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Erstaunte Blicke im Sex-Shop (v. l.): Lena (Anna-Lisa Burgmair), Waltraud (Angelika Ferstl) und Maria (Manuela Schieder) lassen sich vom Pornoverkäufer (Wolfgang Mai) beraten.

Premiere: „Eine ganz heiße Nummer“ der Volksspielgruppe Altenerding

Pikantes Sexgeflüster ohne jede Scheu

Erding - Eine gelungene Premiere feierte die Volksspielgruppe Altenerding am Donnerstagabend in der ausverkauften Stadthalle. Das Publikum erlebte eine kurzweilige und professionelle Aufführung der Komödie „Eine ganz heiße Nummer“.

Ein frivoles Lustspiel mit Liebesgeflüster an der Erotik-Hotline hatte sich die Volksspielgruppe Altenerding mit „Eine ganz heiße Nummer“ nach dem Buch von Andrea Sixt für dieses Jahr vorgenommen. Nach drei Jahren hätten sie endlich die Aufführungsrechte dafür erhalten, sagte Erich Peinelt, Leiter der Volksspielgruppe, zu Beginn der Premiere am Donnerstagabend in der ausverkauften Stadthalle. Für diesen lang gehegten Wunsch gaben die Laien-Schauspieler dann auch alles auf der Bühne.

"Eine ganz heiße Nummer": Fotos von der Premiere

Die Geschichte, die vielen aus dem gleichnamigen Kinofilm mit Monika Gruber als Bürgermeister-Gattin bekannt sein dürfte, handelt von drei Damen, die sich aus finanzieller Not heraus eine alternative Einkommensquelle erschließen: eine Sex-Hotline. Das Ganze passiert in Erding, einer bayerischen Stadt, in der Pfarrer Gandl und Oberbürgermeister Max beziehungsweise dessen Frau Gerti noch das Sagen haben.

Freilich erregt die geheime Sex-Hotline die Gemüter des Frauenbunds, allen voran der Bürgermeistergattin, sowie der spießigen und doppelmoralischen Nachbarschaft, in der alle ihre eigenen Süppchen kochen. Manuela Schieder spielt die sympathische Ladenbesitzerin Maria Brandner und führt gleichzeitig mit Renate Eßbaumer, die wiederum sehr überzeugend die hochnäsige Frau des Bürgermeisters gibt, Regie. Eine tolle Leistung, die die beiden Damen auf die Bühne bringen – Schieder sogar in einer der Hauptrollen.

Sehr authentisch und scheinbar ohne Lampenfieber wirbelt sie als Maria in ihrem Tante-Emma-Laden umher, der liebevoll und detailgetreu von der Requisite (Leitung: Carmen Henning) ausgestattet worden ist. Sie plagt die Sorge ums Fortbestehen ihres Geschäfts: „Alle fahren’s nach Erding West zum Aldi, keiner kauft mehr in der Stadt ein.“ Ihre Mitarbeiterinnen, Lena (Anna-Lisa Burgmair) und Waltraud (Angelika Ferstl), sind beide ebenfalls herausragend in ihren Rollen. Waltraud ist die Abgeklärte und Pragmatische, Lena der junge, emotionale Gegenpart, Maria die Vermittlerin.

Aufgrund der verschiedenen Charaktere der Damen und der Thematik des Stücks ergeben sich ulkige Dialoge, die die fast dreistündige Vorstellung (mit Pause) sehr kurzweilig werden lassen. Am meisten wird freilich bei den Sex-Anrufen gelacht. Es ist eine Leistung der Laienspieler, pikante Szenen wie das Gestöhne am Telefon und die Antworten der Anrufer (Peter Brüderl, Wolfgang Wimmer, Heiko Schlenk und Christian Söldenwanger) zu meistern. Scheinbar ohne Scheu gelingt den Mimen diese Herausforderung bravourös.

Lobend ist an dieser Stelle auch Opa Brandner, Marias lüsterner Vater, zu erwähnen. Emanuel Schwankl erheitert bei seinen drei kleinen Auftritten das Publikum vor allem durch seine Aufmachung in versabberter Baumwoll-Unterwäsche und mit struppigem Haar (Kostüm: Denise Meiler, Angelika Ferstl und Ingrid Grüner) sowie durch seine Mimik und seinen gebückten Gang am Rollator.

Um sich für das neue Geschäft zu rüsten, machen die drei Damen einen Ausflug nach München – in einen Sex-Shop. An dieser Stelle verdient die Requisite wieder großes Lob. Das Bühnenbild ist detailverliebt und authentisch ausgestattet mit Lack, Leder, Sexspielzeug, Negligés und allem, was dazugehört. Und mittendrin Wolfgang Mai als Pornoverkäufer in schwarzer Lederhose und durchsichtigem Netzhemd.

Mit seinem sächsischen Akzent berät der die drei Damen und erntet viele Lacher aus dem Publikum – nicht zuletzt aufgrund der Gerätschaften, die er den Ladys anbietet. Wieder zuhause in Erding, starten die Drei nach anfänglichem Widerwillen, aber aufgrund fehlender Alternative, ihr Liebesgeflüster – und das ziemlich erfolgreich. Jede hat im Nu ihre Stammkunden. Selbst Pfarrer Gandl (Michael Heindl) lässt sich heimlich am Telefon von Waltraud mit französischem Akzent heiß machen, und der schonungslose Banker Stefan Sonnleitner (Peter Brüderl) verliebt sich an der Strippe in Maria, der er zuvor einen dicken Kredit aufgebrummt hat.

Am Ende siegen das Selbstbewusstsein der Frauen und die Liebe. Das Nachsehen hat die ehrgeizige und gierige Bürgermeistergattin, die sich in der Schlussszene in aufreizenden Strapsen selbst als Sexkönigin am Telefon versucht.

Weitere Mitwirkende

In weiteren Rollen: Max Ganser als Waltrauds Mann Heinz, Christine Gerschlager, Maria Heilmeier, Leonore Wimmer, Angelika Huber und Oliver Scheufler im Frauenbund, Chor und als Bürger sowie Alex Huber als Willi.

Bühnenbau: Werner Frankenbach, Wolfgang Wimmer, Emanuel Schwankl mit den Helfern Hans Ferstl, Carmen Löpelt, Jörg Schnell, Gerhard Wolf und Gerhard Zech.

Licht und Ton: Franz Dichtl, Martin von der Wehd, Erich Peinelt.

Maske: Jutta Emberger, Kathrin Pröger, Roswitha Neugebauer, Brigitte Hertel, Lena Fill, Katrin Herold, Marianne Lachenmeyer.

Souffleuse: Anneliese Hackl.

Wenige Restkarten

für weitere Vorstellungen an diesem Samstag sowie am Freitag und Samstag, 30. September und 1. Oktober, gibt es bei der Stadthalle unter Tel. (0 81 22) 99 07 12 oder per E-Mail an ticket@stadthalle-erding.de.

Alexandra Anderka

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