Es muss nicht immer Pappe sein: Blanka Drago und Adrian Lux vom Pano in Erding präsentieren den Mehrweg-Becher aus Keramik. Foto: Pfort

Coffee to go: Müllberge aus Pappbechern 

Kaffee, an dem sich die Natur verschluckt

Erding – Sie sind kompakt, in fast jedem Backshop erhältlich und für viele ein Muss am Morgen: Coffee-to-go im Becher. Ihr Nachteil: Der Müllberg wird immer größer. Dabei muss das nicht sein. Auch nicht in Erding.

Die Kaffeebecher aus Pappe sind in der Stadt überall zu sehen, und nicht immer nur in den Mülleimern. Das gefällt nicht einmal jenen, die am Coffee to go gut verdienen: „Es regt mich auf, wenn ich spazieren gehe und überall am Boden zerknüllte Pappbecher sehe“, verrät Thomas Grundner. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei überlegte sich deshalb eine Strategie, um immerhin die Vermüllung mit Bechern seines Unternehmens zu vermeiden.

50 000 dieser Becher gingen jedes Jahr über die Grundner-Tresen. So viele sind es längst nicht mehr, denn der Unternehmer hat Mehrweg-Thermobecher aus Metall eingeführt. Für nur fünf Euro inklusive erster Gratisfüllung kann jeder einzelne die Welt ein bisschen besser machen. Diese Alternative kommt gut an: „Es gibt einen unglaublichen Run darauf. In nur 14 Tagen haben wir über 150 Stück verkauft. Das hat mich selbst überrascht“, erzählt Grundner. Er ist von den Bechern so überzeugt, dass er sie unter dem Einstandspreis verkauft. „Das ist mein Sponsoring für eine sauberere Umwelt“, fügt er hinzu. Natürlich befüllen die Grunder-Filialen auch Thermobecher der Gäste.

Der Geschäftsführer weist aber auf ein Detail hin: „Hier empfiehlt es sich, ein bisschen mehr Zeit einzuplanen, denn wir müssen die Becher heiß ausspülen.“ Auf diese Hygiene könne nicht verzichtet werden.

Alexander von Hagmann, Geschäftsführer der Pano-Filialen, gibt zu: „Die Pappbecher-Mentalität hat stark zugenommen. Das ist leider keine gute und nachhaltige Sache.“ Bei Pano wird deswegen seit fünf Jahren ein Keramikhaferl angeboten. Allerdings: Die Nachfrage, so von Hagmann, halte sich in Grenzen. Was ihn beruhigt: Pano-Kunden kämen häufig, um auch das Ambiente zu genießen, in Erding direkt auf dem Schrannenplatz. Der Straßenverkauf macht nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus – etwa fünf Prozent.

Anders sieht das in der Müller-Brot-Filiale am Erdinger S-Bahnhof aus. „Die Kunden, die sich hier morgens ihren Kaffee holen, haben Zeitdruck, weil sie alle zu Bus oder Bahn wollen. Da muss es schnell gehen, der Coffee to go ist für die Kunden perfekt.“, erklärt Pächter Charly Stöckert. „Das ist natürlich nicht sonderlich toll mit den ganzen Pappbechern. Deswegen wäre es sinnvoll, wenn es in den nächsten Jahren mehr Mehrweg wird.“ Auch Stöckert füllt mitgebrachte Becher der Kundschaft auf. Ein Paar komme jeden Morgen mit eigenen Tassen zu ihm.

Eleni Lortou, Filialleiterin der Bäckerei Wünsche in Erding, fasst sich beim Thema Pappbecher kurz: „Selbstverständlich füllen wir Becher auf, ich komme jeden Tag selbst mit meinem Mehrwegbehältnis in die Arbeit. Das ist viel besser für die Umwelt. Es wäre schön, wenn das noch mehr Kunden so machen würden.“

Auch Quirin Brugger, Juniorchef von Martin‘s Backstube, hat ein Herz für den Umweltschutz. In seinen Filialen gingen zwar rund 50 000 Coffe-to-go-Becher pro Jahr raus, die bestünden freilich aus einem Zellstoff, der biologisch schnell abgebaut wird. „Thermobecher waren auch schon eine Überlegung, aber sie sind zu kostspielig“, erklärt Brugger.

Max Neumaier, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei und Konditorei in Erding, wird philosophisch: „Früher hatten die Menschen mehr Zeit, um in Ruhe zu frühstücken. Heute muss wegen der Arbeit alles ganz schnell gehen. Deshalb können wir auf Einweg nicht ganz verzichten. Allerdings planen meine Frau und ich für kommendes Jahr ein Projekt, bei dem Kunden, die ihre eigenen Mehrwegbecher befüllen lassen, ihr Getränk günstiger bekommen.“ Umweltschutz funktioniert nach wie vor am besten über den Geldbeutel.

Liesa Pfort

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