+
Die Zwei halten zusammen: Carola Mitschek mit ihrem Sohn Marvin in der unpassenden Wohnung.

Suche nach einer behindertengerechten Wohnung 

Diese Liebe kostet so viel Kraft und Nerven

Erding – Die Mitscheks brauchen dringend eine neue Wohnung. Lange kann die Mutter ihren behinderten Sohn nicht mehr die Treppe ins zu kleine Apartment hochtragen.

Von Julia Adam

Carola Mitschek öffnet ihre Wohnungstür mit einem freundlichen Lachen im Gesicht. Sie vermittelt den Eindruck einer lebensfrohen, starken Frau. Obwohl große Sorgen Tag für Tag ihre Gedanken beherrschen, bemüht sie sich, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Sohn Marvin soll nichts von den Problemen der kleinen Familie bemerken. Das Wichtigste für die 41-Jährige: Der Neunjährige soll eine fröhliche, unbeschwerte Kindheit haben, und das trotz seiner Behinderung.

Eine hypotone Bewegungsstörung mit ausgeprägter psychomotorischer Entwicklungsstörung – so lautet Marvins Diagnose. Seit seiner Geburt benötigt er Betreuung rund um die Uhr. Sprechen, gehen oder stehen sind für ihn unmöglich.

Doch Marvin hat auch Glück: Er wächst in einer Familie auf, die ihn über alles liebt. Das ist ihm bewusst. Wenn Mama Carola mit ihm spricht, breitet sich sofort ein Strahlen auf seinem Gesicht aus. Auch der Heimatzeitung begegnet er beim Besuch freundlich und neugierig. „Marvin ist so lebensfroh. Er weint wirklich ganz selten“, erzählt seine Mutter.

Obwohl Marvins Betreuung an Carola Mitscheks Kräften zerrt, würde sie ihn keinesfalls in einer Pflegeeinrichtung abgeben. „Ich möchte meinen Sohn aufwachsen sehen“, begründet sie. Doch das ist alles andere als einfach. Die aktuelle Wohnsituation bringt die Erdingerin schier zur Verzweiflung.

Die Dachgeschosswohnung, in der sie bereits seit 13 Jahren mit ihrem Ehemann lebt, ist unzumutbar für eine Familie mit einem behinderten Kind. Lediglich zwei kleine Zimmer stehen den Mitscheks auf rund 55 Quadratmetern zur Verfügung. Marvin schläft im Wohnraum, wo sein Bett allerdings schon die Hälfte des Zimmers einnimmt. Sein Rollstuhl ist in der Küche gelagert, die zugleich Eingangsbereich und Büro ist. Seine Kleidung befindet sich im Badezimmer, da sich kein Platz für einen Schrank bietet.

„Es geht überhaupt nicht um mich und meinen Ehemann. Wir wollen Marvin einfach endlich ein eigenes Zimmer, eine Rückzugsmöglichkeit bieten. Er hat genau das gleiche Recht darauf, wie andere Kinder auch“, erklärt die 41-Jährige.

Doch das ist nicht die einzige Schwierigkeit. Die Krönung der Problematik: der fehlende Aufzug. Der Fahrstuhl des Hauses endet bereits im zweiten Stock. Die Stufen bis ins Dachgeschoss muss Carola Mitschek alleine erklimmen – mit Marvin im Rollstuhl. Ihr Ehemann ist lediglich an den Wochenenden zu Hause, um sie zu unterstützen, da er den Lebensunterhalt der Familie verdienen muss.

Bereits seit Marvins Geburt vor neun Jahren sind die Mitscheks auf der Suche nach einer anderen Wohnung. Seitdem folgt eine Enttäuschung nach der anderen. Carola Mitschek ist mit den Nerven am Ende. „Entweder sind die Wohnungen hier viel zu teuer, oder die Vermieter wollen keinen Behinderten“, erzählt sie. Dabei stehen ihr die Tränen in den Augen. „Ich bin wirklich sämtliche Ämter und Einrichtungen erfolglos abgelaufen. Sogar beim Bürgermeister war ich.“ Helfen konnte ihr aber niemand.

Wie notwendig eine Wohnung mit behindertengerechtem Zugang ist, begründet Carola Mitschek zudem mit einem kürzlich eingetretenen Zwischenfall: „Vor einiger Zeit ist Marvin runtergefallen, als ich versucht habe, ihn die Treppen hinauf zu tragen. Ihm ist zum Glück nichts passiert, aber da wurde mir klar, wie dringend sich etwas ändern muss.“

Ansprüche an eine Wohnung hat Carola Mitschek nicht viele. Lediglich drei Zimmer soll sie haben – und mit dem Aufzug gut erreichbar. „Wir könnten bis zu 800 Euro warm bezahlen“, sagt sie. In Erding liegen müsse die Wohnung jedoch unbedingt. „Ich habe kein Auto und keinen Führerschein. Marvin geht unter der Woche in die Sankt Nikolaus Schule. Wenn die wegen ihm anrufen, muss ich so schnell wie möglich verfügbar sein“, begründet die Erdingerin.

Für Carola Mitschek ist die Heimatzeitung die letzte Hoffnung. Obwohl sie es sich gegenüber ihrem Sohn nicht anmerken lässt, ist sie zunehmend am Ende mit Nerven und Kraft. Wer den Mitscheks eine Wohnung anbieten kann, möge sich in der Redaktion der Heimatzeitung unter Tel. (0 81 22) 4 12-127, oder per Mail unter redaktion@erdinger-anzeiger.de melden.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

BMW gegen Lkw: Fahrerin (29) hat Glück im Unglück

Kirchberg - Ein schwerer Unfall mit glimpflichem Ausgang hat sich in der Nacht auf Samstag auf der B15 Taufkirchen - Landshut ereignet. Dabei wurde eine junge Frau wie …
BMW gegen Lkw: Fahrerin (29) hat Glück im Unglück

XXL-Industriehalle: Transparenz ist der wichtigste Baustoff

Start leicht verstolpert: Zu diesem Schluss kommt in Bezug auf das geplante Gewerbegebiet bei Erding West Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Wochenendkommentar.
XXL-Industriehalle: Transparenz ist der wichtigste Baustoff

Eine Halle so groß wie elf Fußballfelder

Erding - Vom geplanten Industriegebiet an der Dachauer Straße gibt es ein erstes Bild: Die Stadt Erding will nicht nur einen neuen Recyclinghof und Flächen für Handwerk …
Eine Halle so groß wie elf Fußballfelder

Ampel gegen Stau in der Erdinger Innenstadt

Erding - Autofahrer müssen sich ab Montag auf neue Verkehrsbeziehungen in Erding einstellen. Eine Ampel soll dafür sorgen, dass es wegen der Gewichtsbeschränkung auf der …
Ampel gegen Stau in der Erdinger Innenstadt

Kommentare