Vor Gericht

Medizinstudentin schmuggelt Kokain

Flughafen – Sie wollte ein wenig „Studiengeld“ verdienen. Jetzt sitzt die Drogenkurierin für viereinhalb Jahre im Gefängnis.

Drei Jahre ihres Medizinstudiums wollte eine 25-jährige Brasilianerin als Drogenkurierin finanzieren. Mit knapp zwei Kilo Kokain im Koffer wurde sie am Flughafen geschnappt und landet jetzt für viereinhalb Jahre hinter Gittern.

Die Studentin war am 1. Februar dieses Jahres mit dem Flieger aus São Paulo zwischengelandet. Im doppelten Boden ihres Koffers wurden knapp zwei Kilogramm Kokain gefunden. Der Wirkstoffgehalt lag bei 90 Prozent. Wie Staatsanwalt Achim Kinsky später vorrechnete, hätte der Stoff im Straßenverkauf 400 000 Euro eingebracht.

Wie schon bei ihren ersten Vernehmungen durch die Zollbeamten legte die Mutter einer achtjährigen Tochter auch vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. Sie sei in São Paulo aufgewachsen und habe in der Schule beste Noten erhalten, so dass sie ein Studium begonnen habe. Dafür habe sie letztlich nicht das notwendige Geld aufbringen können. Deshalb sei sie auf Empfehlung ihres Bruders nach Bolivien gegangen. Auch dort habe sie finanzielle Probleme bekommen.

Da habe ihr Studienkollege Lucas B. „Arbeit“ für dessen Hintermann Alex angeboten: „Er hat mich im Januar aufgesucht und gesagt, ich soll eine Reise antreten. Wir haben uns dann getroffen, und er hat mir einen Koffer übergeben, in dem sich angeblich ,nichts Kriminelles’ befand.“ Gleichzeitig habe sie für die Behandlung ihrer kranken Tochter 500 Dollar erhalten und dazu rund 1300 Euro für das Ticket und die Spesen. Für den Koffertransport sollte sie insgesamt 4500 Euro bekommen.

„Ich bin davon ausgegangen, dass ich angelogen wurde und Drogen transportieren sollte, allerdings nicht welche und wie viel“, so die 25-Jährige. Sie habe sich zunächst auch geweigert, ihr sei aber bedeutet worden, dass sie nur zwei Möglichkeiten habe: „Entweder das Geld, das ich nicht mehr hatte, zurückzugeben oder ,in anderer Form’ zu bezahlen. Das war eindeutig eine Drohung.“ Wie ein Ermittlungsbeamter berichtete, habe man vergeblich versucht, die Hintermänner zu ermitteln.

Staatsanwalt Achim Kinsky sprach von einem „klassischen Fall“: Die Kurierin habe den Transport des Rauschgifts zumindest billigend in Kauf genommen, aber nicht gewusst, um welche Droge und um wie viel es sich handle.“ Auch, dass die 25-Jährige unter wirtschaftlichem Druck gehandelt habe, sei die Regel: „Allerdings hätte es auch andere Möglichkeiten, nämlich ehrliche Arbeit, gegeben, um das Studium zu finanzieren.“

Strafmildernd wertete der Anklagevertreter, der eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten beantragte, dass die Studentin nur „ein kleines Rad im internationalen Drogenschmuggel“ gewesen sei. Andererseits ginge ohne die Kuriere nichts.

Verteidiger Jochen Ringler hielt eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren für ausreichend. Seiner Mandantin sei ein verlockendes Angebot gemacht worden. Als sie kalte Füße bekommen habe, sei sie bedroht worden. Strafmildernd müsse sich zudem die Haftempfindlichkeit auswirken- Die Angeklagte sitze seit sechs Monaten in Untersuchungshaft, könne sich nur mit „Händen und Füßen“ verständigen und sei praktisch mittellos sei. In all den Monaten habe sie auch keinerlei Kontakt mit ihren Angehörigen aufnehmen können.

Vorsitzender Richter Ralph Reiter sah die viereinhalb Jahre als moderates Strafmaß. Die Studentin sei für eine international agierende Bande unterwegs gewesen und habe genau gewusst, was sie tue. Dafür spreche auch der vergleichsweise hohe Kurierlohn. Eine echte verzweifelte wirtschaftliche Not habe bei ihr aber nicht wirklich vorgelegen.

von Walter Schöttl

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