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Der Natur auf der Spur: Für den Nachwuchs setzt sich die Kreisgruppe Erding des Bund Naturschutz vermehrt ein. Unser Bild zeigt einen Teil der Parkranger, die sich seit diesem April im Stadtpark treffen, um dort Wiesen und Gewässer zu erkunden.

40 Jahre Bund Naturschutz Kreisgruppe Erding

Das grüne Gewissen des Landkreises

Landkreis – Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum stellen wir Anfänge, Arbeit und Aktionen von Kreis- und Ortsgruppen vor.

3. Startbahn: Unter dem Motto „Drei sind eine zu viel“ wird gegen eine weitere Bahn protestiert.

Sie setzen sich überall dort ein, wo Natur bedroht ist. Sie kämpfen gegen Flächenfraß und die Zerstörung natürlicher Lebensräume. Sie pflegen Naturschutzgebiete, betreiben Umweltbildung und helfen Amphibien über die Straße. Die Aufgaben des Bund Naturschutz (BN) sind breit gefächert. Im Landkreis Erding engagieren sich die Naturschützer seit 40 Jahren.

Die Anfänge der Kreisgruppe liegen in den 60er und 70er Jahren. Großprojekte wie der Flughafen im Erdinger Moos, dessen Bau 1969 beschlossen wurde, oder die A 94, deren Trassenführung ebenfalls seit gut vier Jahrzehnten Thema ist, forderten den Widerstand der Bürger heraus. Und sie führten letztlich zur Gründung der Kreisgruppe Erding. Mann der ersten Stunde war Dr. Karl-Erich Graebner, der mit seiner Stellvertreterin Dr. Bärbel Foroughi-Wehr die Gruppe in den ersten zwei Jahren führte.

„In den vergangenen 40 Jahren hat sich einiges verändert“, sagt Gabriele Betzmeir, die seit 1989 aktiv beim BN ist und die Kreisgruppe seit neun Jahren führt. So seien die Naturschützer anfangs „eine Gruppe von schief angesehenen Streithanseln“ gewesen, kaum verankert in der Gesellschaft. „Am Anfang war’s hart. Mittlerweile haben aber doch viele die Notwendigkeit des Naturschutzes eingesehen“, sagt Betzmeir. Der BN sei heute mit seiner Arbeit sehr erfolgreich, seine Kernthemen seien längst in die Breite der Gesellschaft vorgedrungen.

Das zeigen auch die Mitgliederzahlen, die in den vergangenen vier Jahrzehnten immer stärker angewachsen sind. Gehörten der Kreisgruppe im Gründungsjahr gerade 80 Mitglieder an, waren es zehn Jahre später schon 479. Heute zählt die Kreisgruppe Erding 3038 Naturschützer, darunter viele Familien – und sie ist damit eine der größten Kreisgruppen in Bayern. „Der BN lebt von seinen Mitgliedern“, sagt Betzmeir.

Manfred Drobny, der die Kreisgruppe seit Herbst 2003 als Teilzeit-Geschäftsführer unter anderem in naturschutzfachlichen Fragen und bei Stellungnahmen zu Bauleitplanungen unterstützt, erklärt, dass mehr Mitglieder zudem das politische Gewicht des BN stärken. „Der Bund Naturschutz hat bayernweit mehr Mitglieder als die CSU“, sagt Drobny und ergänzt: „Wir sind kein Spaßverein. Wer hier mitmacht, ist engagiert.

Seit 2007 Vorsitzende der Kreisgruppe Erding: Gabriele Betzmeir.

Das sind Leute, denen die Sache am Herzen liegt.“ Nur eines von vielen Beispielen dafür ist die hoch motivierte, langjährige Vorsitzende Dr. Renate Poeschel, die bis zu ihrem Tod 2014 unermüdlich für den Naturschutz gekämpft hat.

Und diese Anhänger helfen auch dabei, dass dem BN das Geld nicht ausgeht – durch die Haus- und Straßensammlungen (HuS) etwa. Dabei sind voriges Jahr gut 13 000 Euro zusammengekommen, zu denen unter anderem die Schüler aus den umliegenden Schulen fleißig beigetragen haben. Heuer etwa haben die Taufkirchener Realschüler fast 7000 Euro gesammelt. Dank dieser Gelder könne der BN unabhängig agieren und sei weder auf Sponsoring noch auf staatliche Hilfsgelder angewiesen, sagt Drobny.

Widerstand gegen Großprojekte

Auch wenn sich die Zeiten geändert haben: Konfrontationen scheuen die „Streithanseln“ von einst bis heute nicht. „Wir sind ein bisschen das gute Gewissen der Nation“, sagt Betzmeir. Sie ist sich sicher: „Man muss immer den Finger in die Wunde legen, damit sich was ändert.“ Das hat die Kreisgruppe beispielsweise bei den Mammutprojekten im Erdinger Land getan. Sie setzte sich – wenn auch erfolglos – gegen den Flughafen im Erdinger Moos und gegen die Autobahn durchs Isental ein. Dabei bekam sie immer wieder prominente Unterstützung: Gerhard Polt, die Biermösl Blosn oder Kabarettistin Martina Schwarzmann haben schon am berühmten Dorfener Schwammerl ihre Stimmen gegen die A 94 erhoben. Ganz aktuell sind die Proteste gegen den Bau einer dritten Start- und Landebahn am Flughafen München.

A 94: Der Protest gegen das Mammutprojekt im Isental hat den Erdinger Bund Naturschutz viele Jahre begleitet. Großaktionen, wie unter anderem hier in Dorfen, gab es viele.

Beim Protest gegen derartige Großprojekte arbeitet der BN laut Betzmeir „überparteilich und über Nutzungsinteressen stehend. Wir sind Anwalt der Natur, denn sie ist die Lebensgrundlage für den Menschen.“ Zudem sei wertvoller Boden ein „nicht vermehrbares Gut, dessen enormer Verbrauch auf Kosten von Naturräumen geht“, ergänzt Drobny.

Dabei beobachtet der Diplom-Biologe, dass in der Naturschutzarbeit die fachlichen Anforderungen in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen seien. Die Zusammenarbeit mit anderen Fachgruppen, das Netzwerken und die Nutzung von Synergien etwa mit kirchlichen Gruppen, Landwirten oder dem DAV sei da unerlässlich.

Artenschutz im Landkreis

Daneben engagiert sich die BN-Kreisgruppe auch ganz praktisch vor Ort. „Eine Konstante in unserer Arbeit ist der Natur- und Artenschutz“, erklärt Drobny und nennt als Beispiel Bayerns zweitältestes Naturschutzgebiet (NSG) Gfällach. Bereits 1933 angekauft, wurde es ein Jahr später als schützenswertes Areal ausgewiesen – „ein Meilenstein in der Naturschutzgeschichte Bayerns“, sagt Drobny. Helfer des BN kümmern sich seit Jahren zusammen mit anderen befreundeten Gruppen wie dem DAV Alpenkranzl Erding um die Pflege der wertvollen Flächen. Und zwar per Hand, da nur so die Artenvielfalt erhalten bleiben könne – von Tieren wie dem Neuntöter und dem Malven-Würfelfalter bis hin zu Pflanzen wie der Sumpf-Gladiole und dem Stängellosen Enzian. Mit der Pflege an der Gfällach, aber auch der Gebiete im Wörther Moos oder im Viehlaßmoos übernimmt der BN staatliche Pflichtaufgaben – „und das weit günstiger als Garten- und Landschaftsbauer“.

Zur Artenschutzarbeit zählt zudem der Schutz der Fledermäuse, dem sich die Kreisgruppe seit 2004 gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) annimmt. Um Kröten, Frösche, Molche und die bedrohten Gelbbauchunken vor dem Tod auf den Straßen zu bewahren, werden Jahr für Jahr Amphibienzäune aufgestellt.

Die Arbeit der Ortsgruppen

Amphibienschutz: Jahr für Jahr werden Zäune an den Straßen aufgestellt – hier in Langengeisling.

Um diese und weitere Aufgaben vor Ort kümmern sich die BN-Ortsgruppen. Als erste wurde 1982 die Gruppe Dorfen gegründet – als Reaktion auf die Planungen für die A 94 durchs Isental. Aus dem gleichen Grund folgten im Jahr darauf Buch-Forstern-Pastetten und Isen-Lengdorf. 1984 wurde die Ortsgruppe Erding gegründet, die sich unter anderem für Baumschutz am Kronthaler Weiher, Fußgängerzonen und Wanderwege einsetzt. Die Gruppe Wartenberg und Umland (1985) widmete sich vornehmlich der Biotoparbeit.

Herzstück der Arbeit des BN Taufkirchen-Holzland (1987) ist die Pflege einer der letzten Trollblumenwiesen im Landkreis. Die Ortsgruppe Wörth-Hörlkofen (1989) hat sich unter anderem dem klassischen Natur- und Artenschutz verschrieben. 1991 kam die Ortsgruppe Bockhorn hinzu, im Jahr darauf Ottenhofen. Jüngste Gruppe ist Oberding (2010) mit seiner Vision einer artenreichen, blühenden Insektenwiese.

Umweltbildung für Groß und Klein

Neben allen Aktionen und Projekten des BN spielt die Weiterbildung der Bürger in Sachen Naturschutz eine wichtige Rolle. „Mit unserer Umweltbildung möchten wir die Menschen für die Natur begeistern und ein Bewusstsein wecken für die Komplexität der Zusammenhänge“, erklärt Betzmeir. Exkursionen, Informationsabende und umweltpädagogische Projekte, von der Vogelstimmenwanderung im Stadtpark bis zur Radtour zur Besichtigung einer Bioimkerei: „Wir sind einer der größten Anbieter von Umweltbildung im Landkreis“, sagt Drobny.

„Um die Naturverbundenheit an die kommende Generation weiter zu geben, haben wir zunehmend einen Schwerpunkt auf die Kinder- und Jugendarbeit gelegt“, erklärt Betzmeir. Neben Aktionen in gemeindlichen Ferienprogrammen wurden immer wieder Gruppen für den Nachwuchs gegründet – Pastettener Waldfüchse, Wörther Hornissen, Oberdinger Frechdachse. Manche Gruppen wurden wieder aufgelöst, andere bestehen fort. Die Umweltpädagoginnen Monika Wenger und Sabine Lanzner sowie Brigitte Wenzel sind für sie zuständig.

Naturschutzgebiet Gfällach: Die Pflegearbeiten finden schon lange in Handarbeit statt.

Eine neue Gruppierung sind die Parkranger unter Lanzners Leitung. Bis zu zehn Kinder treffen sich seit April regelmäßig im grünen Klassenzimmer des Erdinger Stadtparks. Sie beobachten Pflanzen und wie sie sich im Jahresverlauf verändern. Dazu haben sie ein Naturtagebuch angelegt. Über den Winter läuft ein Verrottungsexperiment.

„Wir werden uns in den nächsten Monaten wohl auch an anderen Stellen treffen, etwa in Wörth, um Biberspuren zu suchen“, erzählt Lanzner. Zudem startet die Wörtherin Monika Wenger dieser Tage eine neue Gruppe in ihrer Gemeinde, und die Oberdinger sind weiter samstags rund um Reisen unterwegs. So sichern die Naturschützer ihren Nachwuchs – und letztlich auch das Fortbestehen ihrer Kreisgruppe.

Das 40-jährige Bestehen

feiert die Kreisgruppe Erding des Bund Naturschutz am Freitag, 28. Oktober, im Museum Erding. Ab 19.30 Uhr spricht Hubert Weiger, Vorsitzender von BUND und Bund Naturschutz in Bayern. Die Gruppe Mondfeuer musiziert. Einlass mit Gelegenheit, eine Ausstellung über die Arbeit der Kreisgruppe zu besichtigen, ist ab 18.30 Uhr. Die Schau ist bis zum 4. November zu den Öffnungszeiten des Museum zu sehen. Der Festabend ist öffentlich.

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