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Hilfe per Telefon bietet am Herbst der Krisendienst Psychiatrie.

Krisendienst Psychiatrie des Bezirks Oberbayern

Neue Kummer-Nummer für Seelen in Not

Landkreis – Der Landkreis Erding wird im Herbst an den jungen psychiatrischen Krisendienst des Bezirks Oberbayern angeschlossen. Zentrales Element ist ein neues Notfall-Telefon für die Seele. Wie wichtig dieses Angebot ist, zeigt auch der Amoklauf am 22. Juli in München.

Wer einen Unfall hat, kann sich rund um die Uhr an die Rettungsleitstelle oder die Notaufnahme eines Krankenhauses wenden. Wer außerhalb der Sprechzeiten ärztlicher Hilfe bedarf, kommt in die Bereitschaftspraxis des Klinikums. Aber wer hilft, wenn plötzlich die Seele krank wird? Psychiatrische Notfälle bilden bislang einen weißen Fleck in der medizinischen Versorgung im Raum München. Damit ist bald Schluss.

Im Juni dieses Jahres nahm der Krisendienst Psychiatrie des Bezirks Oberbayern im Landkreis München die Arbeit auf. Im Herbst folgen die Landkreise Erding und Freising. Das teilt Bezirksrat Franz Hofstetter mit. Für den CSU-Politiker ist es ein Meilenstein.

Er erinnert an den Amoklauf am 22. Juli in München mit neun Toten und 35 Verletzten. „Heute wissen wir, dass der junge Täter psychisch krank und bereits in stationärer Behandlung war. Die Bilder kurz nach der Tat zeigen, dass sich Ali David S. in einer seelischen Ausnahmesituation befunden haben muss. Vielleicht hätte Hilfe von außen das Schlimmste verhindern können“, sagt Hofstetter.

Doch es geht nach seinen Worten nicht in erster Linie um derart drastische Fälle. Dass der Bedarf hoch ist, zeigt die mittelfristige Planung des Bezirks: Der Praxistest wird fünf Jahre dauern. Die Kosten liegen laut Hof-stetter im Endausbau – ein Angebot für ganz Oberbayern – bei jährlich 7,4 Millionen Euro, der Personalbedarf liegt bei bis zu 88 Stellen. Die neue Einrichtung wird von der Regierung von Oberbayern, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern und der Landesärztekammer überwacht.

„Der Aufbau des Krisendienstes ist für den Bezirk eine gewaltige Kraftanstrengung“, so der Bürgermeister von Taufkirchen, „er liegt uns aber seit Jahren sehr am Herzen“. Er appelliert an die Kassen und den Freistaat, sich an den Kosten zu beteiligen. Hofstetter rechnet mit vielen Anrufen oft schwer traumatisierter Flüchtlinge.

Der Krisendienst Psychiatrie ist mehrstufig aufgebaut. „Zuhören, Nachfragen, Ordnen“ ist die Telefonberatung überschrieben, die sich an Betroffene, aber auch an deren Bezugspersonen richtet. Experten wissen: Oft reicht es, wenn Fachleute einfach mal zuhören und dann Tipps geben. Zudem öffnen sie den Weg zu höherschwelligen Angeboten.

Über die Hotline können als zweiter Schritt ambulante Termine vereinbart werden, in der Regel mit einem wohnortnahen Sozialpsychiatrischen Dienst, im Kreis Erding ist das die Caritas. Drittens sind in gravierenden Fällen mobile Einsätze möglich. Dann kommen Experten zu den Patienten – und zwar in der Regel dann, wenn Angehörige keinen Rat mehr wissen, der Betroffene nicht mehr zugänglich ist oder eine akute Gefährdung besteht. Am Ende der Hilfe-Pyramide steht die stationäre Behandlung, vor allem dann, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt.

Der Krisendienst

Psychiatrie ist ab Herbst, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben, unter Tel. (01 80) 6 55 30 00 erreichbar. Der Anruf aus dem Festnetz kostet 20 Cent, der aus den Mobilfunknetzen maximal 60 Cent. Die beim Isar-Amper-Klinikum München angesiedelte Leitstelle ist täglich von 9 bis 24 Uhr erreichbar.

Von Hans Moritz

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