Hochwasserschutz 

Sempt-Allianz statt Monster-Damm

Erding – Sein Vorschlag klingt bestechend: Weder ein hoher Damm mit riesigen Becken noch Mauern im Ort sollen Erding vor Hochwasser schützen, sondern viele kleinere naturnahe Maßnahmen. Das schlägt Helmut Trinkberger vor.

Wenn um zwei Varianten gestritten wird, hat die dritte gute Möglichkeiten, realisiert zu werden. Eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Hochwasser-Infoversammlung in Altenerding wartet Helmut Trinkberger mit einer Alternative auf, die die streitenden Parteien versöhnen und die Natur schonen könnte.

Um die Stadt Erding künftig vor Fluten wie zuletzt 2013 zu schützen, schlägt das Wasserwirtschaftsamt München ein riesiges Regenrückhaltebecken mit einer bis zu 3,5 Meter hohen Staumauer bei Niederwörth vor. Die Variante mit Mauern entlang der Sempt durch Altenerding und Langengeisling ist eigentlich schon wieder vom Tisch.

Gegen die Damm-Lösung regt sich Widerstand in Wörth. Die hohen Spundwände im Boden, so eine Sorge, könnten den schon jetzt hohen Grundwasserstand auf Wörther Flur weiter anheben. Die Folge: Etlichen Häusern droht bei Dauerregen Wassereinbruch von unten. Das Verhältnis zwischen beiden Orten gilt als angespannt, eine Bürgerinitiative hat sich bereits formiert.

Helmut Trinkberger ist vom Landratsamt bestellter Naturschutzbeirat. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihm beide Lösungen nicht gefallen. Mauern würden die Gefahr auf unverantwortliche Weise flussabwärts verlagern. Der Damm sei ein Monstrum, das eine wunderbare Kulturlandschaft verschandele. Deswegen hat der frühere Stadtrat gegen die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes Widerspruch eingelegt.

Doch der passionierte Fischer will konstruktiv sein – und wartet mit einer Alternative auf. „Mir schwebt eine Sempt-Allianz mit allen Gemeinden entlang des Flusses und dem Wasserwirtschaftsamt vor“, berichtet er. Seine Logik: Auch kleine Schritte führen zu einem großen Ziel. „Ich halte es für sinnvoller, wenn alle Gemeinden ihre kleinen Bäche und Gräben nicht nur pflegen und räumen, sondern wenn sie sie renaturieren, kleine Auenlandschaften sowie lokale Flutmulden schaffen.“ Er argumentiert mit der Geschichte: „Wer sich alte Karten anschaut, stellt fest, dass die Fließgewässer früher viel mehr Platz hatten und Wasser schadlos auch in die angrenzende Natur abfließen konnte.“ Heute sehe man viele Bäche in Korsetts gezwängt. „Das Fassungsvermögen ist viel geringer“, so Trinkberger.

Die kleinteilige Lösung mit Renaturierung schlägt er nach dem Vorbild „des weltweit gelobten Umbaus der Isar“ auch für Sempt und Fehlbach vor. „Ich glaube, der Effekt ist am größten, wenn möglichst alle mitmachen und jeder Verantwortung für die Unterlieger übernimmt.“ Die Größe der Sempt-Allianz sollte das Wasserwirtschaftsamt bestimmen. Zugleich bittet Trinkberger alle Grundbesitzer, sich nicht zu verweigern.

Dann können, so die Hoffnung des Naturschützers, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: „der Erhalt einer einmalig schönen Landschaft sowie ein leistungsfähiger, aber wenig sichtbarer Hochwasserschutz“. Seine Idee will er bei der Veranstaltung der Stadt und des Wasserwirtschaftsamtes am Mittwoch, 5. Oktober, um 19 Uhr im Gasthof Adlberger vorstellen.

Hans Moritz

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