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Flüchtlinge in der Arbeitswelt - vom Alltag noch weit entfernt.

Flüchtlinge als Auszubildende

Wirtschaft steht noch ganz am Anfang

Landkreis - Flüchtlinge als Auszubildende sind noch die Ausnahme. Die Industrie- und Handelskammer hat im Kreis Erding gerade einmal 17 junge Menschen gezählt. Im Handwerk sind es noch weniger. Das muss aber nicht so bleiben.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sah in den Flüchtlingen schon ein neues Wirtschaftswunder. Das entpuppte sich rasch als glatte Übertreibung. Viele Asylbewerber, die schon selbst Geld verdienen, werden als Aushilfen eingesetzt. Flüchtlinge als Lehrlinge – das ist immer noch die Ausnahme.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern zählt im Großraum 1062 Azubis aus Fluchtregionen. 714 sind es in der Landeshauptstadt, der Rest verteilt sich auf die Landkreise München (172), Dachau (24), Ebersberg (21), Freising (47), Fürstenfeldbruck (35) und Starnberg (32). Das Schlusslicht bildet der Landkreis Erding mit gerade einmal 17 IHK-Azubis. Von diesen Ausbildungsverträgen in Industrie, Handel und Dienstleistungen wurden 353 seit Beginn des Jahres geschlossen.

„Die kleinen und mittelständischen Betriebe leisten trotz aller bürokratischer Hürden einen großen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen. Sie kommen damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung vorbildlich nach“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen.

Die Bereitschaft der Unternehmen, Flüchtlinge auszubilden, dürfte aus Sicht der IHK noch zulegen. „Das neue Bundesintegrationsgesetz gibt den Betrieben nun endlich die nötige Rechts- und Planungssicherheit, weil es das von den bayerischen IHKs vorgeschlagene 3+2-Modell enthält: Das bedeutet, Flüchtlinge können ihre Ausbildung unabhängig vom Ausgang des Asylverfahrens abschließen und weitere zwei Jahre in Deutschland bleiben“, erklärt der IHK-Chef. „In Bayern haben wir mit den zweijährigen Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen ein ideales Instrument, um jugendliche Flüchtlinge sprachlich, fachlich und kulturell auf eine Ausbildung vorzubereiten“, so Driessen. Wegen des zunehmenden Bewerbermangels waren im vergangenen Jahr tausende Lehrstellen unbesetzt geblieben.

Die Lage im Handwerk ist ähnlich. Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger erklärt, „dass Flüchtlinge als Lehrlinge noch so gut wie gar keine Rolle spielen“. Als Gründe nannte er sprachliche Schwierigkeiten, aber auch „Probleme mit den unterschiedlichen Kulturkreisen sowie der Arbeits- und Lebensdisziplin“. Er betont jedoch, „dass unsere Betriebe viele Praktikanten mit Fluchthintergrund beschäftigen“.

Grundsätzlich sieht der Bauunternehmer aus Erding in jungen Flüchtlingen „ein großes Potenzial“. Deswegen wird es im September eine Veranstaltung unter anderem mit den Unternehmerfrauen und dem Verein Brücke geben, wie der Fachkräftemangel mit Hilfe von Flüchtlingen gemildert werden kann. Waxenberger setzt dabei vor allem auf die Absolventen der Vorbereitungsklassen an der Berufsschule. Allerdings macht er auch klar: „Das deutsche Handwerk erfordert eine hohes Maß an Qualifikation.“ Wer fleißig, diszipliniert und leistungsbereit sei, „hat gute Chancen“. Nicht zuletzt bei den Gastarbeitern habe das Handwerk seine Integrationskraft unter Beweis gestellt.

Die meisten Auszubildenden aus Fluchtherkunftsländern im Raum München kommen nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge aus dem Kosovo (248), gefolgt von Bosnien und Herzegowina (168), Afghanistan (145), Serbien (112) und dem Irak (85). Aus Syrien verzeichnet die IHK 14 Azubis.

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