Vor Gericht

1,2 Kilogramm Kokain im Koffer

Flughafen/Landshut – Sein erst vor einem Jahr gegründetes Ein-Mann-Taxiunternehmen rentierte sich nicht. Da übernahm ein 61-jähriger Mexikaner in seiner Heimat einen vermeintlich lukrativen Transportauftrag nach Europa – mit Kokain. Der brachte ihm jetzt vor dem Landgericht Landshut allerdings eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten ein.

Der Mann war am 24. März gegen 5.15 Uhr aus Mexico City kommend auf dem Münchner Flughafen zwischengelandet. Den Anschlussflug nach Neapel erreichte er nicht mehr, denn vorher klickten die Handschellen. Ein von ihm als Transitgepäck aufgegebener Koffer, in dem sich noch ein kleinerer Koffer befand, erweckte die Neugier der Zollbeamten. Bei der näheren Untersuchung wurden im Gestänge verarbeitet insgesamt 1200 Gramm Kokain mit einem Wirkstoffgehalt von rund 72 Prozent aufgefunden.

Vor der 4. Strafkammer legte der 61-Jährige wie schon bei seinen ersten Vernehmungen ein Geständnis ab. Er habe sich in argen finanziellen Nöten befunden. Das kleine Haus, das er mit seiner Familie bewohnt, sei renovierungsbedürftig gewesen. Außerdem habe er sich vor einem Jahr als Taxifahrer selbstständig gemacht und umgerechnet noch rund 2000 Euro Schulden aus dem Autokauf. Dagegen hätten sich die Einnahmen in Grenzen gehalten: rund 200 Euro im Monat.

Sein Leid habe er einem ihm unbekannten Fahrgast geklagt und der habe ihm ein verlockendes Angebot gemacht: 1500 US-Dollar für den Transport eines Koffers nach Europa. Er sei darauf eingegangen, habe zunächst ein Flugticket nach Kolumbien bekommen und dort in einem Hotel einen älteren Mann getroffen, der ihm den Koffer übergeben habe. Damit sei er nach Mexico City zurückgekehrt, wo er das Flugticket nach Neapel und 4000 Pesos (rund 200 Euro) erhalten habe.

In Neapel sollte er sich in ein bestimmtes Hotel einmieten, wo er per SMS kontaktiert würde. Ihm sei zwar bewusst gewesen, dass es um etwas Illegales, um Drogen gehe. Aber welches Rauschgift und welche Menge er transportieren sollte, habe man ihm nicht gesagt. Mit dem Hintermann habe er nur telefonischen Kontakt gehabt.

Das Gericht blieb mit dem für die versuchte illegale Durchfuhr und die Beihilfe zum illegalen Drogenhandel in nicht geringer Menge verhängten Strafmaß von vier Jahren und zwei Monaten erheblich unter dem Antrag von Staatsanwalt Dr. Alexander Ecker. Er hatte fünfeinhalb Jahre beantragt und vor allem damit argumentiert, dass es sich bei der geschmuggelten „Ware“ um das 170-Fache der so genannten nicht geringen Menge gehandelt habe.

Verteidigerin Susanne Hartlage hatte dagegen auf die besondere Haftempfindlichkeit ihres Mandanten verwiesen, der aus finanziellen Gründen bisher auch keinen Kontakt mit seiner Familie in Mexiko aufnehmen konnte, und eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren für angemessen erachtet.

Vorsitzender Richter Oliver Dopheide verwies in der Urteilsbegründung darauf, dass die Kuriere zwar das letzte Glied im internationalen Rauschgifthandel seien und für einen verhältnismäßig kleinen Lohn ein hohes Risiko eingingen, aber: „Ohne sie ginge es nicht.“ Straferschwerend sei außerdem die große Rauschgiftmenge ins Gewicht gefallen.  ötl

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