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Generationenaufgabe Feuerwehr: Simon Menzinger ist mit 19 einer der jüngeren Einsatzkräfte bei der Feuerwehr Altenerding. Herbert Reuther ist 61 Jahre alt und war bereits Erster und Zweiter Kommandant. 

Altersgrenze bei der Feuerwehr 

Dienst bis 65? Erfahrung kontra Fitness

Erding – Aktiver Feuerwehrdienst bis 65? Die Staatsregierung will die bisherige Altersgrenze von 63 Jahren kippen, um die Einsatzfähigkeit zu sichern. Die Feuerwehren im Kreis sind geteilter Meinung. Braucht es überhaupt eine Altersgrenze?

Der ehemalige Kommandant der Feuerwehr Eichenried, Werner Niemeyer, geizt nicht mit Begeisterung bei diesem Thema. „Die Alten sind für die Feuerwehr genauso wichtig wie die Jungen“, meinte der hauptberufliche Druckereibesitzer. Dies begründet Niemeyer damit, „dass die jahrelange Erfahrung eine höhere psychische Belastbarkeit mit sich bringt“. So könnte konzentrierter und ruhiger gearbeitet werden, wenn man mit Schwerstverletzten oder gar Toten konfrontiert werde.

Außerdem, so Niemeyer, habe das Alter oft nichts mit dem körperlichen Zustand zu tun. Er fühle sich mit seinen 65 Jahren immer noch in der Lage, mindestens fünf weitere Jahre aktiven Dienst dranzuhängen. Er würde die Altersbeschränkung daher ganz aufheben. „Wir haben ja auch Aufgaben, die nicht körperlich anstrengend sind, etwa Verkehrsabsicherungen.“

Eine ähnliche Meinung vertritt der 60-jährige Kommandant Karl-Heinz Nobis der Feuerwehr Steinkirchen. „Ich meine auch: Die Altersbeschränkung gehört ganz abgeschafft.“ Allerdings sieht er ein, „dass das Alter im aktiven Dienst schon eine Rolle spielt“. Mit über 60 habe man in der Regel sehr viel Erfahrung, die bei der Ausbildung neuer Feuerwehrleute und der Jugendabteilung gut genutzt werden könne. Nobis ist seit seinem 18. Lebensjahr mit Leib und Seele Feuerwehrmann. „Ich gebe mein Wissen gerne weiter.“

Willi Auer, früherer Kommandant in Maria Thalheim, hingegen findet: „Mit 63 Jahren sollte man dem Austritt schon langsam entgegensehen.“ Seine viereinhalb Jahrzehnte bei der Feuerwehr habe er zwar genossen, aber mit dem Alter sollte man gehen. Der 64-Jährige macht keinen Hehl aus seiner Gemütslage: „Das Gefühl, bei einem Einsatz geholfen zu haben, vermisst man nach dem Ausscheiden schon.“

Aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist Otto Isemann schon vor drei Jahren. Noch ist der 66-Jährige Vorsitzender der Feuerwehr Eicherloh, doch auch dieses Amt möchte er abgeben. „Am besten an Jüngere, denn ein Generationenwechsel gehört dazu“, sagt er. In Eicherloh wurden zwei junge Männer als Kommandanten eingesetzt. Mit Recht, findet Isemann: „Heutzutage wird gesundheitlich viel verlangt, da muss ab einem bestimmten Alter Schluss sein. Jüngere sind da belastbarer.“ Als Atemschutzträger zum Beispiel müsse man immer wieder beim Arzt die Lunge untersuchen lassen, um im Einsatz mitwirken zu dürfen. „Es ist beruhigend, wenn beim Feuerwehrhaus die Sirene geht, und du weißt, du musst jetzt nicht raus“, verrät der Elektromeister, der von 1968 bis 2013 aktiv bei den Eicherlohern war.

Erst einmal nichts gegen eine Dienstzeit bis 65 hat der Kommandant der Feuerwehr Moosinning, Georg Humplmair. Er ist hauptberuflich CNC-Fräser. „Da man auch mindestens bis 65 arbeiten muss, kann man auch länger in den Einsatz. Dort wird nicht jeder gleich stark beansprucht.“ Humplmair würde, wenn es seine Gesundheit zulässt, „auf jeden Fall so lange ausrücken wie möglich“. Ihm würde etwas abgehen, wenn er ausscheiden müsste. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er bei der Feuerwehr und seit 28 Jahren Kommandant in Moosinning. Trotzdem: Der 58-Jährige wird in zwei Jahren bei der Kommandantenwahl den Posten an einen Jüngeren abgeben, „denn neue Leute bringen neue Ideen“. Trotzdem möchte er bei der Feuerwehr aktiv bleiben. „Man kann sich ja anderweitig engagieren.“ Eine (höhere) Altersgrenze hält er für sinnvoll. „Sonst sieht der eine oder andere selber nicht ein, dass er für die vorderste Front nicht mehr geeignet ist. Man muss das alles auch versicherungstechnisch sehen“, meint der Moosinniger Kommandant. Ältere seien nicht nur anfälliger für Krankheiten. Stresssituationen stellten ein höheres Risiko dar.

Eine andere Auffassung vertritt der ranghöchste Feuerwehrler im Landkreis, Kreisbrandrat Willi Vogl aus Erding. „Für die Einsätze, die wir fahren, braucht es junge, dynamische Leute.“ Er selbst ist bereits 56 und hätte kein Problem damit, aufzuhören. „Es kommt irgendwann die Zeit, in der man nicht mehr so leistungsfähig ist.“

Zwar könnten ältere Feuerwehrler noch als Fahrer an Einsätzen teilnehmen, aber diese müssten dann genauso schnell aus dem Bett kommen wie ein Jüngerer. Und das könnte ein Problem sein. Denn wenn alle auf den Maschinisten warten, komme man nicht rechtzeitig zur Einsatzstelle. Auch die Belastung mit dem schnellen Aufstehen sei groß. „Man muss in einer Sekunde von null auf 100 sein“, so der Kreisbrandrat. Generell sollten Jüngere in Verantwortung nachkommen, „die frischen Wind mitbringen“.

Vogl arbeitet hauptberuflich bei der Werkfeuerwehr der Technischen Universität in Garching. Wenn er in Rente geht, werde ihm „am Anfang was abgehen. Aber ich habe noch andere Hobbys. Ich bin ja nicht mit der Feuerwehr verheiratet, sondern mit meiner Frau. Die freut sich auch, wenn ich öfter da bin.“

Franziska Huber und Liesa Pfort

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