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Der Sandkasten ist fertig und alle Kinder tummeln sich darin. Zur Einweihung wird Michael gleich mal eingegraben.

Porträt: Michael Huber

In Kenia das einfache Leben entdeckt

Finsing – Eigentlich wollte Michael Huber (23) aus Finsing nur ein paar Wochen in Kenia bleiben – doch dann wurden vier Monate draus. Die Arbeit in einem Kinderheim wurde für ihn zum Abenteuer seines Lebens.

Sein Vater bezeichnete ihn immer als den „Parade-Bayern“. Und eigentlich wollte Michael Huber aus Finsing auch nie aus Bayern raus. „Hier ist es so schön, da muss man nicht weg“, war immer seine Meinung. Doch dann verschlug es ihn nach Kenia, für vier Monate. Nun ist er zurück – und er hat sich ganz schön verändert, sowohl von seiner Lebenseinstellung als auch vom Aussehen her. Denn zurück kam er mit einigen Tattoos und Dreadlocks. Während sich die Frisur inzwischen wieder geändert hat, bleiben die Bilder auf seiner Haut wohl bestehen.

Inspiriert vom Spendenlauf

„Nach zwei Monaten war ich angekommen und hatte mich angepasst“, erinnert sich der gelernte Industriekaufmann. „Da konnte ich auch Small Talk auf Swahili führen.“ Und das kann in Kenia durchaus ein großer Vorteil sein. Denn man wird komplett anders wahrgenommen, wenn man die Sprache ein wenig beherrscht, sagt Huber. Ein Beispiel aus dem Alltag: Beim Einkaufen gelten günstigere Preise, während von einem „Weißen“ oder „Mzungu“ manchmal das Fünffache verlangt wird. Freilich sei es dann immer noch günstig, aber manche Touristen würden trotzdem übers Ohr gehauen.

Wie es den 23-Jährigen überhaupt nach Kenia verschlagen hat, war wohl die Frage, die sich die meisten seiner Freunde gestellt haben. Als „Parade-Bayer“ und einer, der Englisch nicht besonders gut beherrschte, konnten sie sich ihren Spezl nicht wirklich bei einem längeren Aufenthalt in Afrika vorstellen. Aber er plante – und brach im Mai auf. Am Ende gefiel es ihm so gut, dass er sogar noch einen Monat länger blieb.

Den Ansporn für seinen Afrika-Trip lieferte ein Freund, der für neun Monate in Indien in einem Krankenhaus gearbeitet hatte. Da kam die Idee auf, auch etwas zu erleben. Dabei erinnerte sich Huber an die Spendenläufe aus seiner Schulzeit, bei denen immer Geld für Organisationen in Afrika gesammelt wurde. Dazu kam noch, dass er zu Weihnachten das Buch von der Finsingerin Andrea Struck bekommen hatte, die ihren Sohn Zebu aus Kenia adoptiert hat. Diese Geschichte steigerte Hubers Faszination noch, und so machte er sich auf die Suche nach der Organisation von den Spendenläufen. Auf der Homepage www.wajibuwetu.de wurde er fündig: Hier wurden Freiwillige für ein Kinderheim in der Nähe von Mombasa gesucht. Huber bewarb sich und wurde genommen.

Einen Kulturschock erlebte der Finsinger jedoch nicht, als er in Afrika ankam. Er wusste, was ihn erwartet. „Der Lebensstil ist beeindruckend. Die Leute sind so arm, aber trotzdem glücklich. Sie haben die Luxusprobleme von uns Deutschen nicht“, erzählt Huber.

„Weg von Luxusproblemen“

Es gab keinen Fernseher und auch sonst kaum Technik. „Alles wird von Hand gemacht. Oft wurde ich gefragt, ob wir in Deutschland dafür eine Maschine hätten, zum Beispiel beim Wäschewaschen und Geschirrspülen“, erinnert er sich. Auch Toiletten gab es nicht, nur ein Loch mit einer Wanne darunter, die alle zwei Wochen ausgeleert wird.

Er hat sie lieb gewonnen: Michael Huber zusammen mit dem „Heimonkel“ Jackson, einem Betreuer und Kindern des Maisha-Mazuri-Children-Centre.

Der Alltag im Kinderheim, dem Maisha-Mazuri-Children-Centre, begann damit, die Tiere des Heims aus ihren Ställen zu lassen – Ziegen, an die 30 Hühner und rund 50 Hasen. „Am störrischsten aber war der Bock, der wollte nie nach draußen“, erzählt Huber lachend. Waren die Viecherl endlich auf der Weide, wurde der Stall sauber gemacht und alle Pflanzen bewässert.

Einmal Lehrer sein: Der Finsinger brachte den Schülern den Unterschied zwischen Kenia und Deutschland bei und durfte selbst wieder die Schulbank drücken.

Im Maisha-Mazuri-Children-Centre sind 20 Kinder untergebracht, dazu kommen täglich noch 30 bis 40 Kindergartenkinder. Auf diese aufzupassen und mit ihnen zu spielen, war auch eine von Hubers Aufgaben. An den Wochenenden gab er zudem Schwimmkurse. „Am Anfang dachte ich, ich lege eine Liste aus, und vielleicht tragen sich ja fünf oder sechs Kinder ein. Aber am Ende standen alle 20 Kinder auf dem Zettel“, erzählt der 23-Jährige und ist immer noch begeistert davon, wie gut der Kurs angenommen wurde. Er baute auch einen Sandkasten für die Heim-Kinder, in dem er prompt nach der Fertigstellung eingegraben wurde. „Der Sandkasten kam so gut an, da ging’s zu wie am Stachus“, sagt Huber.

„Ich habe das einfache Leben total genossen. Weg zu sein von den deutschen Luxusproblemen“, berichtet der 23-Jährige. Die Menschen in Kenia wissen, dass unser Leben das Paradies sein muss, aber sie sind trotzdem glücklich. Der Finsinger erklärt sich das so: „In Deutschland schaut man auf seine Nachbarn und denkt sich: ,Dem geht’s bestimmt besser als mir‘. Und schon ist man unzufrieden. In Kenia schauen die Menschen auf die Nachbarn und wissen, die haben genauso wenig wie alle anderen auch, also muss man nicht vergleichen und ist glücklicher.“

Heimweh hatte Huber kaum, obwohl er sehr familienbezogen ist. Ab und zu habe er schon seine Eltern vermisst, „aber da unten habe ich ja auch meine Leute gehabt“. Nach seiner Zeit im Kinderheim blieb er noch ein wenig in Kenia, in einem Hotel in Tiwi Beach, südlich der Hafenstadt Mombasa. Zu seinen besten Freunden zählten da die Beach Boys – Händler, die am Strand den Touristen Souvenirs verkaufen – und ein Bodaboda-Fahrer, der Fahrer eines Motorradtaxis. Sie haben dem Finsinger Swahili beigebracht und mit ihm Safaris unternommen.

Trickdiebe in der Hauptstadt

Negative Erfahrungen hat Huber kaum gemacht – lediglich in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wo er gleich zweimal ausgeraubt wurde. Einmal, als er beim Frühstück in einem Kaffeehaus saß. Dort fragte ihn ein Mann nach Geld, und Huber gab ihm welches. Doch kurz darauf kam ein Polizist durch die Tür und sagte ihm, der Mann wäre ein Terrorist gewesen, und er müsse nun aufs Revier mitkommen, weil er ihn unterstützt habe. Der vermeintliche Gesetzeshüter wollte Hubers Geldbeutel sehen – und stahl noch mal Geld. Beim zweiten Mal beklauten ihn ein paar Straßenjungen.

Mit gemischten Gefühlen ist Huber zurück nach Finsing gekommen. Das Zurückkommen sei ihm am schwersten gefallen, da er sich am Ende so gut mit allen identifiziert habe. Auch seine Englischkentnisse haben sich verbessert. „An den Erfahrungen, die ich gemacht habe, bin ich auf jeden Fall gewachsen“, erzählt der junge Mann. Irgendwann möchte er wieder zurück nach Kenia. Vielleicht schon im nächsten Jahr. Bis es aber so weit ist, wird er wieder als Industriekaufmann arbeiten.

Franziska Huber

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