Die „New Orleans Joymakers“ (v. l.) Marion Dimbath, Mark Johnson, Sigi Schaller, Bernd Jäger, Hans Reidel und Roland Höffner (Bass) begeisterten das Publikum im Mayr Wirt. F.: vev

Nostalgisches Bluesfeeling bei bayerischer Gemütlichkeit

Nostalgisches Bluesfeeling bei bayerischer Gemütlichkeit

Erding – Mit munterem Dixie-Sound hinein in einen wechselhaften Novembertag: Beim gut besuchten Jazzfrühschoppen im Mayr Wirt spielte am Samstagvormittag die Band „New Orleans Joymakers“ und entführte in die Zeit des Jazz der 1920er Jahre. Das Sextett mit Bandleader Hans Reidel (Klarinette), Mark Johnson (Trompete/Gesang), Marion Dimbath (Posaune/Gesang), Sigi Schaller (Banjo), Roland Höffner (Bass) und Bernd Jäger (Schlagzeug) präsentierte sich gut aufeinander eingespielt, ließ traditionelle Bluesnummern und Jazzstandards hören, die durch die freien, musizierfreudigen Soli ein eigenes Gepräge bekamen. Nostalgisches Bluesfeeling paarte sich in der guten Stube mit bayerischer Gemütlichkeit.

Zum lässigen „Dallas Blues“ gab’s Weißwürste, Brezen und Weißbier. „You Always Hurt The One You Love“ wurde in einem anderen Stück prophezeit, wobei nicht gleich bitterernster Liebeskummer ausbrach. Ein bisserl wehmütig, ein bisserl kokett und beschwingt kam dieses Stück daher, ursprünglich ein langsamer Walzer, den die Band in eine Viervierteltakt-Nummer mit flottem Drive umarrangiert hatte.

Also wenn dieser fröhliche Schwung mit einer tänzerischen Klarinette, einer besänftigenden Posaune, einer vorwitzigen Trompete, einem munteren Banjo, Schlagzeug und Bass als treue Begleiter nicht nach Happy End klang. „Memories“ war auch so ein verkappter Walzer im Vierviertel-Rhythmus mit klagenden Posaunentönen, die von Herzeleid erzählten. Schön swingend tanzte Fats Wallers „Ain’t Misbehavin’“ in den Raum. „Bluebells Goodbye“ wurde zu einem fröhlichen Farewell, das die begeisterten Zuhörer noch lange nicht gehen ließ. Ganz im Gegenteil. Sie blieben, klatschten und honorierten das engagierte Spiel mit Jubelrufen.

Bandleader Reidel wollte das Publikum angesichts des trüben Wetters „mit einem warmen Herz“ nach Hause schicken und sagte das letzte Stück an: „The World Is Waiting For The Sunrise“. Ein mitreißendes Banjo-Intro folgte und schon ging die Sonne auf. Nach einigen Zugaberufen folgte diese prompt, samt Ratschlag, den Songtitel in die Tat umzusetzen: „I’m Gonna Sit Right Down And Write Myself A Letter“. In jedem Fall ließen die „New Orleans Joymakers“ nostalgische Musikgeschichten lebendig werden, die wie alte Liebesbriefe aus dem Schatzkästchen geholt wurden und ihre Magie entfalteten.

Zur selben Zeit jazzten die Heye’s Society in der Airbräu-Tenne am Flughafen und ließen ebenfalls die Titel aus jener zeit wieder aufleben.

Vroni Vogel

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