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Zwei Generationen Kiebitz: Neben dem Großen Brachvogel fühlt auch dieser Wiesenbrüter im abgegrenzten Revier innerhalb des Flughafenzauns wohl. Der Schutz seltener Arten im Erdinger Moos wird nun ausgebaut.

Neues Wiesenbrüter-Pilotprojekt

Lebensraum zwischen Beton und Kerosin

Flughafen – Der Flughafen München wird vor allem von Riesenvögeln der Gattungen Airbus und Boeing angeflogen. Es gibt aber auch viele echte Vögel am Airport. Die FMG startet ein Pilotprojekt zum Schutz von Wiesenbrütern. Deren Lebensräume sollen gesichert und verbessert werden.

Selbst Gegner des Flughafens müssen zugeben: Zwischen Terminals, Startbahnen und Rollwegen ist ein Dorado für viele Vögel und Kleinlebewesen entstanden – nicht zuletzt, weil natürliche Feinde fehlen. Was viele nicht wissen: Deutschlands zweitgrößter Airport ist Teil des über 4500 Hektar großen Vogelschutzgebiets „Nördliches Erdinger Moos“, einer der bedeutendsten Lebensräume für Wiesenbrüter in Bayern.

Diesen widmet sich die Betreibergesellschaft FMG mit dem bayerischen Umweltministerium. Sie starten ein Pilotprojekt für den Wiesenbrüterschutz. Den Bestand gefährdeter Vogelarten wie dem vom Aussterben bedrohten Großen Brachvogel oder dem Kiebitz will die FMG damit sichern und fördern.

FMG-Sprecher Ingo Anspach berichtet, „dass wir im Rahmen dieses Projekts in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 50 Hektar landwirtschaftlich genutzter Flächen Schutzvorkehrungen und Maßnahmen zur Förderung der Wiesbrüter entwickeln und testen werden.“ Von den daraus gewonnenen Erkenntnissen, so Anspach weiter, sollen danach auch andere bayerische Regionen profitieren.

Vorgesehen sind unter anderem der Schutz der Nester, eine extensivere Flächenbewirtschaftung, wiesenbrütergerechtere Mahd aber auch Zäune als Schutz vor Fraßfeinden. Nicht zuletzt will die FMG neue ökologische Pachtverträge auflegen, die entsprechende Bewirtschaftungsauflagen enthalten.

Anspach verweist in diesem Zusammenhang auf das „vielfältige und langjährige Engagement des Flughafens im Naturschutz. „Seit Jahresbeginn unterstützen wir den Umweltpakt Bayern mit einem freiwilligen Projekt zum Schutz von Schmetterlingen im Freisinger Moos.“ Auch innerhalb des Zauns werde seit mehr als 20 Jahren ein spezielles Biotopmanagement betrieben. „Mit jährlich mehr als 50 Brutpaaren gehört der Flughafen zu den bedeutenden Brachvogelgebieten in ganz Bayern“, sagt Anspach. Voriges Jahr sei mit 76 Paaren der landesweit größte Bestand gezählt worden. Auch die Entwicklung der Kiebitz-Population auf den Flughafenwiesen ist laut Anspach positiv. „Außerhalb des Airportgeländes sind die Bestandszahlen jedoch rückläufig“, rechnet der Pressesprecher vor. 2006 seien es dort 366 Kiebitzpaare gewesen, neun Jahre später nur noch 125. Dies liege auch an der intensiven Landwirtschaft.

Ulrike Scharf, Umweltministerin und Erdinger Stimmkreisabgeordnete, heißt jedes Engagement in diese Richtung gut: „Die biologische Vielfalt steht unter Druck. Der Artenschutz stellt uns vor große Herausforderungen.“

FMG-Chef Michael Kerkloh erklärt: „Wir nehmen die Verantwortung, die mit der Lage des Flughafens innerhalb eines Europäischen Vogelschutzgebietes verbunden ist, sehr ernst.“ Das neue Pilotprojekt ergänze und erweitere das Engagement im Natur- und Umweltschutz.

Hans Moritz

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