Verängstigt verflucht die schrullige Dorfjungfer Philomena (Anja Schrot) die beiden Totengräber Schippe (Erwin Waldhauser) und Schaufe (Stefan Eicher). Foto: lex

Heimatverein Gaden

Gespensterfluch mit turbulenten Folgen

Gaden – Lustig-makaber geht es derzeit in Gaden zu. Mit der Premiere des Schwanks „Gspenstermacher“ hat die Theatersaison begonnen. Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

Die Mimen des Gadener Heimatvereins bringen heuer zwei tumbe Totengräber auf die Bühne, denen das Gehalt gestrichen wird. Das führt zu turbulenten Verwicklungen, produziert Gespenster der besonderen Art, führt Liebende zusammen – und löst Lachsalven aus.

Die Geschichte spielt in einem Dorfwirtshaus im Moortaler Moos. Und prompt beginnt das Theater mit einer Geisterstimme, die vor Gestalten warnt, die jammernd im Dorf herumziehen und in jedes Fenster schauen – Gspenster eben. Dem Publikum wird ein Kaleidoskop an Beziehungen geboten, die miteinander verwoben sind.

Eingangs erzählen die jüngsten Moosspatzen zu siebt die Geschichte von „der kloana Wanzn“, begleitet von den Stansnjagern mit Trompete, Zugharmonika und Gitarre. Der Saal tobte vor Vergnügen. Nicht viel anders war es beim Watschntanz der jungen Gadener Plattler und den Auftritten der mittleren und großen Moosspatzen.

Und dann ging’s los: Da sind die zwei Totengräber, der Schippe in Person des Erwin Waldhauser und dessen Bruder, der Schaufe (Stefan Eicher), beide nicht die Schlausten, beide Analphabeten, aber eigentlich nicht zwider. Behördlicherseits nimmt man ihnen den kargen Lohn und bezahlt sie nach Fallzahlen. Davon aber können die Graberer nicht leben. Sie überlegen, wie sie ihr Geschäft aufbessern könnten. Da kommt ihnen eine Flasche Wein in die Quere, die eigentlich Gift enthält. Beinahe werden sie selbst Opfer des Totenkopfgetränks. Sie wollen damit niemanden umbringen – aber es kommt anders.

Die resolute Moorwirtin (großartig: Bellinda Gieb) und die reiche Landwirtswitwe Vevi Veichtl (Katja Mutzbauer) befördern sich nämlich praktisch selbst ins Jenseits. Beide Damen werden Geister, die nur die Graberer sehen und hören können. Mit ihnen und den Dorfbewohnern treiben sie allerhand Schabernack. Etwa mit dem Schuaster-Wig (Tom Jenuwein), dem ewigen Junggesellen. Beide Frauen waren schon zu Lebzeiten hinter dem Wig her und sind es als Gespenster immer noch, als Rivalinnen erster Güte.

Auslöser des Schlamassels ist allerdings die schrullige Dorfjungfer Philomena (Anja Schrot). Ihr spielen die Totengräber vor, sie würden ihr (sprichwörtlich) die Haare vom Kopf fressen, was das Fräulein so ängstigt, dass sie den Gespensterfluch über die Brüder ausspricht: „Seelen, die durch eier Streben einst verlieren moi ihr Leben, solln als Geister eich recht plagen, bis ihr lernts, a zu entsagen“ – und so kommt es.

Bei dem Schwank darf ein junges Liebespaar nicht fehlen. Mit Martin Würfl (Leo) haben die Gadener einen altersgemäßen „Liebhaber“ gefunden. Auch das weibliche Gegenstück, die Lena (Linda Thaler), gab ihr Debüt. Die beiden entflammen sofort füreinander, bevor sie aber ein Paar werden, kommt es zu einer Wendung: Der Leo beerbt nämlich die kinderlose Gespenster-Vevi und wird reicher Bauer. Die Lena erkennt eine Wesensänderung an ihrem Liebsten und will ihn in den Wind schießen. Aber das Happy End ist sicher.

Die Gadener ziehen wieder alle Register ihres Könnens. Tom Jenuwein, ebenfalls neu auf der Bühne, gibt den schrulligen, nicht gerade feinfühligen Junggesellen recht gut, das Team war perfekt. Entsprechend groß war der Applaus. Die Lacher waren stark und zahlreich, wozu auch Maske, Kostüme, Ton, Bühnentechnik und Bühnenbild (Christl Krumpholz) beitrugen. Die Souffleuse hatte nicht zu viel Arbeit.

Weitere Aufführungen

sind am 29. Oktober sowie am 4. und 5. November jeweils um 20 Uhr; am 30. Oktober, bereits um 19 Uhr (alles ausverkauft).

Raimund Lex

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