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Ein ganzes Ensemble als ein Denkmal: Die Erdinger Altstadt, grün eingerahmt von Sempt und Fehlbach, muss als Ganzes geschützt werden – mit Folgen fürs Baurecht. Dennoch wird nicht jedes Haus als schützenswert erachtet. 

Denkmalschutz in der Stadt Erding 

Wurzeln aus Stein und Beton

Erding – Noch nie waren die Bau- und Bodendenkmäler in der Stadt Erding so vollständig erfasst und beschrieben. Das Landesamt für Denkmalpflege lobt nicht nur die Zusammenarbeit mit der Stadt, sondern auch das ungewöhnlich intensive Engagement Ehrenamtlicher.

Ein Jahr nach den Olympischen Spielen von München trat in Bayern ein Gesetz in Kraft, das die Erfassung sämtlicher Denkmäler in einer Liste festschrieb. Was 1973 begann, wurde 1985 mit der vom Landesamt für Denkmalpflege herausgegebenen Reihe „Denkmäler in Bayern“ erstmals abgeschlossen. Die Folianten sind nach Regierungsbezirken gegliedert.

Doch nur 15 Jahre später gelangten Experten zu dem ernüchternden Schluss, dass sich die Denkmallandschaft schon wieder so stark verändert habe, dass alle Daten überholungsbedürftig seien. 2004 begann die Revision. Zehn Jahre später war die neue Liste fertig – unter anderem mit detailgenaueren Beschreibungen und Fotos.

Die aktuellen Ergebnisse für die Stadt Erding stellten jetzt Nina Dürr und Dr. Christian Later vom Landeamt für Denkmalpflege im Stadtrat vor. In der Erdinger Liste sind ihren Angaben zufolge 81 Einzelbau- und 137 Bodendenkmäler verzeichnet. Die Altstadt selbst gilt als „schützenswertes Ensemble“.

Dass auch bei alten Gemäuern einiges in Bewegung ist, belegte Dürr anhand von acht Objekten, die neu aufgenommen worden seien, sowie neun Anwesen, die als nicht mehr schützenswert gelten. Dazu zählt etwa das Haus an der Ecke Haager Straße/Spiegelgasse (NKD-Filiale). Dürr erklärte, durch diverse Baumaßnahmen habe das Objekt seinen Denkmalcharakter eingebüßt. Es komme auch vor, so die Expertin weiter, dass eine Kommune den Abriss eines denkmalgeschützten Anwesens erlaube.

Bodendenkmäler werden laut Later erst seit 1987 erfasst. Er sagte, dass dies keine leichte Aufgabe gewesen sei. „Wir haben unzählige Dokumente, Luftbilder und Meldungen aus der Bevölkerung ausgewertet.“ Die Stadt Erding nehme dabei eine besondere Rolle ein. „Während wir im Moos und im Hügelland des östlichen Landkreises so gut wie nicht fündig geworden sind, gibt es im Bereich der Stadt sehr viele Zeugnisse der Geschichte, die teils tausende Jahre zurückreichen.“

Later und Dürr lobten den hohen Stellenwert, den der Denkmalschutz in der Großen Kreisstadt einnehme. Das sei keine Selbstverständlichkeit. Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass man Bauherren für die Meldung von Bodenfunden in den vergangenen Jahren stark sensibilisiert habe. „Gerade eine so dynamische Stadt wie Erding muss sich ihrer Wurzeln bewusst sein“, befand der OB.

Anerkennung fand auch das „große ehrenamtliche Engagement der Ehrenamtlichen“, so Later. Dieses ist bekanntlich im Archäologischen Verein Erding (AVE) unter der Leitung von Museumsleiter Harald Krause versammelt. Nicht zuletzt verfügt Erding seit kurzem über einen eigenen – wiederum ehrenamtlichen – Stadtheimatpfleger Archäologie. Dieses Amt bekleidet Wilhelm Wagner, vormals Leiter des Stadtplanungsamtes. Die Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege kamen jedenfalls zu dem Schluss: „Erding ist ein sehr nachahmenswertes Beispiel.“

Hans Moritz

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