Vor Gericht 

Nebenbuhler mit Schlägertrupp gedroht

Landshut/Erding – Seine Eifersucht brachte einem Erdinger (29) eineinhalb Jahre Haft ein, weil er seine untreue Geliebte vermöbelt hatte. Jetzt kommen elf Monate dazu, denn er hat dem Liebhaber seiner Ex mit netten Leuten aus der Ukraine gedroht.

von Walter Schöttl

Beim Chatten hatten sich der Erdinger (29) und die Freisingerin (45) Anfang 2013 kennen gelernt und waren zusammengezogen. Allerdings nahm es der 29-Jährige mit der Treue nicht so genau, war aber rasend eifersüchtig, weil seine Freundin auch Beziehungen zu anderen Männern unterhielt. Immer wieder traktierte der Erdinger sie mit Fäusten und Füßen, im Dezember 2014 würgte er sie so stark, dass sie Todesängste ausstand.

Die Quittung bekam der 29-Jährige, der mehrfach wegen Körperverletzung vorverurteilt war, bei der 2. Strafkammer des Landgerichts Landshut, die ihn wegen Körperverletzung in fünf Fällen, Nötigung und Freiheitsberaubung zu einer Vollzugsstrafe von 18 Monaten verurteilte (wir berichteten). Allerdings wurde der Mann nach dem Prozess zunächst aus der Untersuchungshaft entlassen.

Kaum vier Wochen auf freiem Fuß, richtete er seine Aggressionen gegen den Hallbergmooser Nebenbuhler. Dem schickte er am 9. Oktober zahlreiche WhatsApp-Nachrichten mit Drohungen. So etwa: „Im Knast lernt man auch nette Leute kennen.“ Und: „Hast du gewusst, dass krankenhausreif schlagen nur 3000, Töten 5000 kostet? Ach ja, die Preise sind inkl. Anreise aus Ukraine.“ Am 12. Oktober passte er den Nebenbuhler vor der Wohnung seiner Ex-Geliebten in Freising ab, drohte, schubste und beleidigte ihn übel.

Wegen versuchter Nötigung und Beleidigung verurteilte das Amtsgericht Freising den Erdinger zu einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dagegen legte er ebenso wie die Staatsanwaltschaft, die ein höheres Strafmaß gefordert hatte, Berufung ein.

Bei der Prozess-Neuauflage in Landshut sah sich der 29-Jährige, der seit November in Strafhaft sitzt, in der Opferrolle: Seine Geliebte habe ihm per Brief Liebe und Treue geschworen. Als er auf freiem Fuß war, habe sie ihm völlig überraschend den Hallbergmooser als Freund präsentiert. Trotzdem sei es mit der Ex wieder zu Intimitäten gekommen, aber: „Jedesmal, wenn ich bei ihr in der Wohnung war, hat er die Polizei informiert, dass ich sie angeblich einsperre und bedrohe.“

Bei dem Vorfall am 12. Oktober sei wieder die Polizei vor der Tür gestanden, „als wir gerade im Bett waren“. Auf seine Aufforderung habe die Freundin den Hallbergmooser angerufen, um „klar Schiff“ zu machen. Da habe er ihn an der Schulter gepackt und ins Auto geschubst. Der Angeklagte räumte ein: „Was ich geschrieben habe, war nicht schön, aber ich war auf 180, weil er es doch nur darauf angelegt hatte, dass ich wieder in Haft gehe.“

Der psychiatrische Sachverständige berichtete von Hinweisen auf eine Borderline- und Persönlichkeitsstörung des Erdingers. Trotzdem habe er eine erfolgreiche Berufslaufbahn hingelegt. In der Beziehung zur Verkäuferin sei er in ein „totales Gefühlschaos“ geraten: „Er war wegen der ,Dreiecksbeziehung’ völlig verzweifelt.“ Eine verminderte Schuldfähigkeit sah der Experte nicht.

Die Berufungskammer verhängte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten. Strafmildernd, so Richterin Vera Bulowski, habe sich neben dem Geständnis und der Schuldeinsicht ausgewirkt, dass sich der 29-Jährige beim Absetzen der Nachrichten in einer emotional aufgewühlten Situation befunden habe. Straferschwerend seien die Vorstrafen und die schnelle Rückfallgeschwindigkeit.

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