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Das ganz große Chaos blieb am Mittwoch am Münchner Flughafen aus.

Flughafen München

Streik der Lufthansa-Piloten: Das Chaos blieb aus

München/Flughafen - Der Streik der Lufthansa-Piloten hat den Flughafen München hart getroffen. Zum Erliegen kam der Flugbetrieb aber nicht – Töchter des Konzerns halfen aus. 60 Prozent der Flüge fielen jedoch aus. Am Donnerstag geht der Ausstand weiter.

Jessica Hörner ist sauer. Eigentlich wollte die Ingolstädterin am Mittwoch nach Kapstadt fliegen. Lange hatte sich die 27-Jährige auf 14 Tage Urlaub gefreut. Doch dann kam die Streikankündigung der Piloten-Gewerkschaft Cockpit. Hörner wandte sich an die Lufthansa – und wurde unkompliziert auf Donnerstag umgebucht. 

Wenig später die nächste Hiobsbotschaft: Der Streik geht weiter. Nun steht sie wieder am Lufthansa-Schalter. „Hoffentlich komme ich auf den Flug der Swiss nach Südafrika.“ Was fühlt sie? „Ich halte die Forderungen der Piloten für nicht gerechtfertigt. Da verstehe ich eher Lufthansa, dass sie sich weigert.“ Mindestens ein Urlaubstag ist weg. 

Wie Jessica Hörner geht es vielen: Sie warten vor dem Ticketschalter – in der Hoffnung, doch noch einen Platz in einem anderen Flieger zu ergattern. Im Terminal 2, in dem die Lufthansa-Flüge abgewickelt werden, ist am 14. Streiktag seit 2014 deutlich weniger los als sonst. Dennoch sind viele Reisende zu sehen, vor der Sicherheitskontrolle bilden sich die üblichen Warteschlangen. 

Das ganz große Chaos blieb am Mittwoch am Münchner Flughafen aus.

Der Streik der Piloten für mehr Gehalt trifft Deutschlands größte Fluggesellschaft an Deutschlands zweitgrößtem Flughafen schwer. Zum Erliegen kommt der Flugbetrieb jedoch nicht. Die Münchner Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger erklärt, 40 Prozent der 600 am Mittwoch geplanten Flüge hätten durchgeführt werden können – rund 240. Dass nicht noch mehr ausfallen, ist den anderen Gesellschaften des Kranich-Konzerns zu verdanken: Zu ihm gehören unter anderem auch Austrian Airlines und Swiss. „Das Streckennetz ist bei allen Dreien nahezu identisch. AUA und Swiss stellen größere Maschinen zur Verfügung, um möglichst viele Gäste mitnehmen zu können“, so Rittberger. 

Am Donnerstag sollen wiederum etwa 240 der planmäßigen 600 Flüge abgefertigt werden, teilt Rittberger am Nachmittag mit. 70 Prozent der Betroffenen habe man über den Sonderflugplan per Mail oder SMS rechtzeitig erreicht. „Das geht nur, wenn wir die Adressen haben.“ Sie rät allen, sich im Internet unter www.lh.com oder unter der Service-Hotline (0 800) 8 50 60 70 zu informieren. 

Familie Schiffiano hatte Glück: Ihr Flug heim in die USA wurde nicht gestrichen. 

Das wird Familie Schiffiano nicht mehr erleben. Mama Kelley, Papa William wollen mit ihren Kindern James (7), Thomas (10), Oliver (12), Joseph (14) und Vincent (17) heim nach Charlotte. Drei Wochen waren die Amerikaner auf Urlaub in Italien und Deutschland. „Wir haben erst heute Morgen vom Streik erfahren, als wir am Flughafen angekommen sind“, erzählt Kelly. Ihr Babybauch signalisiert: Stress kann sie keinen gebrauchen. Sie muss sich auch nicht aufregen, denn der Flug der Schiffianos ist einer der wenigen Interkontinentalverbindungen, die Lufthansa an diesem Tag bedient. 

Müssen einen Umweg in Kauf nehmen: Veronika Steinhofer und Julia Munz. 

Nicht ganz so glatt läuft es für Veronika Steinhofer und Julia Munz. Die beiden Passauerinnen haben sich so auf neun Tage Chicago gefreut. Zum Glück: Ganz platzt der Traum nicht: Die 27 und 29 Jahre alten Frauen werden starten – allerdings erst einmal nach Washington, und erst dann ans eigentliche Ziel. Ein Tag ist futsch. „Der Streik zieht sich jetzt schon so lange hin, dafür habe ich kein Verständnis mehr – schon gar nicht bei Piloten. Anders wäre es, wenn mal Krankenschwestern oder Altenpfleger auf die Straße gingen“, sagt Steinhofer. 

Luigi Avagliano fühlt mit den Piloten. Er hat es gut: Sein Flug nach Malta ist sicher. „Ich weiß nicht, was Cockpit genau fordert. Aber grundsätzlich ist es gut, dass gestreikt werden kann“, sagt der Radolfszeller – und bekannt: „Ich bin selbst Gewerkschafter.“

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