Der Winterdienst kann kommen, und Frau Holle gleich mit dazu: Die Straßenmeistereien Taufkirchen und Erding sind für die kalte Jahreszeit bestens gerüstet. Das Bild oben zeigt (v. l.): Fahrer Kurt Hartl, Manfred Zißelberger (Erding), Norbert Nietfeld (Taufkirchen), Baurat Roland Lehner und Fahrer Georg Brielmaier.

Winterdienst vor Start in die neue Saison 

Glatteis soll gar nicht erst entstehen

Erding – Wer morgens seine Scheiben freikratzen muss, ahnt es schon: Der Winter steht vor der Tür. In Erding und Taufkirchen sind die Profis gerüstet: 80 Helfer stehen in den beiden Straßenmeistereien bereit, um 522 Kilometer Straßen möglichst schnee- und eisfrei zu halten.

Mag Petrus noch so launisch sein und immer wieder warme Föhnwinde übers Land blasen lassen, für das staatliche Bauamt Freising mit seinen beiden Straßenmeistereien in Erding und Taufkirchen ist Winter immer von 15. Oktober bis 15. April. An beiden Standorten sind ab sofort 22 Fahrzeuge einsatzklar. Für die 50 Fahrer der Meistereien und rund 30 Kräfte privater Fuhrunternehmen beginnt wieder ein ehrgeiziges Wettrennen mit Mutter Natur: „Die beste Glätte ist die, die gar nicht erst entsteht. Das ist unser großes Ziel“, erklärt Roland Lehner. Der Baurat ist beim Staatlichen Bauamt Freising, Servicestelle München, für die großen gelben Fahrzeuge zuständig.

Den größten Nörglern, die immer dann auftreten, wenn es das erste Mal rutschig wird auf den Straßen, nimmt der Niederbayer gleich mal den Wind aus den Segeln: „Einen rechtlichen Anspruch auf Winterdienst gibt es nicht.“ Er könnte sich also zurücklehnen. „Die Realität ist natürlich eine andere. Ein starker Wirtschaftsstandort wie Bayern braucht freie Straßen“, sagt Lehner, „deswegen ist ab sofort mit uns zu rechnen“ – und zwar täglich zwischen 4 und 22 Uhr auf allen Kreis-, Staats- und Bundesstraßen. Innerorts sind die Gemeinden verantwortlich, auf der A 92 und A 94 die Autobahnmeistereien.

„Bereits um 3 Uhr fangen unsere Einsatzleiter an“, erklärt Lehner. Sie begutachten nicht nur die Straßenwetterdaten des Deutschen Wetterdienstes und werten eigene Daten aus, die direkt am Straßenrand von Kameras und Messgeräten gewonnen werden. Sie machen sich auch selbst ein Bild von den berüchtigtsten Stellen. Je nach Wetterlage kommen dann die Räum- und Streufahrzeuge zum Einsatz.

Die sind mittlerweile eine Wissenschaft für sich. „Die Zeiten, in denen wir einfach trockenes Salz ausgebracht haben, sind vorbei“, versichert Lehner. Denn im schlechtesten Fall sei das Salz vom Wind sofort verblasen worden – Umwelt- und Gewässerschutz geht anders.

Sole heißt das Zauberwort. „FS30“ (FS steht für Feuchtsalz) ist der Standard – 70 Prozent Feststoff und 30 Prozent Sole. „FS100“ ist bei der Prävention bis minus sechs Grad die Wunderwaffe gegen Väterchen Frost – 20-prozentige Sole. „Sie wird mit Spritzdüsen flächig auf der Fahrbahn verteilt, bleibt dort lange liegen und wird von den Reifen verteilt“, erklärt Lehner. Der Streuwagen werde immer mehr zum Tankwagen.

Drei Lager für 3200 Tonnen Salz

Der Baurat macht aber auch klar: Den Winter können die Männer in ihren orangefarbenen Anzügen nicht ganz abhalten. „Wenn es schneit, muss man sich einfach Zeit nehmen. Wir können nicht überall gleichzeitig sein. Und wenn irgendwo ein Lkw festhängt, kommen auch wir nicht durch.“ Oberste Priorität hätten die Bundesstraßen und die Flughafentangente sowie alle Strecken mit viel Bus- und Schwerlastverkehr.

Der Winterdienst im Landkreis kostet den Staat jährlich 1,3 Millionen Euro, pro Kilometer sind das 2100 Euro, pro Quadratmeter 30 bis 40 Cent. Zu den 522 Straßenkilometern kommen 70 Kilometer Reh- und Radwege.

Für die Chefs der Straßenmeisterei, Norbert Nietfeld/Taufkirchen und Manfred Zißelsberger/Erding, kann der Winter kommen. Die drei Salzlager sind gut gefüllt: Platz ist für 1300 Tonnen in Erding, 1000 in Taufkirchen und 900 in Scheideck.

Hans Moritz

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