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Einkehren in der Haager Vorstadt: Seit 125 Jahren heißt der Mayr-Wirt dort seine Gäste willkommen. Doch schon seit mehr als 200 Jahren steht dort ein Wirtshaus.

125 Jahre Mayr-Wirt

Gastgeber in vierter Generation

Erding – Nicht nur die Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung feiert heuer 125. Jubiläum. Der Mayr-Wirt, die Traditionsgaststätte an der Haager Straße, besteht ebenso lange. Ein Blick in die bewegte Vergangenheit.

125 Jahre Mayr-Wirt wird heuer an der Haager Straße gefeiert. Dabei gibt es die Gasthaus-Tradition schon länger. „Seit mehr als 200 Jahren steht hier eine Wirtschaft“, erzählt Andreas Mayr, lange Jahre Inhaber und jetzt Pächter des Lokals. Im Jahr 2009 hatte er es an die Stadt Erding verkauft.

Einst gehörte das Haus Josef Fischer. Er war Bierbrauer in Taufkirchen/Vils und Vater von Friedrich Fischer, der vor 125 Jahren mit seiner Gattin Katharina die Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung gegründet hatte. Damals hieß die Gaststätte „Zum Palisano Wirt“ – wohl in Anlehnung an die Gärten, die es einst am Stadtgraben gab, erinnert sich Andreas Mayr. Später geht die Wirtschaft an den Ebner Bräu über. „Er hat sie seiner Schwester Rosina 1879 zur Hochzeit geschenkt“, erzählt Mayr. Rosina Ebner ehelicht Josef Kiermaier, fortan heißt das Gasthaus „Zum Kiermaier“. Lange währt das Eheglück der beiden nicht. Kiermaier stirbt früh.

Ein Wirtshaus als Hochzeitsgeschenk

Seine Witwe Rosina lernt Matthias Mayr kennen. Er ist als Bierfahrer und Hausmeister im nur wenige Meter entfernt liegenden Gasthaus zur Post beschäftigt. Die beiden heiraten 1891 – vor genau 125 Jahren. Mit ihnen beginnt die Mayr-Wirt-Ära an der Haager Straße. Schnell hat sich der Name eingebürgert. Das Ehepaar bekommt zwei Söhne – Franz-Xaver und Matthias, den alle nur Hiasl nennen und der als Chiemsee-Maler bekannt werden sollte.

Schon im Jahr 1900 stirbt Rosina nach längerem Leiden. Ihr Mann Matthias führt die Gaststätte bis 1919 allein weiter. Dann übernehmen sein Sohn Franz-Xaver (1892-1947) und dessen Gattin Mathilde (1894-1977). F. X. Mayr ist es, der neben der Wirtschaft eine Metzgerei samt Wurstfabrik aufbaut, die einmal weit über die Grenzen Erdings bekannt wird.

Als am 18. April 1945, wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs, amerikanische Bombergeschwader Erding angreifen, sterben 144 Bürger, weite Teile der Stadt werden zerstört – auch der Mayr-Wirt. „Alles lag in Schutt und Asche“, erzählt Andreas Mayr. Doch seine Großeltern lassen sich nicht unterkriegen. F. X. Mayr wurstelt weiter – in den Garagen, die stehen geblieben sind, und mit reparierten Geräten.

Kronprinz Rupprecht besucht Ausstellung

Gegenüber – im heutigen Fäthe-Haus – baut F.X. Mayr eine Behelfswirtschaft mit Laden und Nebenzimmer auf. „Dort fand in den späten 1940er Jahren sogar eine Hiasl-Maier-Ausstellung statt. Damals war auch Kronprinz Rupprecht in Erding“, erzählt Andreas Mayr: „Er hat sich mit Hiasl Maier sehr gut verstanden.“ Noch heute ist der Saal im Wirtshaus nach dem Kronprinzen benannt.

Hiasl Maier selbst erlebt die Ausstellung nicht mehr. Er stirbt bereits 1933 im Alter von nur 39 Jahren an einem Nierenleiden. „Er hätte Bäcker werden sollen, hat sich aber gegen den Wunsch seiner Eltern durchgesetzt und eine Kunstmaler-Ausbildung in Prien am Chiemsee begonnen“, erzählt Andreas Mayr über seinen Großonkel.

Parallel zur Behelfswirtschaft wird das Gasthaus wieder aufgebaut – und zwar genau so, wie es heute dasteht. 1951 eröffnet die neue Hotel-Gaststätte, später die Metzgerei. F. X. Mayr erlebt das nicht mehr. Er erliegt 1947 mit nur 55 Jahren einem Herzleiden. Ein schwerer Schicksalsschlag für seine Witwe Mathilde und die vier Kinder Franz-Xaver, Matthias (Andreas Mayrs Vater), Magdalena (Leni) und Mathilde.

Die Familie rückt zusammen und baut unterstützt von den Ehegatten der Kinder den Betrieb bis in die 1980er Jahre hinein auf und aus. Tochter Mathilde Kummer und deren Schwägerin Brunhilde Mayr leiten fortan die Gastwirtschaft, Matthias Mayr die Wurstfabrik, seine Gattin Traudl führt mit Leni Moser die Metzgerei an der Haager Straße. Mathildes Mann Karlhans Kummer nimmt die Geschicke des Unternehmens als Geschäftsführer in die Hand.

Aufbruchstimmung in Erding

Als sie nach und nach in Ruhestand gehen, führt Brunhildes Tochter Ursula mit ihrem Mann Sepp von 1984 bis 1988 das Gasthaus, erzählt Andreas Mayr. Er selbst steigt 1989 in den Betrieb ein. Der damals 25-Jährige hatte im Eden-Hotel-Wolff in München Hotelkaufmann gelernt und im Bischofshof in Regensburg gearbeitet. Leicht fiel ihm die Entscheidung nicht, schließlich hatte er vor, nach Frankreich zu gehen.

In Erding aber herrschte Aufbruchstimmung – durch den Bau des Flughafens im Moos und die Ansiedlung des Rechenzentrums Amadeus. „In dieser Zeit mitzugestalten und einen Betrieb zu führen, war eine große Herausforderung“, erinnert sich Andreas Mayr. Früh engagiert er sich auch im Hotel- und Gaststättenverband, ist lange Jahre dessen Kreisvorsitzender. „Mir ist es nicht nur um mein Wirtshaus gegangen, sondern ums Gastgewerbe generell.“

1995 übernehmen Andreas Mayr und seine Brüder Matthias und Thomas den Gesamtbetrieb. 2000 folgt die geschäftliche Trennung. Andreas behält Hotel und Gasthaus, die Brüder die Metzgerei/Wurstfabrik. Diese muss 2001 Konkurs anmelden. „Zu Hochzeiten gab es 20 Filialen, hauptsächlich im Großraum München“, erinnert sich Andreas Mayr an die Goldenen Zeiten – lange vor BSE. Auch der Groß- und Einzelhandel wurde beliefert.

20 Mitarbeiter in Küche und Service

Während der Konkursverwalter die Metzgerei und Wurstfabrik „abwickelt“, bleibt Andreas Mayr Wirt aus Leidenschaft. Er sieht sich als Gastgeber, geht heute noch von Tisch zu Tisch und fragt die Gäste, ob’s geschmeckt hat. „Das ist auch mal unangenehm, wenn berechtigte Kritik kommt. Da braucht’s einen breiten Rücken und Diplomatie“, sagt der 52-Jährige. Viele Lehrlinge sind im Laufe der Jahre beim Mayr-Wirt ausgebildet worden, zum Koch, zu Restaurant- und Hotelfachleuten. Heute arbeiten noch 20 Mitarbeiter – inklusive Aushilfen – in der Küche und im Service.

2009 kauft die Stadt den Mayr-Wirt

Das Hotel ist seit 1. Juli 2016 geschlossen – aus Gründen des Brandschutzes. Schließlich hat das Haus noch Fehlböden, die im Brandschutz als F0-Decken eingestuft werden, also überhaupt keinen Feuerwiderstand bieten. Am Ende gab es im Mayr-Wirt 30 Zimmer, zu den besten Zeiten waren es 110 Betten – plus den dauerhaft vermieteten Apartments im dahinter liegenden Terrassenhaus. Sechs Angestellte musste Andreas Mayr nach der Hotelschließung ausstellen: drei Teilzeitkräfte, eine Vollzeitkraft und zwei Aushilfen. „Aber sie haben alle problemlos etwas anderes gefunden“, ist Mayr froh.

Wie es mit der Wirtschaft weitergeht, ist ungewiss. Seit die Stadt Erding das Areal im August 2009 gekauft hat, ist Andreas Mayr Pächter. Ein ungewohntes Gefühl, wie er zugibt. Aber das Verhältnis zur Stadt sei sehr gut. Und: „Der Betrieb läuft und wirft Geld ab.“ Will heißen, die Stadt hat Einnahmen. „Ich sehe der Zukunft gelassen entgegen“, sagt Mayr.

Im Herbst stehen Verhandlungen an, wie es weitergeht. Noch gibt es keine konkreten Pläne, wann das Gebäude abgerissen wird. Der hintere Teil des Areals, das sich von der Haager Straße über die Kordonhaus-, Pferdeschwemm- und Färbergasse erstreckt, wird seit Jahren als öffentlicher Parkplatz genutzt und gut angenommen. Die Stadt hatte dazu die alten Wurstfabrik-Gebäude abreißen lassen. Das ist auch mit dem Gasthaus selbst geplant. Dort soll einmal ein Neubau mit Tiefgarage errichtet werden, der allerdings wieder Platz für ein Wirtshaus bietet. So hat es der Stadtrat beschlossen.

70 Stammtische und 25 Vereine

Das ist auch wichtig für die 70 Stammtische und 25 Vereine, die sich Woche für Woche beim Mayr-Wirt treffen. Er ist eine Art Bürgerhaus – und folgt damit einer Tradition. „Früher hatten die Wirtschaften in Erding alle ihren Gesellschaftstag“, erinnert sich Andreas Mayr. „Da wusste man, wenn ich den oder den Geschäftsmann brauche, geh’ ich da hin“.

Das 125. Jubiläum des Mayr-Wirts wird heuer nicht groß gefeiert. Allerdings will Mayr im Oktober den Brauch des Alten Bieres wieder aufleben lassen – für seine Stammgäste, denen er gerne ein Gastgeber ist. Und mit Blaskapelle.

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