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Im Dachgeschoss mit Sichtdachstuhl schauen Bauleiter Matthias Engel und Elke Fischer vom städtischen Bauamt nach dem Rechten. Die offene Seite bekommt eine Glasfront – hin zur historischen Dachterrasse, die erhalten wird.

Haus am Rätschenbach 12

Neuer Glanz für Uralt-Gemäuer

Erding - Es ist trocken gelegt, statisch stabilisiert und unterfangen. Bis die Generalsanierung des denkmalgeschützten Hauses Am Rätschenbach 12 aber abgeschlossen ist, gibt es noch viel zu tun. Voraussichtlich im Spätherbst 2017 können das BRK und der Kunstverein Erding einziehen. Ein Besuch auf der Baustelle.

Es war Anfang der 1990er Jahre, als Fußball-Star Lothar Matthäus im Feinripp-Unterhemd in Erding gesichtet wurde. Für die Werbekampagne einer Kreditkartenfirma posierte er vor der Kamera von US-Fotografin Annie Leibovitz. Matthäus saß vor der alten Eingangstür des Hauses Am Rätschenbach 12.

Das ist nur eine Begebenheit, die viele Erdinger mit dem Gebäude verbinden. Eine andere hat sich dagegen nicht bewahrheitet: Graf Tilly, berühmter Feldherr im 30-jährigen Krieg (1618 – 1648), hat nie dort gewohnt oder übernachtet. Der Name Tilly-Eck ist dennoch geblieben. Viermal ist das Haus im 17. Jahrhundert abgebrannt, zuletzt 1684 – und immer wieder aufgebaut worden. „Es ist das älteste Haus am Rätschenbach“, sagt Stadtarchivar Markus Hiermer.

Im Jahr 2007 kaufte es die Stadt Erding. Nach vielen Gedankenspielen, was damit geschehen soll, beschloss der Stadtrat schließlich, daraus ein Haus der Begegnung zu machen. Das Erdgeschoss und den ersten Stock wird nach der Generalsanierung das BRK nutzen: für eine Senioren-Info, ein Erzähl-Café und Aufenthaltsmöglichkeiten. Im Dachgeschoss wird der Kunstverein Erding ein Werkstatt-Atelier einrichten. Über einen Durchgang im ersten Stock ist das Haus dann auch von der benachbarten Stadtbücherei aus erreichbar – barrierefrei für Menschen, die auf Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Auch eine Fluchttreppe hat zwischen beiden Häusern noch Platz.

Bis in den Spätherbst 2017 werden sich die umfangreichen Sanierungsarbeiten hinziehen – „voraussichtlich“, wie Architektin Elke Fischer vom städtischen Hochbauamt beim Baustellen-Rundgang betont. „Das ist ein altes Gebäude. Da ist immer mit Überraschungen zu rechnen“, sagt Bauleiter Matthias Engel vom Architekturbüro Rieger aus Isen. Der Aufwand ist enorm. Ein Beispiel: Für den Durchgang zur Stadtbücherei im ersten Stock hat eine 40 Zentimeter dicke Stahlbetonwand durchschnitten werden müssen, in einer Größe von 1,26 auf 2,13 Metern.

Aber das Gröbste ist überstanden. Dazu gehört der Einbau von 36 Betonpfählen in bis zu acht Meter Tiefe – „weil der Baugrund so schlecht ist. Die tragfähige Schicht kommt erst so weit unten“, erklärt Fischer den Aufwand. Unterfangungsarbeiten waren im ganzen Gebäude nötig, zudem wurde eine Horizontalsperre ins Mauerwerk eingebaut – im Mauersägeverfahren gut zehn Zentimeter über dem Hochbeton. Diese Maßnahme verhindert aufsteigende Feuchtigkeit.

Im Treppenhaus wird die provisorische Treppe abgestützt. Sie führt bis unters Dach. Im ersten Stock wird ein Durchgang zur Stadtbücherei geschaffen.

Mittlerweile sind auch alle Risse in den Wänden verpresst, also mit einer Spezialmischung verfüllt worden. Zudem hat man Stahlbetondecken eingezogen und die Dachkonstruktion ertüchtigt, „weil der Bestand nicht den Brandschutzbestimmungen genügte“, sagt Engel. Deshalb sei eine neue Tragkonstruktion über den alten Dachstuhl gesetzt worden. „Der war nicht kaputt, also haben wir ihn erhalten.“

Auch energetisch wird das Haus auf Vordermann gebracht. Dafür sorgen ein Innendämmsystem und ein Außenwärmeschutz. Geheizt wird mit einer Gastherme mit Wärmerückgewinnung. Damit sei man auf dem neuesten Stand, so Engel, und erfülle annähernd den Enev-Standard für Wohnhäuser. Die alten Kastenfenster werden restauriert, der innere Flügel bekommt eine zehn Millimeter dicke Isolierverglasung – Schall- und Wärmeschutz zugleich. Den unterstützen auch je drei Zentimeter Innen- und Außenputz.

Ein Bauzaun umgibt das Haus Am Rätschenbach 12.

Neu wird der Boden: Im Eingangsbereich hat man sich für Attenberger Bodenziegel aus St. Wolfgang entschieden, „ein regionales, robustes Produkt“, so Engel. Im übrigen Erdgeschoss und im ersten Stock werden Eichendielen verlegt. Das Atelier des Kunstvereins unterm Dach bekommt Industrieparkett.

Jetzt stehen die Ausbauarbeiten an: Elektro, Haustechnik, Trockenbau sind die nächsten Gewerke. Die Dachdecker kommen in der Herbstfestwoche – vorausgesetzt, das Wetter passt.

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