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Gemeinschaftsaktion am Wohncontainer: Die Asylbewerber, die Am Steinfeld in Forstern leben, haben zusammen den Vorgarten auf Vordermann gebracht.

Interview: Sozialer Ansprechpartner Mathias Weigl

„Der Helferkreis boomt nach wie vor“

Forstern - In Forstern leben seit gut einem Jahr Asylbewerber in einem Privathaus. Seit rund fünf Monaten ist auch die Containeranlage Am Steinfeld bezogen. Der Soziale Ansprechpartner Mathias Weigl zieht eine Zwischenbilanz.

Herr Weigl, die Containeranlage Am Steinfeld bietet Platz für 40 Menschen. Wie viele Asylbewerber leben dort?

Mathias Weigl: Derzeit leben 16 Menschen in der Anlage. Im Erdgeschoss wohnen drei Frauen aus Somalia und zwei Familien, eine aus dem Kongo und eine aus Nigeria. Die insgesamt fünf Kinder sind zwischen zwei und acht Jahre alt. In der oberen Etage sind fünf junge Männer eingezogen, allesamt gerade volljährig geworden. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien sowie Somalia und haben in Langengeisling in einer Pension gelebt, bevor sie nach Forstern kamen. Das Jugendamt begleitet die jungen Leute weiterhin, die Familien werden von Familienhelfern betreut.

Wie wichtig ist es, dass die Asylbewerber Deutsch lernen?

Weigl: Wir in Forstern fahren den Kurs, dass sie zuallererst die deutsche Sprache lernen müssen. Wir haben ab September für alle flächendeckend einen Kursplatz bekommen, in Erding an der Volkshochschule, beim Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft oder an der Berufsschule. Hilfreich waren auch die ehrenamtlich geführten Kurse in den Räumen des Volksbildungswerks, bei denen Maria Feckl die treibende Kraft war. Außerdem gibt es in den PC-Räumen der Schule freitags und samstags einen onlinebasierten Deutschkurs, den wir zusätzlich anbieten.

Nehmen die Eltern ihre Kinder mit, wenn sie die Kurse besuchen?

Weigl: Nein, der Helferkreis übernimmt die Betreuung. Das ist ein ziemlicher Aufwand, aber der Helferkreis ist gut aufgestellt. Ein Team an ehrenamtlichen Damen, darunter auch eine Erzieherin, hat einen Plan für die Betreuung entworfen. In den Räumen des Volksbildungswerks zum Beispiel wurde eine Spielecke in einem Nebenraum eingerichtet. Außerdem besuchen die älteren Kinder die Grundschule, die kleinen Kindergarten oder Krippe.

Mathias Weigl ist seit gut einem Jahr der Soziale Ansprechpartner in der Gemeinde Forstern und damit auch hauptamtlicher Ansprechpartner in Sachen Asyl.

Wie läuft das Deutschlernen?

Weigl: Insgesamt läuft es gut, wenn auch manchmal zäh. An manchen Tagen ist die Motivation eben nicht so da, was aber bei uns allen mal vorkommt. Außerdem hat jeder ein anderes Bildungsniveau – vom Analphabeten bis zum Geschichtsprofessor.

In Forstern gibt es auch eine private Asylunterkunft. Ist diese noch bewohnt?

Weigl: Ja, in der privaten Unterkunft an der Münchner Straße leben aktuell zwölf Menschen – eine Frau aus Eritrea, zwei Familien mit zwei beziehungsweise drei Kindern aus Nigeria und zwei Männer aus Somalia.

Einer von ihnen ist Maazim, der voriges Jahr als Schülerlotse und im Bauhof gearbeitet hat. Wie geht es ihm?

Weigl: Maazim ist so etwas wie ein Musterbeispiel in Sachen Deutschlernen. Er lebt seit Juli 2015 in Forstern und gehört fest zur Dorfgemeinschaft. Man kann sich schon sehr gut mit ihm auf Deutsch unterhalten. Inzwischen besucht er einen weiterführenden Sprachkurs – fünfmal pro Woche, von 8 bis 16 Uhr. Darum musste Maazim schweren Herzens seinen Dienst als Schülerlotse aufgeben.

Wie hat sich der Helferkreis Asyl in den vergangenen Monaten entwickelt?

Weigl: Der Helferkreis boomt nach wie vor. Wir sind rund 40 Ehrenamtliche. Sie rekrutieren sich selbst und es herrscht ein guter Zusammenhalt. Das mag auch an mir als festem Ansprechpartner liegen: Da zu sein und zuzuhören reicht oft schon. Hilfreich sind zudem unsere regelmäßigen Treffen, bei denen wir uns austauschen. Im Anschluss lassen wir beim Hirschbachwirt den Abend gemütlich ausklingen. Der Helferkreis ist wie ein Netzwerk für den Ort. Es kommen unterschiedliche Leute mit unterschiedlichem Fachwissen zusammen – vom Sportfunktionär bis zum IT-Fachmann.

Kann jeder mitmachen, der möchte?

Weigl: Natürlich kann jeder dem Helferkreis beitreten. Die Ehrenamtlichen unterschreiben dafür eine Vereinbarung, die unter anderem eine Verschwiegenheitsklausel enthält. Wer Kinder betreuen will, braucht ein erweitertes Führungszeugnis – ganz genau wie in einem Verein.

Hat sich die Arbeit der Helfer im Vergleich zum Sommer 2015 verändert?

Weigl: Auf jeden Fall, denn auch die Helfer lernen jeden Tag dazu. Zum Beispiel, dass viele Asylsuchende Werte wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nicht unbedingt gelernt haben. Die Menschen müssen auch dabei komplett wieder bei Null anfangen, was nicht immer leicht ist. Doch man muss dran bleiben, denn steter Tropfen höhlt den Stein.

Was leistet der Helferkreis alles vor Ort?

Weigl: Die Ehrenamtlichen vom Helferkreis leisten sehr viel, wofür auch Bürgermeister Georg Els und die gesamte Gemeindeverwaltung sehr dankbar sind. Neben der Betreuung der Asylsuchenden und den Deutschkursen haben wir schon viel initiiert und gemacht. Zu den Aktionen zählen ein Besuch im Forsterner Heimatmuseum, ein Fahrradkurs samt Radprüfung mit der Polizei, ein Schwimmkurs im Freibad, Radtouren, der Besuch beim Maibaumaufstellen, die Teilnahme am Ramadama, eine Gartenaktion am Container und ein Rathausbesuch mit dem Bürgermeister. Bei uns herrscht reges Leben.

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