssel, ab nach Brüssel.“

Mittermeier beurteilt scharfsinnig. Wortgewandt, dicht und in rasantem Tempo präsentiert er seine Thesen. Zuweilen schießt er giftige Pfeile ab. Leidenschaftlich und bitterböse wetterte er gegen das „Dum(m)-Dum(m)-Geschoss“ an der Spitze der AFD, die ungefähr so viel Alternative für Deutschland biete wie Angela Merkel eine Alternative zum Bond-Girl sei. Zum Thema Burka hatte er eine klare Einstellung: „Warum denn immer gleich Verbote? Er plädierte für: „Burka ja, aber transparent.“

Ein echter Stoiber für die Geschichtsbücher

Mittermeier hätte auch einen Vorschlag für den nächsten Bundespräsidenten: Edmund Stoiber, da würde dann der Transrapid direkt vor seinem Haus in zehn Minuten nach Berlin durchstarten. Auch der Satz für die Geschichtsbücher stünde schon fest. Einen echten Stoiber müsse er raushauen – in etwa wie: „Heckenschützen, ja, die schießen nicht auf Hecken“, imitierte er stotternd den ehemaligen Ministerpräsidenten und ließ sein schauspielerisches Talent aufblitzen.

Nach der Pause gab es zehn Minuten Lokalkolorit mit Themen wie Rathausbau, Stadtwerke und Doppelmittelzentrum Taufkirchen-Dorfen. Dabei bekamen die Dorfner Stadträte seine schonungslose Kritik ab.

Der Watzlinger haut aber nicht einfach nur seine Pointen raus. Er bringt das Publikum auch zum Verstummen, zum Beispiel, als er fragte, wo die Würde des Menschen in Zeiten bleibt, in denen „ein lupenreiner Demokrat (Putin) einen bayerischen Monarchen empfängt“, nach 27 Jahren die neuen Bundesländer immer noch neu sind, und die Amerikaner einen Dschungelkönig anstatt eines Präsidenten wählen. Mit seiner Antwort macht er das Publikum betroffen: „Die Würde des Menschen ersäuft im Mittelmeer.“ Deshalb fordert der Kabarettist einen Gesundheitsminister, bei dem man sich eine Krankheit leisten kann, einen Sportminister, der die deutschen Fußballer nicht in Menschen verachtenden Ländern wie Katar spielen lässt. Er wünscht sich eine Welt, in der keiner Hunger leidet, und Friede oberstes Gebot ist. Mit diesen Botschaften entließ er das begeistertes Publikum in die Nacht.

Alexandra Anderka

Vorstellung

Wer Alfred Mittermeier verpasst hat, kann ihn am Freitag, 17. März, in der Stadthalle in Erding erleben. Er gastiert dort mit seinem Programm „Ausmisten!“ um 20 Uhr. Die Karten kosten 22 Euro und sind unter Tel. (0 81 22) 99 07 12 buchbar.

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