Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Der Kommentar zum Wochenende

Erding - Land der digitalen Ahnungslosen

Nicht nur bei Hot Spots, sondern auch bei der Nutzung sozialer Medien sind Stadt und Landkreis in der analogen Steinzeit hängen geblieben. Einer jungen und modernen Stadt ist das unwürdig, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Wochenendkommentar

Die Smartphones tausender Herbstfestbesucher, die Fotos vom bunten Treiben in die sozialen Netzwerke einstellen wollen, verfügen über hoffentlich ausreichend Datenvolumen. Denn Wlan oder WiFi, sprich die Möglichkeit, gratis ins weltweite Netz zu kommen, gibt es am Volksfestplatz nicht. Es gibt sie auch in ganz Erding nicht - zumindest nicht mit der Kommune als Bereitsteller von Hot Spots. Für eine junge und moderne Stadt wie Erding ist das ein Armutszeugnis, zumal die rechtlichen Hürden - Stichwort Störerhaftung - weitgehend gefallen sind.

Was es noch schlimmer macht: Offline ist in Erding Programm. OB Max Gotz hat erst kürzlich in einer CSU-Veranstaltung erklärt, er lehne Hot Spots ab, denn sie sorgten nur für Massenaufläufe, die er nicht wolle. Leider ist es so, dass in dieser Stadt nur der OB entscheidet und 40 Stadträte seine Wünsche brav abnicken. Hier wird also nicht viel passieren. Dass es anders geht, zeigen ausgerechnet kleinere Gemeinden wie Wörth, wo zwei öffentliche Internet-Zugänge geschaffen werden sollen.

Doch nicht nur hinsichtlich der Wege ins Netz sind Stadt und Kreis das Land der digitalen Ahnungslosen. Das Rathaus hat zwar eine Homepage. Facebook, Instagram, Twitter oder Snapchat sind im Grafenstock aber Bücher mit sieben Siegeln. Gotz ist zwar regelmäßig mit Botschaften an die Bürger zu sehen, allerdings nur auf dem nicht vernetzten Kanal YouTube. Der Landkreis verfügt sogar über eine Facebookseite. Doch die wird so gepflegt, dass die Kreisverwaltung aufpassen muss, dass sie von Mark Zuckerberg wegen Untätigkeit nicht eines Tages zwangsabgeschaltet wird. Ein Blick nach Miesbach empfiehlt sich, wo ausgerechnet der grüne Landrat Wolfgang Rhzehak eine sehr aktive, bunte und informative Seite betreiben lässt. Sein Kollege Martin Bayerstorfer hingegen, den gibt es nur analog. Wie aus der Zeit gefallen.

In Erding werden wichtige Chancen vertan. Soziale Medien sind heute DER Weg, Bürger schnell zu informieren. Nur hier sind die jungen Leute noch unmittelbar erreich- und ansprechbar. Vielleicht wollen das Stadt und Landkreis gar nicht. Auch wenn viel Unfug und Krawall dabei ist: Auf diesen Kanälen würde die Politik ungefiltert erfahren, was ein Teil der Bürger denkt.

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