Vor Gericht

Mit Scheinrechnungen 500 000 Euro hinterzogen

Erding - Wegen Betrugs hatte sich ein 48-jähriger Erdinger eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren eingehandelt. Die Knastzeit nutzte er, um eine Karriere als „Immobilienhai“ zu starten. Vor dem Landgericht Landshut ist sein Prozess nun gestartet. Sieben Verhandlungstage sind geplant.

Die Anklage vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landshuter Landgerichts wirft dem 48-jährigen Erdinger vor, er habe den Fiskus mit Scheinrechnungen um über 500 000 Euro betrogen. Aufgrund eines internationalen Haftbefehls wurde der Mann im September vergangenen Jahres festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte, der sich zwischendurch nach Südafrika abgesetzt hatte, seit 2008 als Einzelunternehmer einen gewerblichen Grundstückshandel betrieben und war steuerlich beim Finanzamt Erding erfasst.

„So baut doch keiner, der bei Sinnen ist“

In den Jahren 2010 bis 2012 habe er bei seinen Einkommen- und Gewerbesteuererklärungen falsche oder unvollständige Angaben gemacht und dadurch Steuern verkürzt.

Dazu habe er Rechnungen von Berliner Baugesellschaften in Höhe von gut einer Million Euro gewinnmindernd als Betriebsausgaben verbucht, wobei es sich jeweils um Scheinrechnungen gehandelt habe, denen keinerlei Bauleistungen zugrunde gelegen hätten.

Die Rechnungen seien von einem Gehilfen erstellt worden, der dafür jeweils eine Provision von zehn Prozent erhalten habe. Insgesamt seien auf diese Weise 552 000 Euro hinterzogen worden, davon 417 000 Euro Einkommensteuer und 22 600 Euro Solidaritätszuschlag sowie 112 500 Euro Gewerbesteuer zu Lasten der Stadt Erding.

Zum Prozessauftakt kündigte Verteidigerin Silke Beinroth an, ihr Mandant wolle „reinen Tisch machen“. Was dann in einer umfassenden Erklärung aber folgte, war eher eine Rechtfertigung als ein Geständnis. Dass es einige Scheinrechnungen gegeben habe, räumte der Angeklagt zwar ein. Diese hätten aber nur dazu gedient, für die einzelnen Projekte unter anderem in Garching, Kirchheim oder Landshut die notwendigen Gelder bei der Bank darzulegen.

2010, so bestätigte der Angeklagte, habe er wegen Betrugs eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren erhalten, davon aber lediglich rund 17 Monate abgesessen. 18 Monate seien ihm damals wegen der überlangen Verfahrensdauer als verbüßt gutgeschrieben worden. Bereits aus der Haft habe er dann die ersten Immobilien erstanden, bei den Millionenprojekten dann aber teilweise mit den Baufirmen Pech gehabt und zur Fertigstellung einzelner Objekte improvisieren müssen. Dabei habe er immer wieder Rechnungen auf den Baustellen bar bezahlt. Die Quittungen habe er dann an die Banken weitergereicht und sich die Gelder über die Firma seines Vermittlers zurückgeholt, um flüssig zu bleiben.

In einem Teil der Rechnungen, so räumte der 48-Jährige ein, seien Leistungen enthalten gewesen, die nicht erbracht worden seien – „dafür aber andere, die bezahlt worden sind“. Je mehr er versuchte, seine Seriosität unter Beweis zu stellen, umso sarkastischer wurden die Kommentar von Vorsitzendem Richter Alfons Gmelch.

„Dilettantismus auf der ganzen Linie“

Die angeblich gezahlte Provision an den Vermittler in Höhe von zehn Prozent sei „wie Weihnachten“. Und die angeblich bar bezahlten Rechnungen „kann man in der Pfeife rauchen“, so Gmelch.

Niemand werde zugeben, dass er beispielsweise 400 000 Euro schwarz erhalten habe. Außerdem hielt er dem Angeklagten vor, zwar Millionenprojekte gestemmt zu haben, das aber ohne das kleine Einmaleins zu beherrschen: Er könne nicht einmal zwischen Leistungsverzeichnis, Abschlagszahlungen und Schlussrechnung unterscheiden. „Das war Dilettantismus auf der ganzen Linie. So baut doch niemand, der bei Sinnen ist. Wie sollen wir das auf die Reihe kriegen?“

Man könne angesichts von Abdeckrechnungen durchaus auf die Idee kommen, dass im Hintergrund ein „Umsatzsteuerkarussell“ gelaufen sei. Außerdem, so Gmelch, komme noch ein Betrugsvorwurf gegenüber den Banken in Betracht. Letztlich stelle sich die Frage, ob der 48-Jährige tatsächlich so naiv sei oder ob er die Prozessbeteiligten für dumm verkaufen wolle.

Der Prozess wird am 19. September fortgesetzt. Es sind noch sechs Verhandlungstage mit einigen Zeugenvernehmungen geplant.

Walter Schöttl

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Hirschkuss Vogelgezwitscher</center>

Hirschkuss Vogelgezwitscher

Hirschkuss Vogelgezwitscher
<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Meistgelesene Artikel

Musik, die in die Herzen geht

Erding - Großartiger Erfolg: Beim neunten Benefizkonzert für das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ kamen am Freitagabend 1900 Euro zusammen. 
Musik, die in die Herzen geht

Rauschgiftring zerschlagen

Erding - Sechs Festnahmen, fünf Wohnungsdurchsuchungen und jede Menge sichergestelltes Rauschgift – der Kripo Erding ist diese Woche ein Schlag gegen die …
Rauschgiftring zerschlagen

Ein Psychomärchen als Debüt

Erding – „Das Junge Theater“ will die Erdinger Szene aufmischen. Die Köpfe der neuen Jugendabteilung der Volksspielgruppe Altenerding sind keine Unbekannten. Jetzt hat …
Ein Psychomärchen als Debüt

Nina Funks freiwilliges sportliches Jahr

Moosinning – In ihrem FSJ in der Grundschule und beim FC Moosinning lebt Nina Funk ihre Leidenschaft: Sport und viel Kontakt zu Menschen.
Nina Funks freiwilliges sportliches Jahr

Kommentare