Großbrand im Urlaub

Erdinger Familie entkommt Flammenhölle am Campingplatz

Erding – Dieser Italienurlaub wird für Familie Haller aus Erding unvergessen bleiben: Sie waren auf dem Campingplatz in Caorle untergebracht, auf dem Anfang Juli ein Großbrand ausbrach. Das Feuer haben sie unbeschadet überstanden – und unter den Urlaubern enormen Zusammenhalt erlebt.

Das Ferienzentrum Pra’ delle Torri in Caorle ist eine der schönsten und größten Campinganlagen in Norditalien – mit Hotel, Zeltplätzen, Golfplatz, Sportanlagen und einem großen Bereich für Mobilheime. Familie Haller aus Erding macht dort zum zweiten Mal Urlaub. Gefreut haben sich Stefan und Sabine Haller sowie ihr dreijähriger Sohn Aidan auf zehn unbeschwerte Urlaubstage. Doch es wurde alles andere als ein unbeschwerter Urlaub.

Montag in aller Früh weckt die Familie ein lauter Knall, kurz darauf ist ein Martinshorn zu hören. „Ich dachte, das ist die Ambulanz“, erzählt Stefan Haller (45). Dann hört er eine zweite Explosion und kurz darauf eine dritte. „Ich war sofort hellwach, wir sind alle raus“, erzählt seine 43-jährige Frau. „Ein Engländer hat uns dann gesagt, dass ein Feuer ausgebrochen ist und ein paar Gasflaschen explodiert sind.“ Kurz darauf taucht die Carabinieri auf und fordert die Urlauber auf, ihre Papiere mitzunehmen und die Anlage zu räumen. „Durchsagen gab es keine, aber vielleicht war das auch so gewollt, damit keine Panik ausbricht“, sagen die Hallers. Doch sie ärgern sich darüber, wie unvernünftig sich einige Urlauber verhalten haben. „Die sind sogar noch in Richtung Feuer gegangen, um zu fotografieren und zu filmen.“

Immer mehr Feuerwehrfahrzeuge und Rettungshubschrauber treffen am Campingplatz ein. Die Hallers beobachten Elektrofahrzeuge mit Gasflaschen, die offenbar von den Einsatzkräften aus teils brennenden Bungalows geholt werden. Die Hallers stehen in ihren Schlafanzügen auf dem Sportplatz außerhalb des Areals – zusammen mit rund tausend anderen Urlaubern. Plötzlich ist eine weitere Explosion zu hören. „Wir haben aber kein Feuer gesehen“, berichtet der Erdinger. Sieben Stunden muss die Familie in Ungewissheit ausharren. Vor allem für den kleinen Aidan ist die Situation schlimm. „Erst hat er natürlich geweint, weil wir ihn aus dem Schlaf gerissen hatten. Dann war ihm langweilig, weil wir ja nichts tun konnten und nichts dabei hatten“, erzählt Sabine Haller und ihr Mann ergänzt: „Nur die Feuerwehren, die ab und zu vorbeigefahren sind, haben ihn abgelenkt.“

Irgendwann kommt schließlich die erlösende Nachricht: Der Brand ist relativ harmlos ausgegangen. Einige Menschen haben eine leichte Rauchvergiftung erlitten, schwer Verletzte oder sogar Tote gibt es nicht. Auch die Unterkunft der Hallers ist vor den Flammen verschont geblieben. In den abgebrannten Unterkünften haben vorwiegend Angestellte der Campinganlage gewohnt. Die meisten von ihnen waren bereits im Dienst, als das Feuer ausbrach. 40 Bungalows sind durch den Brand zerstört worden. Das Feuer war bei einer Kochstelle durch eine Kerze ausgebrochen und hatte sich wegen des starken Windes schnell ausgebreitet.

Die Hallers konnten nach dem Schrecken ihren Urlaub wie geplant genießen. Der Brand habe die Urlauber sehr zusammengeschweißt, sagen sie. „Es war super, wie sich alle gegenseitig unterstützt haben.“ Es wird nicht ihr letzter Urlaub in Pra’ del Torri gewesen sein, kündigen sie an.

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