Er begeistert seine Zuhörer: Pfarrer Rainer Maria Schießler rezitierte auf Einladung der Stadtbücherei und des Katholischen Bildungswerks aus seinem Buch mit dem Titel „Himmel, Hergott, Sakrament“. 500 Zuhörer wollte ihn erleben.beet

Lesung Rainer Maria Schießler

Der Pfarrer, der sich traut

Erding – Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München las aus seinem Buch „Himmel, Hergott, Sakrament“. Es kamen 500 Interessierte in die Turnhalle der Mädchenrealschule Heilig Blut.

Weil die Stadtbücherei als Mitveranstalter der Lesung von Pfarrer Rainer Maria Schießler zu klein gewesen wäre, um die zu erwartende Zuhörermenge zu fassen, wurde der bekannte Geistliche für seine Lesung in die Turnhalle der Mädchenrealschule Heilig Blut geladen. Aber auch dort wurde der Platz knapp: Gut 500 Interessierte lauschten seinen unterhaltsamen Worten.

„Himmel. Herrgott. Sakrament. Dieser provokante Titel meines Buches soll kein Fluch sein. Wer meint, zwischen meinen Zeilen Parallelen zu dieser Überschrift zu finden, sollte mindestens eine Ausbildung zum höheren Lehramt haben“, so Pfarrer Schießler gleich zu Beginn. Ohne zu zögern habe er diesem Titel-Vorschlag zugestimmt, als der Verlag ihn dazu befragte: „Traust di?“

Ja, er ist einer, der sich traut – und wie. Zwar sei es für ihn ein Segen, Bayer zu sein, „denn im Bayerischen lassen sich manche Dinge einfacher sagen“. Doch auch hier redet er Klartext, zeigt ungewohnte Richtungen auf, wie er seinen Glauben sieht. „Katholisch zu sein ist ein Auftrag, jede Not geht uns etwas an. Es gibt gute Menschen, die keine Christen sind, andersherum ist es zwingend.“ Es dürfe auch nicht Konfession heißen, sondern Begabung. Und es gelte für jeden im Leben, sich von zwei grundlegenden Irrtümern zu lösen: „Ich bin der Bessere“ und „Ich habe alles im Griff“. Den viel zitierten Himmel gebe es nur, „wenn wir ihn auch wollen“, und „der Herrgott ist nicht schuld am Leid der Welt, das sind schon wir – mit unserer Gier nach Geld und Geltung“.

Manchmal, wenn er mit jungen Menschen, auch Mädchen, im Sommer ein Zeltlager veranstalte, sei er froh, dass er zölibatär lebe: „Das ist aber etwas Ausgeflipptes, dazu muss man Bock haben.“ Der 56-Jährige jedenfalls wohnt mit einem evangelischen Amtsbruder zusammen, „mitten im Münchner Schwulen-Viertel in meiner Gemeinde Sankt Maximilian, in trauter ökumenischer Koexistenz“.

Auf die Frage, in welchem Moment er seine Berufung zum Priester erkannt habe, erzählt er eine Geschichte aus seiner Zeit als Ministrant. „Es war bei einer Messe, fast am Ende. Plötzlich wurde mir schlecht, vielleicht vom vielen Weihrauch. Jedenfalls musste ich mich in der Kirche übergeben, vor allen Leuten. Als ich zuhause war, rief unser Pfarrer an und fragte nach meinem Zustand. Da kam aber keinerlei Kritik, sondern nur die lapidare Feststellung: Er hat wirklich alles gegeben“. Seit dieser Erfahrung, so Schießler, seit dieser „unglaublichen Form von Barmherzigkeit“, habe er seinen heutigen Beruf ergriffen.

Ergriffen waren, nach immerhin gut zwei Stunden, auch die Zuhörer. Von ihnen gab’s viel Beifall sowie von Nikolaus Hintermaier ( Bildungswerk) und Ingrid Müller-Heß (Stadtbücherei) kleine Erinnerungsgeschenke an seinen Erding-Auftritt.

Friedbert Holz

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