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Warben im Museum Erding für den Reiter-Film (v. r.): Regisseurin Ina Winkler, Kuratorin Gisela Hesse, Künstler Rudolf L. Reiter, Museumsleiter Harald Krause, Oberbürgermeister Max Gotz sowie Reiters Tochter Viktoria mit ihren Kindern Ferdi und Meryem.

Museum Erding 

Filmpremiere: Reiter zeigt sein künstlerisches Handwerk

Erding – Normalerweise dient ein Museum der Aufarbeitung des Gestrigen, der Präsentation von Historie. Doch wenn ein junger Leiter wie Harald Krause frischen Wind in verstaubte Geschichte bläst, dürfen an einem solchen Ort auch ganz neue Geschichten präsentiert werden: wie etwa die erste Filmpremiere. In „Quelle und Schöpfung“ zeigt Nina Winkler, Chefin der Akademie Wildkogel in München, die authentische Entstehung eines Bildes von Rudolf L. Reiter.

Der Erdinger Künstler hat in seinem 72-jährigen Leben vieles geschaffen, gut über 2000 Kunstwerke und Installationen aller Art. Aber es war jetzt das erste Mal, dass er sich dabei von einer Kamera über die Schulter schauen ließ. Schließlich, so Reiter, „ist Malen ein intimer Akt, ein Seelen-Striptease“. Die Strukturen für jene Gemälde, die Reiter im Film kreiert, kommen für ihn aus der so genannten Anderswelt. Er glaubt sie gesehen zu haben, als er schwer krank darnieder lag, als er die Grenzen seiner eigenen Physis wahrnahm.

Was die gut 100 Gäste bei der Präsentation des Films im Museum Erding sahen, wird erst bei längerem Hinsehen zum Gemälde. Vordergründig vermengen sich scheinbar zufällig Farben, mischen sich Flüssigkeiten, bilden einen Strom an Kreativität – für Laien wohl ungesteuert. Dabei stellt sich für Reiter, der Philosophie des griechischen Panta Rhei folgend, das Leben als permanentes Fließen dar. Sich selbst versteht er als Werkzeug eines größeren Schöpfers, „als ein Handlanger“. Wie er dabei im großen Atelier der Firma Groschberger zu Werke geht, ist interessant dargestellt. Da verteilt der Meister Farbmuster auf eine jungfräuliche Leinwand, zeigt dabei nicht nur durch sein profanes Künstler-Outfit in Mütze und Latzhose, wie viel Handwerk tatsächlich in einem Bild steckt. Und die Zuschauer verstehen plötzlich, was es bedeutet, wenn er sagt: „Manchmal kämpfe ich mit der Materie.“

Dieser Film bringt Reiter nun auch Menschen näher, die der Kunst nicht ganz so nahe stehen, oder wie Oberbürger Max Gotz es formulierte: „Einen neuen spannenden Baustein Reiter.“ Für Museumsleiter Krause ist Reiter „ein authentischer Zeitzeuge vor einem beeindruckenden historischen Background“.

Im Museum gab es für die Gäste nicht nur diesen Film zu sehen, es gab auch was zu hören – von Manfred Trautmann, einem Freund seit Kindertagen (Reiter: „Wenn wir Indianer spielten, war er der Oberindianer, aber ich der Häuptling“). Der Autor und Regisseur las Gedichte aus einem neuen Band von Florian Roder mit Bildern des Künstlers. Und er zitierte ein Kapitel aus der Biografie Reiters, die am 16. September in der Ismaninger Galerie Schloss-Pavillon präsentiert wird.

Friedbert Holz

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