Vor Gericht

Tochter für Sex-Fantasien betäubt: Mutter und Liebhaber gestehen

Südlicher Landkreis – Unter Ausschluss der Öffentlichkeit lieferten ein IT-Berater (46) aus dem südlichen Landkreis und eine Angestellte (43) aus dem Kreis Ebersberg ihre Geständnisse ab.

Wie berichtet, wird der Frau vor der als Jugendschutzkammer tagenden Jugendkammer des Landshuter Landgerichts vorgeworfen, ihre damals sechsjährige Tochter mindestens sieben Mal betäubt zu haben, um sie ihrem Geliebten für schweren sexuellen Missbrauch „zur Verfügung zu stellen“.

Das Paar hatte sich 2005 übers Internet kennengelernt und schon nach wenigen Treffen soll der verheiratete IT-Berater, dreifacher Vater, seine sexuellen Fantasien geschildert haben. Die Angestellte, so die Anklage, habe sich diesen Fantasien gegenüber aufgeschlossen gezeigt und ihm 2006/2007 ihre Tochter in insgesamt sieben Fällen zur Verfügung gestellt. Vorher habe sie ihr Schlaf- oder Betäubungsmittel verabreicht, sodass das Kind vom Missbrauch, von dem auch noch Videos gefertigt worden sein sollen, nichts mitbekommen habe. Die 43-Jährige sei jeweils anwesend gewesen und habe ihren Geliebten auch noch unterstützt.

Aufgeflogen war das Paar im Rahmen von Ermittlungen gegen den IT-Berater, nachdem der bereits 2004 eine damals 13-jährige Landshuterin missbraucht hatte und dafür zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden war. Die verbüßt er derzeit noch. Bei den Nachermittlungen mit Computer-Auswertung stieß man auf einen umfangreichen Chat-Verkehr zwischen dem IT-Berater und seiner Geliebten mit Details zum Missbrauch deren Tochter.

Das Paar hatte bei seinen Vernehmungen die Vorwürfe zunächst bestritten und damit argumentiert, dass man bei den Chats lediglich Fantasien „ausgelebt“ habe, zu einem Missbrauch sei es nie gekommen. Zum Prozessauftakt vor gut drei Monaten (wir berichteten) hatten die Angeklagten nach Rechtsgesprächen ihrer Verteidiger mit der Staatsanwaltschaft ihre Aussagen korrigiert. Es wurden umfassende Geständnisse angekündigt und dem Paar moderate Strafen in Aussicht gestellt – der Mutter etwa für die Beihilfe unter anderem zum schweren sexuellen Missbrauch eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Diese milde Ahndung resultiere daraus, dass man ohne das Geständnis der 43-Jährigen auf Indizien angewiesen und damit eine Verurteilung des IT-Beraters möglicherweise fraglich wäre.

Dem 46-Jährigen wurde im Falle eines Geständnisses eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb bis siebeneinhalb Jahre in Aussicht gestellt, wobei die drei Jahre, die er aus der früheren Verurteilung verbüße, einbezogen würden.

Während der mehrwöchigen Verhandlungspause hatte Verteidiger Dr. Michael Pösl versucht, das angepeilte Strafmaß für den Mann noch auf höchstens sechseinhalb Jahre zu drücken und im Gegenzug eine namhafte Schmerzensgeldzahlung für das Missbrauchsopfer in Aussicht gestellt. Mit diesem Vorschlag scheiterte er jedoch am Widerstand der Staatsanwaltschaft.

Im weiteren Prozessverlauf wurde auf Antrag der Verteidiger bei den Einlassungen der Angeklagten die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Anwälte hatten damit argumentiert, dass die Familien insbesondere durch eine Berichterstattung „öffentlich stigmatisiert“ würden. Die Kammer entsprach den Anträgen und verwies auch auf den Schutz des noch minderjährigen Opfers: „Die psychische Belastung soll nicht weiter vertieft werden.“

Die Geständnisse der Angeklagten waren offensichtlich umfassend. Laut Vorsitzendem Richter sollen am morgigen Mittwoch bereits die Plädoyers (nichtöffentlich) gehalten und dann das Urteil öffentlich verkündet werden.

Walter Schöttl

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