Wie lange kann er sich noch verstecken? Der international gesuchte mutmaßliche Mörder Prof. Dr. Michael B. aus Erding, hier mit einem Hund auf einer Parkbank in der chilenischen Küstenstadt Papudo. Das Bild ist Teil umfangreicher Informationen, die unsere Zeitung exklusiv aus Chile erreicht haben.

Exklusives Material aus Südamerika 

Frauenarzt: Auslieferung aus Chile läuft

Erding/Landshut – Der Erdinger Frauenarzt, der vor drei Jahren in Pretzen seine Ehefrau ermordet haben soll und nach der Aufhebung seines Freispruchs in Chile untergetaucht ist, könnte noch heuer nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Fahnder sind ihm auf den Fersen.

Der Erdinger Frauenarzt, der vor drei Jahren in Pretzen seine Ehefrau ermordet haben soll und nach der Aufhebung seines Freispruchs in Chile untergetaucht ist, könnte noch heuer nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Fahnder sind ihm auf den Fersen.

Prof. Dr. Michael B. soll am 4. Dezember 2013 im gemeinsamen Reihenhaus in Pretzen seine Gattin Brigitte (60) getötet haben. In einem zwei Monate dauernden, Aufsehen erregenden Indizienprozess vor dem Landgericht Landshut wurde der Frauenarzt mit Praxis in Erding aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Im März kassierte der Bundesgerichtshof auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Urteil.

Als B. davon Wind bekam, tauchte er unter. Die Spur führte nach Chile. Die Landshuter Behörden stellten einen Auslieferungsantrag – kein leichtes Unterfangen bei einem Staat, mit dem die Bundesrepublik keinerlei juristische Abkommen hat. Bis Herbst dauerte es, bis alle Prozessakten ins Spanische übersetzt waren. Mittlerweile sind sie in Südamerika angekommen. Sowohl Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft als auch Rainer Wiedemann vom Landgericht wollten sich nicht näher zum Verfahrensstand äußern. Beide erklärten lapidar: „Unser Antrag auf Auslieferung läuft.“ Ob B. kurz vor der Festnahme steht oder bereits inhaftiert ist, beantworten sie nicht. Mit keiner Silbe wollen sie das sensible Verfahren mit Chile gefährden.

Seit Februar hält sich B. dort auf. Unsere Zeitung hat aus anonymer Quelle umfangreiches Material zugespielt bekommen, das detailliert aufzeigt, wann und wo sich der gesuchte mutmaßliche Mörder aufgehalten, wo er gewohnt und mit wem er Kontakt gehabt hat. Die Redaktion hat die Angaben, soweit es ihr möglich war, geprüft. Sie sind als zuverlässig einzustufen.

Unserem Informanten zufolge soll sich B. regelmäßig in der Deutschen Gemeinschaft der Clinica Alemana und am Goethe Institut in Santiago aufgehalten haben. Dort wie auch an den späteren Aufenthaltsorten dürfte seine Vorgeschichte nicht bekannt gewesen sein.

Nach seiner Ankunft in Südamerika im Frühjahr soll der Gynäkologe etwa drei Monate in einer kirchlichen Gemeinde Unterschlupf gefunden haben. Es wird nicht einmal ausgeschlossen, dass der Kontakt bereits vorher durch Vermittlung deutscher Kirchenkreise zustande gekommen ist. Belegt ist das aber nicht.

In Santiago, so ist die Quelle weiter zu zitieren, hat er in einem Zimmer in einer Wohnung einer deutschstämmigen 84-Jährigen logiert. Besagte Maria Luisa (ihr Nachname ist unbekannt) nimmt angeblich immer wieder Deutsche auf, die am Alemana Hospital arbeiten. Aus anderer Quelle erfuhr unsere Zeitung, dass B. dort wieder als Frauenarzt tätig war.

Zuletzt soll sich B. in der Küstenstadt Papudo aufgehalten haben – in der Wohnung seiner neuen Freundin. Dem Vernehmen nach ist er erst im Oktober bei P.A. (nur die Anfangsbuchstaben der Partnerin sind bekannt) eingezogen. Er kommuniziert mit einem chilenischen Handy – vor allem per WhatsApp.

Die Landshuter Zeitung berichtete vorige Woche, Michael B.s Festnahme stehe kurz bevor. Das wird nicht bestätigt. Sollten die chilenischen Behörden auf das Gesuch eingehen, könnte der Frauenarzt noch vor Weihnachten wieder in Deutschland sein – fast genau drei Jahre nach dem Verbrechen, für das sich der heute 57 -Jährige erneut vor dem Landgericht Landshut verantworten muss. Im neuen Prozess könnten die zahlreichen Indizien gegen ihn anders interpretiert werden. Genau das hatte der BGH nämlich kritisiert und das Urteil kassiert.

Hans Moritz

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